"Drum gibt es auch so viele Blede"

Das scheidende und das neue Prinzenpaar wurden, von Elferrat und Garde flankiert, den Gästen der Jubiläumsfeier zum 44-jährigen Bestehen der FGD von Präsident Manfred Müller (am Rednerpult) vorgestellt. Fotos: Würzner

Am 11.11. jeden Jahres hat der Elferrat der Faschingsgesellschaft Dietmannsried (FGD) um elf Uhr elf Grund zu feiern – die fünfte Jahreszeit beginnt. Und weil die magische Zahl Elf natürlich auch bei den Jubiläen berücksichtigt wird, feiert die FGD im Jahr 2011 mit einem Ball, einem Umzug und sieben Narrensitzungen 44-jähriges Bestehen. Beim Festakt in der Festhalle erinnerte am Samstagabend lediglich der Einmarsch der Garde mit dem alten und neuen Prinzenpaar an das närrische Treiben.

Die laufende Nummer 43 , Jürgen II und Bernadette I, übergab an Markus II und Barbara I, das 44. Prinzenpaar, also vier mal die elf. Gestärkt durch die Köstlichkeiten vom Buffett hatten die geladenen Gäste nun die Muse, Heinz Vetter zu lauschen. Wer eine Büttenrede in seinem unnachahmlichen Stil erwartet hatte, wurde allerdings enttäuscht. Aber die chronologische Aufzähung der Vereinsgeschichte war so gekonnt mit Anekdoten gewürzt, dass es nicht langatmig wurde. Fast ein Jahrhundert ist vergangen, seit zum ersten mal von einem dreitägigen Faschingstreiben berichtet wird. Einige sollen im Jahr 1913 Haus und Bett für diese Zeit gemieden haben, was auch heute noch vorkommen könne, so Vetter. Die Entwicklung der Gaudihochburg Dietmannsried wurde durch den Zeiten Weltkrieg nur gebremst, aber nicht zum Erliegen gebracht. Um die Aktivitäten der einzelnen Vereine zu büdeln und zu koordinieren, wurde am 22. Januar 1967 im Gasthof Ochsen die Vereinsgründung vollzogen, zum ersten Präsident wurde Albert Hiebinger gewählt. Dann ging es Schlag auf Schlag: 1972 erfolgte die Eintragung ins Vereinsregister, 1974 der Beitritt zum BDK, dem Bund Deutscher Karneval. 1979 wurde der Jugendfanfarenzug ins Leben gerufen, der nach zehn Jahren allerdings wieder aufgelöst wurde, da der Nachwuchs fehlte, ein Problem, das bis in die heutige Zeit nicht in den Griff ztu bekommen ist. In dieser Zeit fand auch die Episode statt, in der Bürgermeister Wiedemann den Rathaussturm kreirte und gleich dessen Opfer wurde. Die Großkopferten in Büttenreden zu derblecken, hat ja Tradition. Als aber das Gstanzl mit dem Text : „Wem Gott ein Amt gibt kurzerhand, dem gibt er, sagt man, auch Verstand. Wieviel, davon war nicht die Rede, drum gibt es auch so viele Blede,“ vorgetragen wurde, hat er dies allzu sehr auf sich bezogen und diesen Brauch wieder abgeschafft – Rückgabe des Ordens inklusive. Es hat sich aber alles wieder eingerenkt, als Zeichen der Versöhnung spendiert die Gemeinde den kleinen Narren seit 1966 am Kinderfasching sogar einen Schübling und eine Limonade. Seinen vorschnellen Entschluss nicht mehr rückgängig machen konnte allerdings der Präsident, der vor vielen Jahren aus lauter Wut seine Narrenkappe nach der Sitzung im Ofen der Bahnhofsgaststätte verbrannte, gemäß dem Motto: „Wenn es um Humor geht, verstehen wir keinen Spaß.“ Beeindruckende Zahlen Inzwischen ist die FG Dietmannsried von der Turnhalle in die Festhalle umgezogen, hat in beiden zusammen 245 Narrensitzungen mit 120 000 Besuchern abgehalten, bis dato 130 Mitglieder von neun bis 80 Jahren, und in elf Umzügen und nochmals neun Kinderumzügen weitere 125 000 Menschen begeistert. Das Junior-Männerballett trat in der Wiener Hofburg auf und Heinz Vetter wurde in 23 Fernsehauftritten für 60 Millionen Zuschauern als Till Eulenspiegel ein Begriff. „Ich habe mir immer erlaubt, den Ort Dietmannsried oder das Allgäu zu erwähnen und bin auf diese Schleichwerbung heute noch stolz,“ beendete er seinen Bericht und gab noch einen Vierzeiler zum Besten: „Wer`s Leben für `ne Narrheit hält, hat manche schöne Stunde. Doch wer sie ernst nimmt, diese Welt, der geht an ihr zugrunde.“ Ein Jubiläum ohne Ehrungen langjähriger und verdienter Mitglieder wäre kein richtiges. Eingeleitet wurden sie von der Feststellung des amtierenden Präsidenten Manfred Müller, dass nichts ein Volk so entzweie, wie Steuern und Orden. Die einen werden zu Unrecht verlangt, die anderen zu Unrecht gegeben. In diesem Falle herrschte aber die Meinung, kundgetan durch kräftigen Beifall, dass jede Frau und jeder Mann ihren/seinen Orden tatsächlich mehr als verdient hat.

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