Hoch-tief, statt nur tief

Dreifachturnhalle: Stadt stellt Alternative zu Tiefgarage vor

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Im Bauausschuss äußerten die Räte Zustimmung zur neuen Idee, die 150 Stellplätze für Sportler und Zuschauer in einer Garage auf dem Lehrerparkplatz entstehen zu lassen. Eine Tiefgarage unter der Dreifachsporthalle wäre zu gefährlich und zu teuer.

Kempten – Nachdem sich der Untergrund für eine Tiefgarage unter der geplanten Dreifachsporthalle als zu „schwamming“ erwiesen hatte, präsentierte Peter Wiedemann, zuständig für Projektentwicklung beim Amt für Gebäudewirtschaft, im Bauausschuss diese Woche eine neue Park-Lösung.

Die Alternative: eine Garage auf dem Lehrerparkplatz des Hildegardis-Gymnasiums. Diese Variante soll nun als ein Kriterium in den Architektenwettbewerb miteinfließen. Offiziell abgestimmt wurde im Ausschuss nicht darüber. Aus Zeitgründen holte die Stadt erst einmal ein „Votum“ von den Räten ein. 

Carl-von-Linde-Gymnasium oder Hildegardis-Gymnasium? Das war lange Zeit die heiß umkämpfte Frage, als es um den bestgeeigneten Standort für die neue Dreifachsporthalle ging.Im November fiel 2017 der Stadtratsbeschluss für das Hildegardis-Gymnasium. Auch eine Tiefgarage wurde hier beschlossen. Erst im Mai 2019 war klar, dass die Anwohner gegen den Standort zwischen Lindauer und Reichlinstraße keine Klage erheben würden. Somit war die Diskussion beendet – vorerst. Als im August 2019 bekannt wurde, dass die Untergrundverhältnisse für den Bau der beschlossenen Tiefgarage an der Reichlinstraße noch schwieriger sind, als bereits befürchtet, schalteten sich die Stadträte Alexander Hold (Freie Wähler/ÜP) und Helmut Hitscherich (UB/ödp) mit Anträgen ein, den Standort noch einmal zur Disposition zu stellen. Hold wünschte sich dies für den September-Bauausschuss, Hitscherich fand die Diskussion im Stadtrat besser aufgehoben (der Kreisbote berichtete am 28. bzw. 31. August).

 Nun fand die Bauausschussitzung statt, und Peter Wiedemann, zuständig für Projektentwicklung beim Amt für Gebäudewirtschaft informierte das Gremium über eine neue Idee, wie die Tiefgarage am Standort Hildegardis-Gymnasium kompensiert werden könnte. Wasser, Felsen, Moor und Torf. So lautet das Ergebnis der Bodenproben auf dem Sportplatz des Hildegardis-Gymnasiums, auf dem die neue Dreifachturnhalle ihren Platz finden soll. „Hier befindet sich ein altes Moor mir Torfschichten“, erklärte Wiedemann auf Nachfrage des Kreisbote. „Entweder müssten wir das Grundwasser absenken, was den Grundwasserspiegel in der Umgebung heben würde, oder während der Bauzeit einen wasserdichten Verbau errichten, was immens teuer wäre.“ 

Gefahren für Anlieger
Außerdem verläuft auf dem Gelände der Felshorizont schräg ab einer Tiefe von 2,5 Metern hinab. „Beim Herauslösen des Felses wären die Nachbargebäude von Erschütterungen betroffen“, sagte der Projektentwickler. Damit am beschlossenen Standort dennoch bald die Bälle und Beine fliegen, stellte er alternativ eine Garage auf dem jetzigen Lehrerparkplatz des „Hilde“ vor: mit zwei Stockwerken in der Höhe und zwei in der Tiefe. Von den 150 nötigen Parkplätzen könnten laut Wiedemann 154 in der neuen Garage unterkommen. Ein genaues Gutachten liege für den Untergrund am Lehrerparkplatz noch nicht vor, doch zum einen liege dieser höher, zum anderen könne man, „wenn alle Stricke“ reißen, mit dem Bau etwas in die Breite gehen. Die Sporthalle selbst werde bei dieser Variante bleiben und lediglich „angehoben“. Betonpfähle sollen dies möglich machen. Eine weitere Idee präsentierte Wiedemann für das benachbarte „Haus für Kinder und Eltern“. Von den 26 dort befindlichen Parkplätzen könnten mit dem neuen Parkhaus zehn wegfallen, was Platz für einen Bolzplatz schaffen könnte. „Diese Idee soll aber in den Ideenteil des Wettbewerbs miteinfließen.“ Und entstehen durch diese Änderungen Mehrkosten? Eine Kostensteigerung gebe es nicht, weil die ursprüngliche Tiefgaragenvariante teurer ausgefallen wäre, so der Projektentwickler. Da noch kein externes Büro in die Planungen gegangen sei, entstünden auch keine Umplanungskosten.

Zustimmung im Bauausschuss
„Wir sind damit einverstanden, solange Eltern und Lehrer auch dort parken können“, sagte auf Nachfrage des Kreisbote der Leiter des Hildegardis-Gymnasiums, Markus Wenninger am Telefon, „und davon gehen wir aus.“ Weil das Schulgebäude über das Parkhaus hinausrage, sieht er die Sicht auf die Schule nicht allzu sehr eingeschränkt. Und auch bei den anwesenden Räten fiel die Idee scheinbar auf fruchtbaren Boden. Alle, die das Wort ergriffen, freuten sich, „dass der Standort gehalten wird“. „Ich war ja einer, der die Tiefgarage in den Beschluss hineindiktiert hat“, sagte CSU-Fraktionschef Erwin Hagenmaier. 

Ihm sei es damals darum gegangen, den Parksuchverkehr in den umliegenden Straßen zu vermeiden. Deshalb war für die Tiefgarage auch die längere Zufahrt über die Lindauer Straße angedacht gewesen. Hagenmaier mahnte an, jetzt aber die „Adressbildung“ des Hildegardis-Gymnasiums im Blick zu behalten, da die Garage jetzt zwischen Schulgebäude und Lindauer Straße liegt. Baureferent Tim Koemstedt sah die Garage dafür sogar als Chance und sprach als weiteren Vorteil einen möglichen direkten Fuß- und Radweg von der Lindauer Straße zum Schulhaupteingang an. Damit würden diese Verkehrsteilnehmer getrennt von den Autos aufs Gelände gelangen. Auch Michael Hofer (ödp) sah im Hildegardis-Gymnasium den besten Standort. 

„Alle Schulen, die Bedarf an Sportmöglichkeiten haben, liegen im Umkreis“, sagte er. Weil die Pläne eine Abbiegespur auf der Lindauer Straße enthalten, sieht er die Chance eines verringerten Rückstauverkehrs. Für „sehr gut“ befand er die Möglichkeit, dass an der Stelle des ehemaligen Pavillons nun ein durch die Garage lärmgeschützter zweiter Pausenhof für das „Hilde“ entstehen könne. Siegfried Oberdörfer (SPD) schloss sich seinen Vorrednern an und drückte aufs Tempo: „Es drängt auch die Sanierung der Sporthalle an der Westendstraße!“ Denn erst, wenn die neue Dreifachsporthalle stehe, könne die alte Halle saniert werden. Mit diesem „Meinungsbild“ könne die Stadt nun weiter für den Wettbewerb arbeiten. „Wir wollen so schnell wie möglich in die Auslobung gehen“, erklärt Peter Wiedemann. Eine Abstimmung sei in der Kürze der Zeit nicht mehr möglich gewesen. Dafür bekommen die Gremiumsmitglieder normalerweise eine einwöchige Vorbereitungszeit. Am 15. Oktober soll der Bauausschuss über die Auslobung für den Wettbewerb abstimmen, „somit ist dann ein Beschluss herbeigeführt“, sagte er. 


Susanne Lüderitz

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