Digitale Gründerszene im Allgäu

"Allgäu Digital" startet durch

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Zur Eröffnung des digitalen Gründerzentrums „Allgäu Digital“ konnte OB Thomas Kiechle rund 130 Gäste begrüßen.

„Die Digitalisierung ist natürlich auch längst in Kempten angekommen“ und nun gelte es, die sich daraus ergebenden Chancen zu nutzen. Keine leeren Worte, mit denen OB Thomas Kiechle vergangenen Montag rund 130 Gäste begrüßte.

Es waren Worte im Rahmen der feierlichen Eröffnung des Digitalen Gründerzentrums „Allgäu Digital“, das für die ersten drei Jahre in der von der Sozialbau hergerichteten einstigen Schlichterei der ehemaligen Spinnerei und Weberei beheimatet sein wird. Später soll es räumlich näher an die Hochschule rücken und dauerhaft auf dem ehemaligen Seitz-Gelände eingerichtet werden.

Auf gut 300 Quadratmetern mit diversen offenen und geschlossenen Büroräumen und ausgestattet mit modernster Technik, können sich junge ExistenzgründerInnen hier ihren innovativen Ideen für und der Umsetzung von digitalen Geschäftsmodellen widmen; sie können Netzwerke untereinander bilden, aber auch mit bereits etablierten Unternehmen, von denen bereits einige Interesse signalisiert haben – zum gegenseitigen Nutzen.

„Allgäu Digital“ ist Teil des mit Mitteln das Staatsministeriums für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie geförderten Gründerzentrums Schwaben und ein Projekt der Stadt Kempten und der Allgäu GmbH in Kooperation mit der Hochschule Kempten und aitiRaum-IT Gründerzentrum ­GmbH in Augsburg.

Staatssekretär Franz Pschierer, MdL, hob in seiner Ansprache die Veränderung der meisten Branchen hin zu mehr Digitalisierung hervor. So sah er in seiner Zukunftsvision am unter anderem Logistikstandort Kempten kaum noch Lastwagen fahren. Schon in ein paar Jahren würden beispielsweise Ersatzteile nicht mehr real transportiert werden müssen, sondern an verschiedenen Standorten per 3D-Drucker hergestellt, pries er eine schöne neue Welt. Die Bayerische Regierung wolle bewusst auch die ländlichen Räume fördern und begrüßte, dass beim Standort Kempten nicht die „Schwäbische Methode“ zum Einsatz gekommen sei, „Hauptsache der Andere kriegts net“, sondern mit Augsburg „hier alle an einem Strang gezogen haben“. Aber er betonte ebenso: „Wir brauchen auch in der digitalen Welt den Mensch“ und Räumlichkeiten wie diese, in denen echte Gespräche, Begegnungen und Netzwerkarbeit stattfinden könne.

Wie Prof. Dr. Katrin Stefan, Leiterin des StartUp Centers an der Hochschule Kempten, im Rahmen einer kleinen Podiumsdiskussion zur „Digitalstrategie für das Allgäu“ meinte, haben große Unternehmen die Vorzüge von Kooperationen mit Gründern bereits erkannt und würden sie gegebenenfalls auch „schlucken“. MdL Thomas Kreuzer, Vorsitzender der CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag, sah hier einen Hemmschuh für die Weiterentwicklung und einen besseren Weg darin, ­Startups zu unterstützen, damit sie selbst „richtig wachsen können“. Für ihn stand außer Frage, dass „die Digitalisierung die Welt so verändern wird, wie die Industrialisierung“ und es dabei Gewinner und Verlierer geben werde. Da die Digitalisierung „große Chancen“ gerade auch im ländlichen Raum eröffne, sei der rasche Breitbandausbau auch dort wichtig, denn es dürfe keinen Unterschied machen, wo jemand mit seinem Computer sitze. „Digitalisierung bedeutet für uns auch Standardisierung“ und daraus resultierend „neue Geschäftsfelder“, bekundete Stefan Hohm vom Logistiker DACHSER die Offenheit des Unternehmens für Kooperationen mit Gründern. „Für uns ist es eine große Chance uns hier zu beteiligen“, versprach er sich fruchtbare Entwicklungen.

Auch was in so einer Ideenschmiede entstehen kann, bekamen die Gäste präsentiert. Ein Computerspiel mit „episodischem Bezahlsystem“ bringen derzeit Jessica Anders und ­Janine Scheiterbauer mit ihrem Startup-Unternehmen „Game ­Development“ auf den Weg. Für sie ist das digitale Gründerzentrum der ideale Ort „um arbeiten zu können“, da sie im ersten Jahr noch kaum Einnahmen haben würden, wie sie erklärten. Software Lösungen für Unternehmen entwickelt die ­Skytala GmbH in Dietmannsried, deren Geschäftsführer Christoph Wölfle das Geschäftsmodell vorstellte. Mit ihrem von Vorstand Konstantin Andreas Feustel erläuterten Digitalen Destinationsmanagement will die Geios AG in Oberstaufen einen Mehrwert für Reisende, Gäste und Destinationen gleichermaßen schaffen.

Für eine entspannende Verknüpfung von analoger Musik begleitet von digitaler Zeichenkunst sorgten zwischen all dem geballten Innovationsgeist ­Nataliya Tkachenko am Klavier und der Karikaturist Wolfgang Steinmeyer.  Christine Tröger

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