"Haltung zeigen!"

FDP-Politiker Albert Duin sieht an vielen Stellen Handlungsbedarf

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Albert Duin, ehemaliger Landesvorsitzender der FDP Bayern, war Gastredner beim Neujahrsempfang der FDP Kempten und Oberallgäu.

Kempten – Als vielbeschäftigter Unternehmer sieht Albert Duin, ehemaliger Landesvorsitzender der FDP Bayern, sein Engagement als passioniertes Hobby, denn dann mache der große zeitliche Aufwand dafür auch Spaß.

Und den hat der 1953 in Emden geborene und Wahl-Münchner Mittelständler ganz offensichtlich. Unter anderem hat er die Spitzenkandidatur bei den Landtagswahlen im Herbst im Visier. Zu erleben war der hemdsärmelig-bodenständig wirkende Vollblutpolitiker beim Neujahrsempfang der FDP Kempten und Oberallgäu vergangene Woche im dafür reservierten und proppenvollen „La Taverna“ in Kempten.

Nach den Begrüßungen durch Dr. Dominik Spitzer, Vorsitzender Kreisverband Kempten, und Michael Käser, Vorsitzender Kreisverband Oberallgäu, legte aber erst einmal Bundestagsabgeordneter Stephan Thomae seine Einschätzungen zu den Sondierungsgesprächen in Berlin dar und meinte zu den vorausgegangenen Jamaika-Verhandlungen: „Dass man bei so unterschiedlichen Wähleraufträgen zu keinem vernünftigen Ergebnis kommen würde, war klar“. Er berichtete davon, dass „wir als FDP“ bei verschiedenen Themen – unter anderem den aus Sicht der FDP „nicht realisierbaren“ Klimazielen 2020, worüber jetzt auf einmal Konsens herrsche – systematisch „an die Wand gedrückt wurden“. Es sei klar geworden, dass es „keine moderne Regierung“ hätte geben können, verbarg er aber auch seine Enttäuschung darüber nicht. Hinter den GroKo-Verhandlungen wittert er „ein Gedankenspiel der SPD“, in dem sie ihre eigenen personellen Probleme schneller zu lösen versuchen könnten als CDU/CSU, um dann Neuwahlen hoffnungsvoll anzustreben. Seine Empfehlung für die FDP im Landtags-Wahlkampf: „Haltung zeigen.“

„Was kann Berlin von Bayern lernen?“ Eine Frage, die er sich vor einiger Zeit gestellt und festgestellt habe, dass in den letzten Jahren in Bayern „nichts“ passiert sei. „Stillstand“ vergleichbar mit dem in Nordrheinwestfalen, wie Duin fand. Kritisch sah er die Macht von Bürgerinitiativen, die manchen politischen Beschluss auch unnötig ins Wanken brächten. Wenn Politiker etwas beschließen, müssten sie dies aber seines Erachtens auch durchsetzen können, „denn dafür werden sie gewählt und wenn sie es nicht gut machen, werden sie nächstes Mal abgewählt“.

Ein Problem habe er mit der Gewerbeaufsicht und so kündigte er im Fall seiner Wahl an, als erstes die Berufsgenossenschaften zu zerlegen. „Wenn heute die siebte Sprosse einer Leiter bricht, gibt es morgen nur noch sechs“. Für ihn steht fest, „das macht alles keinen Sinn“, aber wir seien „alle so hörig“ und, wie er bei einer späteren Publikumsfrage noch draufsetzte: „wir sind Prüfzeichen süchtig“. Kritisch bewertete er auch einige Punkte des Antiterrorgesetzes, das seinem bis dahin problemlosen Exportgeschäft gehörige Steine in den Weg lege. Denn seit Einführung des Gesetzes müsse er nachweisen, dass nichts an seinen Waren Terror relevant sei und das selbst dann, „wenn ich Schrauben in die Schweiz schicke“. Ebenfalls Kopfschütteln hatte er für das Thema Wärmedämmung übrig, da ein Quadratmeter des dafür verwendeten Styropors vier Liter Öl entsprächen – „wir sind doch nicht ganz dicht“. Er habe „manchmal den Eindruck, da treffen Leute Entscheidungen, die gar nicht davon betroffen sind“ weil sie chauffiert werden und ihnen auch sonst alles abgenommen werde. Dabei wisse er von Ortschaften, die alle Verkehrsschilder abmontiert hätten und weil die Menschen dadurch aufmerksamer seien, weniger passiere als vorher. „Diese Vernunft muss wieder ins Parlament“, wetterte er.

Im Mittelstand sah er das „Rückgrat der Gesellschaft“, hielt aber für ein Problem, dass „alle Eltern glauben ihre Kinder brauchen ein Abitur“, sonst seien sie „Plebs“. Er denke, man habe schlicht den „Respekt voreinander verloren“ und betonte Handwerker zu achten und wies darauf hin, dass sie „die Großverdiener von morgen sein werden“. Statt also bodenständiges Handwerk zu lernen, hätten wir zunehmend „Fachidioten“, dabei brauche es vor allem wieder Menschlichkeit und, wie zum Beispiel in der Altenpflege, Anerkennung und weniger Zeitdruck. Mehr „Verständnis für Marktwirtschaft“ wünschte sich Duin bei den Digitalisierungs-Versprechungen, die seines Erachtens schon wegen der zu verlegenden Kupferkabel quer durch Deutschland und den parallel zwangsläufig steigenden Kupferpreisen und Engpässen bei der Herstellung ein Realisierungsproblem haben würden. Zudem sei es in der Praxis dann befremdend, wenn bei einem Amt Daten eingegeben und an ein anderes weitergeleitet würden, aus Sicherheitsgründen diese dort dann aber wieder händisch eingegeben werden müssten.

Was die Digitalisierung in Schulen betreffe, „traue ich es manchen Lehrern nicht zu“, weshalb er sich für den Unterricht mancher Fächer durch Leute aus der Wirtschaft ausspreche. Und er warb für mehr Eigenverantwortung der, und Vertrauen in die Menschen: „ Wenn wir heute jedes Risiko von den Menschen wegnehmen wollen, machen wir sie immer unselbständiger.“

Angeschnitten wurde auch das Thema Straßenausbaubeiträge. Spitzer erinnerte daran, dass sein unlängst an die Stadt Kempten gestellter Antrag zur Abschaffung vom Stadtrat abgelehnt worden sei, jetzt aber auch die Freien Wähler einen gestellt hätten. Duin erklärte, dass das Problem auf Landesebene geändert werden müsse, denn einer Kommune sei der Erlass nur dann möglich, „wenn sie schuldenfrei ist“.

Christine Tröger

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