Tiefes, sattes Schwarz schenkt Malereien Licht, Farben, Energie

"Der Dritte Akt" von Sonja Hüning in der Kunsthalle Kempten

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Blume

Kempten – Nach der wochenlangen Schließzeit läuft das Kemptener Kulturprogramm derzeit teilweise wieder an.

So können auch wieder Ausstellungen besucht werden. In der Kunsthalle Kempten noch bis Sonntag, 7. Juni: Die Malerin und Lyrikerin Sonja Hüning zeigt dort ihre Gemälde und lädt ein zum Schwelgen in ihren Bild und Gedichtbänden. Die Künstlerin malt bevorzugt mit Offsetfarben, deren „Brillanz“ und besondere Konsistenz sie begeistern und faszinieren.

Diese ungewöhnliche Vorliebe – für Farben, mit denen sonst Zeitungen und Bücher gedruckt oder Verpackungsmaterialien aufgehübscht werden, – ermöglicht ihr vielfältige Bildexperimente: Lasierend, dünn und durchscheinend aufgetragen oder pastos „hingeworfen“, teils dick „hingespachtelt“ erzeugen die Farben, „zähflüssig wie Türkischer Honig“, unterschiedlichste Oberflächen: Abstrakte, reliefartige Gemälde erinnern an Gesteinsformationen, pflanzliche Fossilien oder Regenspuren in lehmiger Erde und wirken dabei kostbar und elegant. Hüning selbst berichtet von unterschiedlichen Inspirationsquellen: Sie habe gezielt versucht, bestimmte Musikstücke zu malen, sei aber auch durch zufällige Begegnungen oder Fundstücke wie eine zerfallende Harfe auf dem Dachboden eines alten Bauernhauses auf Bildideen gekommen. 

Andere Werke lassen abstrakte Strukturen und gegenständlich Wiedererkennbares wie weibliche Akte, Blüten oder Bäume zauberisch ineinander übergehen; manche unter ihnen ähneln asiatischen Lackmalereien. Die physikalisch unbunte, aber äußerst wirkmächtige Farbe Schwarz prägt fast alle Bilder: Sie bringt nicht nur die anderen Töne – gerne Rot, Gold, Weiß oder Orange – zum Leuchten, veredelt sie und verschafft ihnen einen geheimnisvollen Resonanzraum, sondern changiert auch selbst, je nach Lichteinfall, Standort und Augenhöhe des Betrachters, in wechselnden Farben.

Bei einem Besuch in der Ausstellung lassen sich aber nicht nur reizvolle ästhetische Effekte entdecken und es sich ein Weilchen in die energetisch aufgeladenen, auch haptisch ansprechenden Kunstwerke versenken. In den ausliegenden Büchern finden sich auch zu fast allen Gemälden ein Gedicht sowie eine Vielzahl anderer Werke der fleißigen Künstlerin, die offenbar über große Schaffenskraft, Experimentierfreude und konzentrierte Hingabe verfügt. Die Verse der ursprünglich aus Berlin stammenden ehemaligen Radiomoderatorin, die seit Jahrzehnten im Allgäu lebt, sprechen den Leser lebendig und unmittelbar an: In einer alltagsnahen und doch rhythmisch wie klanglich schönen, poetischen Sprachen erzählen sie von den Wandlungen der Liebe und des Selbstverhältnisses, betrachten nachdenklich aufkommende Sehnsüchte, Konflikte, Gefühle und beweisen Beobachtungsgabe, Witz und warmherzige Selbstironie. Viele ihrer Texte hat die Dichterin absichtsvoll als Begleiter für ihre Gemälde verfasst, andere sind zuerst entstanden und wurden ihr dann zum Anlass für ein neues Malexperiment, einige wenige Bild-Text-Paare haben zufällig zueinander gefunden. 

Den Ausstellungsbesuchern berichtet Hüning, die selbst häufig in der Kunsthalle anzutreffen ist, gerne vom – manchmal auch für sie selbst überraschenden und oft kräftezehrenden – Entstehungsprozess ihrer Arbeiten. Die Öffnungszeiten der Ausstellung „Der Dritte Akt“ sind Montag bis Freitag, 13 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag, 11 bis 16 Uhr, Kunsthalle Kempten, Memminger Str. 5.

Antonia Knapp

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