Alternative Pflanze für die Gewinnung von Bio-Gas 

Frank Bodenmüller baut im zweiten Jahr die Energiepflanze Silphie an

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Uwe Kiessling (links), Koordinator des Leader-Projekts „Mehr Vielfalt in der Energielandschaft mit Durchwachsener Silphie“ überlegt gemeinsam mit dem Laubener Landwirt Frank Bodenmüller, mit welchen Öffentlichkeitsmaßnahmen die Bevölkerung auf die Energiepflanze aufmerksam gemacht werden kann.

Eine gewaltige Mäuseplage gab den Anstoß. Die kleinen Nager hatten so große Schäden auf den Wiesen von Frank Bodenmüller angerichtet, dass der Laubener Landwirt vor vier Jahren über 40 Hektar seiner Flächen umbrach und nur die Hälfte davon wieder als Grünland ansäte.

Den Rest nutzt er seither als Acker. Auf knapp drei Hektar hat er im vergangenen Frühjahr Silphie angepflanzt, jene nordamerikanische Energiepflanze, die im Rahmen eines dreijährigen Leader-Projekts derzeit in allen vier Allgäuer Landkreisen getestet wird. „Ich bin zufrieden“, lautet die erste Einschätzung des Oberallgäuer Landwirts zu Beginn des zweiten Projektjahres.

Dicht an dicht, in lückenlosen Reihen treibt die Silphie derzeit aus dem Acker am südlichen Laubener Ortsrand. Außer einer leichten Güllegabe und etwas mineralischem Dünger zur besseren Wurzelbildung hat Frank Bodenmüller keinerlei Feldpflege betrieben seit der ersten Ernte im vergangenen Herbst. Im Frühjahr letzten Jahres war die Silphie als Untersaat zum Mais ausgebracht worden, ab heuer nun steht sie allein auf dem Feld. „Und sie kommt gut“, freut sich der Landwirt beim Feldbesuch von Uwe Kießling.

Der Landschaftsökologe aus Mindelheim ist Koordinator beim Kemptener Verein renergie Allgäu, der das Leader-Projekt leitet und betreut. Insgesamt nehmen acht Landwirte aus allen vier Allgäuer Landkreisen an der Maßnahme teil. Kießlings Aufgabe ist es, die Daten und Ergebnisse zu erfassen und immer wieder öffentliche Veranstaltungen an den Versuchsflächen anzuregen, damit die Silphie mehr und mehr ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rückt. Die Dauerkultur mit den typisch trichterförmigen Blättern, die von Juli bis September leuchtend gelbe Blüten auf bis zu drei Meter hohen Stängeln trägt, soll künftig für mehr Vielfalt in der Energielandschaft sorgen. Sie gilt als gute Bienen- und Insektenweide und beugt mit ihrem kompakten Wurzelwerk Bodenauswaschungen und Erosionen vor.

Auch Frank Bodenmüller wollte die Silphie als Alternative zum Mais einfach mal ausprobieren. Der 42-Jährige ist der einzige Oberallgäuer Vertreter im Leader-Projekt. Seit rund 15 Jahren betreibt der verheiratete Vater von vier Töchtern den elterlichen Hof. Neben 90 Milchkühen und 150 Stück Jungvieh gehört auch eine 330kW-Biogasanlage zu seinem Betrieb. Sie ist an ein Wärmenetz angeschlossen, das das eigene Anwesen, fünf weitere Wohnungen und unter anderem den nahegelegenen Kindergarten und die Krippe mit Wärme versorgt. Rund 70.000 Liter Heizöl können dadurch eingespart werden, so Frank Bodenmüller.

Und die Silphie soll künftig ihren Beitrag zur nachhaltigen Biogas-Erzeugung leisten. Und auch ohne Bio-Siegel legt der Landwirt dabei großen Wert auf ökologischen Anbau. Er verzichtet auf alle empfohlenen Pflanzenschutzmaßnahmen. „Die Silphie wird auch so groß und stark“, nimmt er zugunsten einer nachhaltigen und umweltschonenden Landwirtschaft gerne auch „zwei Prozent weniger Ertrag“ in Kauf.

kb

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