Neues zur Asylsituation

Flüchtlinge bleiben vorerst im Klecks

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Dr. Armin Ruf vom Caritasverband Kempten-Oberallgäu (li.) und Anke Heinroth von der Diakonie Kempten werben um Unterstützung für die Flüchtlinge in der Stadt.

Wegen Krieg, Verfolgung und Vertreibung verlassen viele Menschen ihre Heimat. 445 Flüchtlinge leben derzeit in Kempten.

Bis zum Ende dieses Jahres werden rund 260 weitere Neuankömmlinge erwartet. Am vergangenen Mittwochabend informierten sich im Pfarrheim St. Lorenz etwa 60 Interessierte über die derzeitige Situation und die Möglich-keiten, den Flüchtlingen zu helfen. 

Fast vier Millionen Männer, Frauen und Kinder seien mittlerweile aus Syrien geflohen. Dies berichtete Anke Heinroth von der Diakonie Kempten. Bevor ein Asylverfahren in Bayern beginnen könne, würden die Bewerber in München oder Zirndorf in Interviews befragt. Dabei wolle man zum Beispiel den Grund der Flucht wissen. Heinroth kritisierte, dass manch Interview trotz Termins gar nicht stattfinde. „Hier in Kempten fuhr eine Frau aus Eritrea vier Mal vergeblich nach München.“ 

Die Zeitspannen bis zum Entscheid über einen Asylantrag seien sehr unterschiedlich. „Das kürzeste Asylverfahren in Kempten dauerte dreieinhalb Wochen.“ Dabei habe es sich um einen Syrer gehandelt. „Das längste Asylverfahren in Kempten dauerte zwölf Jahre“, erklärte Heinroth. Betroffen sei damals ein Tamile gewesen. Die so genannten Gemeinschaftsunterkünfte in Kempten betreibe die Regierung von Schwaben. Für die so genannten dezentralen Unterkünfte seien hingegen die Kommunen zuständig. Dazu zähle beispielsweise auch das ehemalige „Klecks“ in der Rottachstraße. Die Zahl der dezentralen Unterkünfte habe sich stark erhöht. „Asylbewerber erhalten im Monat weniger Geld als Hartz-IV-Empfänger“, sagte Heinroth. 

Derzeit 445 Asylsuchende 

„1993 lebten etwa 600 Asylsuchende und Menschen aus osteuropäischen Ländern in Kempten“, erläuterte Sozialreferent Benedikt Mayer. Danach seien die Zahlen stark zurückgegangen. Es habe nur eine Gemeinschaftsunterkunft gege- ben, und zwar die im Rübezahl-weg. Mit ihren 138 Plätzen sei sie nie voll belegt gewesen. „Seit Sommer letzten Jahres überschlagen sich die Ereignisse. Die Zahl liegt derzeit bei 445“, so der Kemptener Sozialreferent. 

Die Prognose, wie viele weiterhin kommen werden, sei sehr ungenau. „Man rechnet mit über 260 weiteren Flüchtlingen in Kempten bis Ende 2015.“ Das ehemalige Bezirkskrankenhaus befinde sich in der Baugenehmigungsphase als Asylantenheim. Als weitere Beispiele für Unterkünfte nannte Mayer das frühere Straßenbauamt in der Maler-Lochbihler-Straße, wo jedoch noch die Sanitäranlagen fehlen, die Schule in Heiligkreuz und die „Pension Istanbul“ in der Straße „Auf der Breite“. 

Mayer berichtete, dass in den dezentralen Unterkünften derzeit rund 245 Flüchtlinge wohnen. „Derzeit leben in Kempten 57 unbegleitete Kinder.“ Das sind Minderjährige, die ohne ihre Eltern nach Deutschland kamen. Sie alle seien in Einrichtungen für Jugendliche untergebracht. 

Im Klecks würden momentan 30 junge Männer aus Syrien leben. „Von ihnen wird sicher keiner in seinem Asylverfahren abgelehnt“, vermutete Mayer. In dem ehemaligen Gasthaus seien keine Umbauten vorgesehen. Das Klecks solle keine Dauereinrichtung werden, aber als eine Art Ufer für die nächsten Monate dienen. 

Bei den Unterbringungen gebe es einen Standard von sieben bis acht Quadratmeter Wohnfläche pro Person. Die Stadt suche nach weiteren Wohnmöglichkeiten für Flüchtlinge. „Auf dem Mietmarkt sind viele gute Menschen unterwegs, aber auch viele Zocker“, betonte Benedikt Mayer. 

„Wir brauchen Bürgerinnen und Bürger, die mitmachen“, verdeutlichte Dr. Armin Ruf vom Caritasverband Kempten-Oberallgäu. Im Landkreis Oberallgäu würden sich rund 800 Ehrenamtliche für Flüchtlinge engagieren. Für das Klecks gebe es bereits einen kleinen Unterstützerkreis, der sich zum Beispiel um Freizeitangebote kümmere. „Die Asylbewerber brauchen eine Assistenz, aber keine ständige Betreuung“, so Dr. Ruf. 

Interessierte für den Helferkreis im Klecks konnten sich in eine Liste eintragen. Der Andrang war dabei sehr groß.  Franziska Kampfrath

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