Das Dorfmuseum Wildpoldsried feiert 20-jähriges Jubiläum

Von altem Handwerk und kleinen Schätzen

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Sabina Schuster vor dem Wildpoldsrieder Dorfmuseum, das am 15. und 16. August sein 20-jähriges Jubiläum mit einem Fest für die ganze Bevölkerung begeht.

Wildpoldsried – Kunstvolle Haarbilder zur Erinnerung an Verstorbene, ein hölzerner Zimmeraltar, der ein Geheimnis birgt, ein Spucknapf in der guten Stube und dazu allerlei Werkzeug, Mobiliar und Inventar aus alten Zeiten… im Wildpoldsrieder Dorfmuseum gibt es Kurioses, Halb-Vergessenes und auf jeden Fall Sehenswertes zu entdecken. Dieses Wochenende, 15. und 16. August, feiert das Museum sein 20-jähriges Jubiläum.

Als Altbürgermeister Arnulf Traut seinerzeit die Idee hatte, eine heimatkundliche Sammlung zu gründen, kam ihm sogleich Sabina Schuster in den Sinn. Ihrer Sammelleidenschaft und ihrem unermüdlichem Engagement verdankt das Wildpoldsrieder Museum einen großen Teil seines Inventars. „Ich habe schon immer alte Allgäuer Sachen gesammelt, vom Christus bis zur Tasse und hatte das alles in meiner Wohnung stehen“, sagt die heute 79-Jährige. Als Arnulf Traut sie fragte, ob sie Interesse hätte, ihm beim Aufbau eines Dorfmuseums zu helfen, rannte er offene Türen ein. Ein kleines, aber sehr rühriges Team, das zum Teil heute noch aktiv ist, machte sich an die Arbeit und so konnte die heimatkundliche Sammlung 1995 ihr erstes Zuhause im Dachgeschoss der Leichenhalle beziehen. „Das Häuschen war mit 650 kleinen und großen Exponaten – darunter viele Leihgaben und Geschenke von Mitbürgern – schnell voll, dafür war meine Wohnung plötzlich leer“, schmunzelt Schuster.

Sieben Jahre später erwarb die Gemeinde dann den denkmalgeschützten Gschwend-Hof aus dem 18. Jahrhundert – ein schmuckes bäuerliches Anwesen mitten im Dorf. Hier fand die immer größer werdende Sammlung im Jahr 2002 ihre jetzige Heimat. Das sechsköpfige Arbeitsteam kümmerte sich um die Renovierung und Einrichtung der Innenräume, die aussehen wie zu Großvaters Zeiten. Die liebevoll eingerichtete gute Stube, Küche, Waschküche und Schlafkammer dürften manch älteren Mitmenschen noch an die eigene Kindheit erinnern. Zudem sind eine Käserei, eine Malerwerkstatt, ein funktionstüchtiger Webstuhl, und seit neuestem eine große Schusterwerkstatt von anno dazumal zu sehen. Hie und da wurden Spielsachen drapiert, daneben Schreib- und Rechenmaschinen, „altes G’wand“ und vieles, vieles mehr. Stall und Tenne bergen längst ausrangiertes landwirtschaftliches Gerät, um das sich Meinrad Hartman und zwei Helfer kümmern. Zu den besonderen Preziosen gehören die eingangs erwähnten Haarbilder. Das sind gerahmte, filigrane Blumenornamente, die aus den abgeschnittenen Zöpfen von Verstorbenen gefertigt wurden und die nebst einem Foto zur Erinnerung an selbige dienen. Ganz oft gehe es ihr so, dass Leute sagen: „I hob da so altes G’raffel. Willsch'es hoba? Sonscht wirf i's weg“, erzählt Sabina Schuster. Bei dem Gedanken an all die unwiederbringlichen Schätze, die beim Abriss alter Bauernhäuser einfach in der Mülltonne gelandet sind, blute ihr schon manchmal das Herz. Sie selbst ist jeden Tag im Museum, um abzustauben, Fenster zu putzen oder sich um den herrlichen, bestens gepflegten Gemüsegarten hinter dem Haus zu kümmern.

Auch ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter erledigen alle Arbeiten, teils seit Jahrzehnten, mit ganz viel Herzblut. Trotzdem sind sie über jede Hilfe froh, wie etwa seitens der nebenan wohnenden Asylbewerber, die abends die Blumen und das Gemüse gießen. „Unser ganz großer Wunsch wäre es, wenn wir weitere Helfer finden würden. Denn bis auf eine Ausnahme sind wir alle über 70. Keine Ahnung, wer das einmal weitermachen soll.“

Trotz dieser Sorge wird jetzt erst einmal gefeiert. Die Feierlichkeiten zum 20-jährigen Jubiläum beginnen am morgigen Samstag, 15. August, um 11 Uhr mit einer großen Schmetterlingsausstellung. Von 14 bis 17 Uhr gibt es nach einem offiziellen Teil Speis' und Trank sowie Musik von der Rentner- band. Am Sonntag, 16. August, sorgt das Akkordeonorchester für Unterhaltung.

Das Dorfmuseum in der Marktoberdorfer Straße 15 hat jeden ersten Sonntag im Monat von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

Sabine Stodal

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