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Dorferneuerung Markt Weitnau: Vorstellung des Konzepts

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Von: Christine Reder

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Dorferneuerung Markt Weitnau historisches Amtshaus
Die Gemeinde Markt Weitnau soll weiterentwickelt werden. Letzten Samstag wurde das Konzept interessierten Bürgerinnen und Bürger im historischen Amtshaus vorgestellt. © Christine Reder

Weitnau – Letzten Samstag wurde im historischen Amtshaus in der Gemeinde Weitnau ein Innenentwicklungskonzept den interessierten Bürgerinnen und Bürgern vorgestellt.

Weitnau – Mit einem eigenen Leuchtturmprojekt will die Gemeinde Markt Weitnau „in positiver Art etwas bewegen“, so die Begrüßungsworte des Ersten Bürgermeisters Florian Schmid der Gemeinde Markt Weitnau.

Ziel sei eine Stärkung des ländlichen Raums und eine Verbesserung der Lebens-, Wohn-, Arbeits- und Umweltverhältnisse, erklärte Schmid. Es soll ein lebendiger und funktional vielfältiges Ortszentrum geschaffen werden, sowie eine flächensparende Siedlungsentwicklung entstehen.

„Jeder Einzelne ist aufgerufen; die Eigentümer vor Ort sind gefragt“, betonte der Bürgermeister. Für die Veränderung und Weiterentwicklung des Dorfes brauche es engagierte Menschen, die in ihrer Heimat und für ihre Heimat etwas bewegen wollen. Es sei ein wegweisendes Projekt, das neben dem bürgerlichen Engagement auch das Vereins- und Gemeindeleben, den sozialen Zusammenhalt und die Dorfkultur stärken soll, bekräftigte Schmid.

Vorschlag: Feuerwehrhaus soll weg

Aus einer Umfrage im Jahr 2013 entwickelte sich ein Leitbild für die Gemeinde. Eine anschließende Studie zeigte beispielsweise, welchen Einfluss das im Ortskern stehende Feuerwehrhaus auf die Entwicklung dieses Dorfplatzes habe, erklärte Architekt Hans-Peter Meyer, Vertreter der Ortsbildgruppe.

Ihr Vorschlag sei deshalb, dass Feuerwehrhaus zu entfernen und den Platz anderweitig zu nutzen. Um die Weiterentwicklung des Ortes voranzutreiben, wurde das Planungsbüro „Orte gestalten“ beauftragt ein Innenentwicklungskonzept zu erstellen. Es sei ein dickes Buch mit über 100 Seiten entstanden, startete Stefanie Seeholzer von „Orte gestalten“ ihren Vortrag.

Ortsbildprägende Gebäude erhalten

Der erste Schritt war, in einem gemeinsamen Spaziergang mit Gemeindevertretenden und der Bürgerschaft das Gemeindegebiet kennenzulernen. Ihr seien der schön gewachsene Ortskern und die historischen Gebäude aufgefallen, die verwunschenen Wege und Trampelpfade, der weite Ausblick in die Landschaft und die Siedlungsstruktur, die geprägt ist von Offenheit und Freiräumen. „Diese ortsbildprägenden Gebäude gilt es zu erhalten“, resümierte Seeholzer.

Vielfältige Faktoren nehmen Einfluss auf die ländliche Entwicklung, erklärte Seeholzer. Hinter dem Innenentwicklungskonzept stehe die Erhaltung eines lebendigen Ortszentrums und einer flächensparenden Siedlungsentwicklung. „Das kulturelle, dörfliche Angebot und eine starke Vereinskultur machen einen Ort aus, dies gilt es langfristig zu bewahren.“ Darüber hinaus sei der Schutz der Landschaft und eine nachhaltige Ressourcen- und Energienutzung, wie ein achtsamer Umgang mit der Ressource Boden ein wichtiger Beitrag zum Thema Klimaschutz, betonte die Referentin.

Nicht bebaute Flächen schützen

Daneben müsse zudem die Mobilität und Erreichbarkeit, wie etwa eine Erweiterung des ÖPNV-Angebotes und ein gut ausgebautes Mobilfunknetz Beachtung finden. Großen Raum nehme die Erhaltung der eigenständigen Charaktere der ländlichen Siedlungen und der alten Gebäude durch energetische Sanierungen ein. Mit den nicht bebauten Flächen solle sorgsam umgegangen werden, so Seeholzer, den eine zusätzliche Bebauung nehme Landschaftsraum.

So habe der durchgeführte Vitalitätscheck für die Gemeinde Weitnau gezeigt, dass seit 1980 der Flächenverbrauch durch eine Zunahme der Bevölkerung stark angestiegen sei. Es entstanden viele Einfamilienhäuser mit hohem Flächenverbrauch. Ein Ziel des Konzeptes sei es, den Verbrauch pro Kopf deutlich zu reduzieren. Beispielsweise biete die Reaktivierung von leerstehenden Höfen ein vielfältiges Wohnraumangebot, wie etwa für Mehrgenerationenhäuser oder auch für kleinere, barrierefreie Wohnungen, die zudem den demografischen Wandel berücksichtigen.

Die durchgeführte Analyse zeigte 265 Entwicklungspotentiale in der Gemeinde, erklärte die Referentin. Wie etwa der alte, historische Gutshof des Ortes. Das Gebäudevolumen umfasse ungefähr 12 Einfamilienhäuser, versinnbildlichte Seeholzer. Darüber hinaus könnte mit einem Umbau des alten Gebäudes die historisch gewachsene Baukultur erhalten bleiben.

Ortskern als Treffpunkt

Es gebe bereits zahlreiche konkrete Ideen. „Damit Weitnau langfristig attraktiv bleiben kann“, betonte Seeholzer. Der Ortskern soll ein Treffpunkt für Jung und Alt werden. „Mit der bereits vorhandenen Eisdiele ist ein Anfang gemacht. So ein Dorfplatz lebt vom Angebot.“ Die Brücken sollen ersetzt werden. Ein Belagwechsel auf der Kreisstraße, die durch den Ort führt und zudem eine wichtige Route für die Schulkinder ist, könne zur Verkehrsberuhigung beitragen.

Um die wirtschaftlichen Aspekte nicht zu vernachlässigen, müsse auch das Parkraumangebot erweitert werden. Die Grünflächen sollten erhalten bleiben, etwa mit dem Anlegen eines Bauerngartens, einem Spielbereich und einem Wasserzugang, sowie Sitzgelegenheiten, die zum Verweilen einladen.

Leerstehende Gebäude als Chance

Sogenannte Leerstandspaten, eigens benannte Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde werden das persönliche Gespräch mit den Eigentümerinnen und Eigentümer von leerstehenden Gebäuden suchen, erklärte Bürgermeister Florian Schmid. „Es werden sicherlich nicht alle mitmachen, aber wir möchten irgendwo anfangen.“

Julia Geiger und Manuel Weigele vom Amt für Ländliche Entwicklung gaben einen Überblick zu Fördermöglichkeiten privater Maßnahmen und zeigten Beispiele gelungener Sanierungen alter Gebäude und Hofstellen.

Im Anschluss an den Vortrag hatten die Besucherinnen und Besucher Gelegenheit sich im Gespräch auszutauschen und in der begleitenden Wanderausstellung „Dorfkerne_Dorfränder“, Ortsbildpflege und -entwicklung weitere Informationen zu erhalten.

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