Durststrecke für Waldbesitzer

Die Waldbesitzervereinigung Kempten e.V. blickt mit Sorge in die Zukunft

+
Die Verantwortlichen der Waldbesitzervereinigung Kempten e.V. haben trotz des schlechten Holzpreises 2019 das Lachen noch nicht verlernt. Bei der Regionalversammlung in Wiggensbach haben sie ihre Mitglieder über die aktuelle Lage informiert. (v.l. Sebastian Seifert vom AELF, Tobias Schwank, Veronika Reisacher, Philipp Götzfried und Ignaz Einsiedler).

Wiggensbach – Das sind keine guten Nachrichten für die privaten Waldbesitzer in Kempten und dem nördlichen Oberallgäu. Die Holzpreise sind auf einem Tiefpunkt. Rund 30 Mitglieder der WBV Kempten e.V. haben sich vergangene Woche im Gasthof Kapitel in Wiggensbach zur Regionalversammlung getroffen und gebannt den Ausführungen ihres Vorstands Ignaz Einsiedler und Geschäftsführers Philipp Götzfried gelauscht. „Eigentlich hatten wir hier im Allgäu dieses Jahr Glück. Wir sind vom Sturm verschont geblieben, ganz anders als der Norden Deutschlands, und wir hatten außerdem ein geringes Käferjahr. Die Borkenkäferpopulation hat sich durch den vielen Niederschlag erstmals seit Langem in Grenzen gehalten“, erklärt Philipp Götzfried.

Zufrieden ist er trotzdem nicht. Ganz im Gegenteil. Denn auch wenn sich die Waldschadensituation im Einzugsgebiet der WBV sogar eher als „gut“ einstufen lässt, wirkt sich die verheerende Lage im Rest Deutschlands massiv auf den Holzpreis aus. „Wir haben wegen der Dürre im Osten und der vielen Sturmereignisse im Norden insgesamt hohe Schadholzmengen. 

Und das hat einen katastrophalen Effekt auf den Preis. Anfang 2018 war der Holzpreis noch in Ordnung, aber seitdem sackt er zunehmend ab. Für Kurzholz bekommt man nur noch 55 Euro pro Festmeter. Das ist wirklich ein Tiefpreis“, so Götzfried zerknirscht. Bereits seit dem Sturmtief Friederike 2018 strömten kontinuierlich Massen von Holz auf den Markt und die Sägewerke könnten sich kaum retten. 

Auch das viele Holz aus Italien, Österreich oder Tschechien überschwemme den Markt mittlerweile. Die Wälder befinden sich in einem gravierenden Veränderungsprozess, ein Umdenken muss her. „2018 lag die Schadholzmenge deutschlandweit bei 32 Millionen Festmeter. Für das Jahr 2019 wird sie momentan auf horrende 70 Millionen Festmeter geschätzt. Das sind zwar erst vorläufige Schätzungen, aber die könnten bittere Realität werden“, meint Philipp Götzfried.

Starkholz und Langholz bringen noch Ertrag 

Der deutsche Holzmarkt ist übersättigt. Die Kombination von Dürre, Borkenkäferplage und Stürmen hat bereits vergangenes Jahr zur größten Holzernte seit über zehn Jahren geführt. Die überregionale Schadholzmenge wirkt sich auch auf das Allgäu aus. 

Gute Nachrichten gibt es aber für alle Waldbesitzer, die Starkholz und Langholz liefern können. „Die örtlichen Sägewerke brauchen Langholz. Da gibt es zumindest 80 Euro pro Festmeter. Auch Starkholz ist aktuell gefragt. Hier liegen wir bei 80 bis 85 Euro. Das gibt immerhin etwas Grund zur Hoffnung“, sagt Götzfried. 

Die Waldbesitzervereinigung Kempten e.V. ist seit 1969 ein zuverlässiger Partner für alle privaten Waldbesitzer in Kempten und dem nördlichen Landkreis Oberallgäu. Sie kümmert sich um die Interessen der Waldbesitzer, steht als Berater für alle Fragen der Wald- und Forstwirtschaft zur Seite und ist Ansprechpartner für die Holzvermarktung aller Sortimente. 

Seit April diesen Jahres ist mit Philipp Götzfried ein neuer Geschäftsführer an der Spitze. Der 33-jährige gebürtige Unterallgäuer hat Forstingenieurwesen an der Hochschule Weihenstephan studiert. Vorher war er beim Maschinenring Mindelheim tätig und hat dort den Bereich Baumkontrolle und Baumpflege aufgebaut. „Wir sind in der Geschäftsstelle jetzt ein relativ neues Team. In der Verwaltung haben wir zwei neue Bürodamen bekommen und ich bin ja auch erst seit Frühling mit dabei. In vieles müssen wir uns erst reindenken, manchmal kann´s da noch holpern, aber wir sind auf einem guten Weg. Mir ist einfach wichtig, dass die WBV ein verlässliches Verbindungsglied ist zwischen den Waldbesitzern und den Sägewerken. Gerade kleine Waldbesitzer können ihr Holz heutzutage nicht mehr selbst vermarkten und unser Job ist es, da mit voller Kraft zu unterstützen, um am Ende einen guten Preis für unsere Mitglieder zu erzielen.“

Schneebruch im Winter war Einschnitt 

Obwohl sich der Borkenkäfer durch die guten Bodenfeuchte im Allgäu dieses Jahr nicht so stark vermehren konnte wie sonst und das Allgäu von heftigen Sturmereignissen verschont geblieben ist, gibt es doch ein Ereignis, das 2019 auf die örtlichen Waldbesitzer erhebliche Auswirkungen hatte: der Schneebruch. Richard Baur aus Altusried kann davon ein Lied singen. Er hat 5.000 Quadratmeter Wald bei Walzlings, in der Nähe von Altusried. Fichten, Weißtannen und Schwarzerlen: „Meinen Wald hat es diesen Winter richtig heftig erwischt. Das ganze Ausmaß habe ich erst im März gesehen, als der Schnee so langsam geschmolzen war. 200 Bäume in meinem Wald waren betroffen. Einfach umgeknickt. Die Schneelast setzt sich auf den Bäumen fest, das taut dann an, gefriert an der Krone fest und wird dadurch extrem schwer. Irgendwann bricht entweder die Krone unter der Last weg oder im schlimmsten Fall der komplette Baum“, erzählt der Altusrieder am Rande der Versammlung. 

Seit 1984 hat Baur das Waldgebiet in seinem Besitz und kann sich nur noch an einen Winter erinnern, der genauso verheerend für seine Bäume war – der Winter 1998/1999. Auch damals hatte er einen größeren Schaden in seinem Abschnitt zu verkraften. Besonders heftig habe es diesen Winter den östlichen Teil des Einzugsgebietes der WBV erwischt, berichtet Philipp Götzfried. „Vor allem das Kürnachtal hat massiv unter Schneebruch gelitten. Da haben wir leider große Schäden hinnehmen müssen.“

Neues Sägewerk in Sicht? 

Ignaz Einsiedler, der Vorstand der WBV Kempten e.V., hat aber trotz der „Durststrecke, die wir Waldbesitzer gerade durchmachen müssen“, noch eine Nachricht, die die Mitglieder bei der Regionalversammlung aufhorchen lässt. Und sie macht Hoffnung, auch wenn noch lange nicht alles in trockenen Tüchern ist: Es soll ein neues Sägewerk in der Umgebung gebaut werden. 

Geplant ist ein Neubau auf dem abgebrannten Sägewerksgelände der Firma Pröbstl in Asch, Landkreis Landsberg. Das neue Werk soll speziell auf den Einschnitt von Schwachholz ausgelegt werden, da dieses Holz künftig noch schlechter abzusetzen sein wird. Erste Vorgespräche sind laut Einsiedler bereits geführt. „Die Investoren wollen auch die WBV als einen der Teilhaber mit ins Boot holen. Aber da müssen wir jetzt erstmal in Ruhe schauen, wie sich das entwickelt. Ob so was finanziell überhaupt machbar ist. Ein neues Sägewerk in der Region wäre immerhin mal eine positive Nachricht bei den sonst eher trüben Zukunftsaussichten für uns Waldbesitzer“, so Einsiedler zum Abschluss.

Kathrin Dorsch

Auch interessant

Meistgelesen

Zimmer brennt in der Fischersteige
Zimmer brennt in der Fischersteige
Gewinnen Sie 6 Tage zu zweit im 4*S Verwöhnhotel am Achensee
Gewinnen Sie 6 Tage zu zweit im 4*S Verwöhnhotel am Achensee
Der erste Waldkindergarten Kemptens öffnet Wipfel, Tipi und Bauwagen
Der erste Waldkindergarten Kemptens öffnet Wipfel, Tipi und Bauwagen
Bauvorhaben in der Breslauer Straße im Gestaltungsbeirat
Bauvorhaben in der Breslauer Straße im Gestaltungsbeirat

Kommentare