Das Schulleben findet möglichst oft draußen statt

Grundschule Eich: Das Klassenzimmer ist die Natur

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Fleißig gebuddelt wurde am Dienstagvomittag in Leupolz.

Kempten – Schulunterricht einmal anders: Statt im Klassenzimmer verbrachten die Schülerinnen und Schüler der Grundschule Kottern/Eich – Außenstelle Eich – den Dienstagvormittag auf „ihrem“ Kartoffelacker.

Im Rahmen des Konzepts der „Draußenschule“ bewirtschaften zwei Klassen seit einem halben Jahr einen Kartoffelacker in Leupolz. Der Kreisbote war beim Ernten dabei.

„Wir buddeln nach Kartoffeln und haben schon viele ausgegraben, das macht Spaß“, erzählt die sechsjährige Maja begeistert. Die zwei Jahre ältere Loresa gräbt mit ihren in Handschuhe gesteckten Händen in der Erde: „Ich hab keine Schaufel, aber wir müssen noch graben.“ „Die ist Matsch geworden“, ruft Zaira, sechs Jahre, und hebt eine Kartoffel, die sie gerade aus der Erde geholt hat, in die Höhe. Die neunjährige Lindsay hätte nie gedacht, dass so viele Kartoffeln wachsen werden, sie war im Frühjahr dabei, als die Saatkartoffeln eingesetzt wurden.

Grundschule Eich: Mathe-Unterricht beim Kartoffeln ernten

Ein paar Meter weiter versuchen einige Buben eine Maus zu fangen, die sie beim Buddeln in der Erde entdeckt haben. Dass die Mäuse im Acker der Schule aktiv waren, ist an einigen Kartoffeln unschwer zu erkennen. Die angeknabberten Knollen sortieren die Schülerinnen und Schüler, ebenso wie die matschigen, sorgfältig aus und werfen sie in zwei Schubkarren. Trotzdem bleiben noch sehr viele schöne Kartoffeln übrig – insgesamt 220 Kilogramm, wie sich am Ende herausstellte.

Das Bewirtschaften des Kartoffelackers ist ein Projekt im Rahmen der „Draußenschule“, erklärt Lehrerin Isabel Kuhnert. Vor zwei Jahren hat die Schule aufgrund hervorragender Leistungen im Bereich der Schulentwicklung den Titel „Modus-Schule“ verliehen bekommen. Dieser gestattet, dass neben dem regulären Lehrplan ein neues Schulkonzept erprobt werden kann. „Wir versuchen das Schulleben so oft wie möglich nach draußen zu verlegen“, so Kuhnert. So gebe es auch verschiedene Projekte im Wald, zum Beispiel kommt der Nikolaus nicht in die Schule, sondern in den Wald. „Das ist ein Luxus, dass wir hier sein dürfen, ein ganz großer Gewinn! Hier ist die Natur der Lehrer.“ Kuhnerts Kollegin Maria Heinrich, über die der Kontakt zur Familie Hiepp, die den Acker in Leupolz zur Verfügung stellte, zustande kam, ist ebenfalls begeistert vom Unterricht im Freien: „Die Schülerinnen und Schüler lernen hier so viel Allgemeinwissen, zum Beispiel, dass im Frühjahr gesät wird und im Herbst geerntet.“

Nur durch den Einsatz engagierter Lehrerinnen und Lehrer sowie durch die Unterstützung der Schulleitung und von Sponsoren ist die „Draußenschule“ gut umsetzbar. „Wir haben zwar den Modus-Schul-Status, doch damit sind weder finanzielle Unterstützung noch mehr Stunden verbunden“, erklärt Kuhnert. Trotzdem würde sie jederzeit eine Doppelstunde Mathe für ein Projekt im Freien eintauschen. Und der „normale“ Unterricht kommt bei der „Draußenschule“ auch nicht zu kurz. Nachdem alle Kartoffeln ausgegraben wurden – übrigens vier verschiedene Sorten – bekamen die Kinder ein Arbeitsblatt. Je nach Klassenstufe mussten sie verschiedene Rechenaufgaben mit ihren Kartoffeln lösen.

Am Ende wurden alle Kartoffeln in Säcke verpackt und gewogen – auf einer alten Dezimalwaage. Hier beweist der neunjährige Kilian sein Rechentalent. Er platziert die kleinen Gewichte solange, bis Gewichte und Kartoffeln gleich schwer sind. Da es jedoch eine Dezimalwaage ist, muss er die Gewichte noch mit zehn multiplizieren, doch das ist kein Problem für ihn. Sein Kartoffelsack wiegt schließlich 3,2 Kilogramm.

Was man aus Kartoffeln alles machen kann, lernen die Kinder in den kommenden Tagen. Denn jede Klasse kocht ein Gericht. Die restlichen Säcke werden verkauft (an die Eltern) und im kommenden Frühjahr werden wieder neue Saatkartoffeln gesetzt.

Melanie Weidle

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