"Wir brauchen Hecken!"

Dorfgemeinschaft pflanzt Lebensraum für Insekten, Vögel & Co.

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Zur Nachahmung empfohlen: Die Überbacher pflanzten am Wochenende gemeinsam eine 300 Meter lange Feldhecke. Wenn es nach den Beteiligten geht, sollen weitere folgen.

Überbach – In Zeiten, in denen allerorten landschaftsprägende Bäume und Hecken achtlos – und oft mit dem Segen der öffentlichen Hand – entfernt werden, setzen einige engagierte Bürger des Dietmannsrieder Gemeindeteils Überbach ein Zeichen: Die zehn Männer und Frauen pflanzten am vergangenen Wochenende gemeinsam eine rund 300 Meter lange Hecke aus Vogel- und Insektennährgehölzen.

Initiator der Aktion war der Überbacher Jagdpächter Robert Walker (2.v.li. im Bild). Er traf mit seiner Idee beim Verein für Gartenbau und Landschaftspflege Überbach sofort auf offene Ohren. Dessen Vorsitzender Stephan Sichler (3.v.li.) sagt: „Das Artensterben findet auch direkt vor unserer Haustüre statt. Wir sind uns einig, dass wir der fortschreitenden Ausräumung der heimischen Landschaft dringend etwas entgegensetzen müssen. Schmetterlinge, Bienen und Vögel werden nun mal auf Maisäckern und in Thujahecken nicht satt, dazu brauchen sie dauerhaft heimische Blühpflanzen.“ 

Vier Grundstückseigentümer stellten nach Robert Walkers erfolgreicher Überzeugungsarbeit jeweils einen Streifen zwischen ihren Viehweiden zur Verfügung. Hier brachten die zehn Helferinnen und Helfer nun 300 heimische Sträucher und Gehölze in den Boden, darunter Pfaffenhütchen, Weißdorn, Kornelkirsche, Schlehe, Wildrose, Hartriegel, Wildkirsche und Salweide. 

„Bei der Auswahl haben wir die Bedürfnisse verschiedener Tierarten berücksichtigt“, erklärt Stephan Sichler. „Wenn die Hecke größer ist, bietet sie Rückzugsraum, Schutz, Brutplätze und Nahrung für Insekten, Vögel und andere Tiere, wie beispielsweise Igel, Feldhasen und Rehe. Zudem bildet die Pflanzung zwischen zwei bereits bestehenden Waldstücken eine sichere Verbindungsachse für die Tiere.“ Die Kosten für das Pflanzgut trägt der Verein für Gartenbau und Landschaftspflege. Die Jagdgenossenschaft Überbach bezahlt den neuen Jungviehzaun, der in Kürze aufgestellt wird, um die Jungpflanzen vor Schäden durch das Vieh zu schützen. 

Die Marktgemeinde Dietmannsried sponserte am Pflanztag eine Brotzeit für die Helfer der Dorfgemeinschaft. „Nächstes Jahr wird schon deutlich was zu erkennen sein“, sind die Beteiligten optimistisch. Sie hoffen: „Vielleicht können wir ja andere zur Nachahmung anregen. Wenn man gemeinsam an einem Strang zieht, kann man in kurzer Zeit etwas bewegen. Den Nutzen haben letztlich alle.“

Sabine Stodal

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