Zu Ehren von Ottl Aicher

Einmal mehr hat Isny ein „Alleinstellungsmerkmal“ für sich verbuchen können: Neben Ulm, Ottl Aichers Wirkungsfeld an der Akademie für lange Jahre, ist Isny schon die „Ottl Aicher Stadt.“ Das liegt an dem glücklichen Umstand begründet, dass in den 1970er Jahren die gesamte Werbung und das Auftreten in der Öffentlichkeit auf Messen und ähnlichen Veranstaltungen durchgehend schwarz/weiß war. Jetzt die städtische Galerie in der ehemaligen Skulpturenhalle Friedrich Hechelmanns mit einer Ausstellung von Ottl Aicher zu beginnen, ist eine achtungsvolle Geste zu Ehren des Meisters der Reduzierung.

Hier wird allerdings ein anderer Aicher präsentiert. Wie könnte man denn auch einen Menschen wie ihn nur auf eine Stilrichtung festlegen? Der Zyklus von auf einander sorgfältig abgestimmten Farbtafeln unter dem Motto „Wilhelm von Ockham – Das Risiko modern zu denken“ bringt einen anderen Ottl Aicher zum Tragen. Auch hier natürlich eine starke Reduzierung auf das Wesentliche. Die Figuren, bei aller Lebendigkeit der Gestaltung, sind sorgfältig ausgearbeitet, aber ohne ablenkende Gesichtsausdrücke, aber mit einer durch Gestik und symbolhafte Platzierung plakativ unterstreichend, welche Situation gerade dargestellt werden sollte. Die Begleittexte sind ebenfalls mehr als nur erklärendes Beiwerk, denn erst durch die Gemeinsamkeit von Bild und Text wird aus dem Ganzen ein Kunstwerk mit starkem zeitgeschichtlichem Bezug. Das ist auf alle Fälle keine Ausstellung zum schnell mal durchlaufen und „schön“ sagen, sondern ein Ausdruck dessen, was in dem mittelalterlichen Szenario an Denken und Handel im Gleichklang ist. Man muss sich wirklich Zeit nehmen die Texte mit in die Betrachtung einzubeziehen. Noch etwas Geschichte: Es ist lohnend sich vor Augen zu führen, was mit dem Isnyer Schloss, der ehemaligen Benediktinerabtei, geschah: Die Stadt Stuttgart suchte Käufer für diese Immobilie, da das dort befindliche Alterskrankenhaus aufgelöst werden sollte. So ging der Komplex in den Privatbesitz über, die „Schloss Isny Kunst- und Kulturstiftung“ entstand, die Friedrich Hechelmann-Stiftung schloss sich an und die wunderbar gestaltete Kunsthalle entstand. Es ist Ziel der Stiftungen, Kunst und Kultur zu fördern und nach fast zehn Jahren Skulpturenhalle mit der Sammlung griechischer Repliken bot es sich an, die große Halle als Galerie der Stadt zur Verfügung zu stellen. Jetzt ist es so, dass als eines der wenigen Projekte im Land hier eine sinnvolle Zusammenarbeit zwischen privaten und städtischen Interessenten möglich wurde. Besuche ankurbeln In die Städtische Galerie kommt man über die Kunsthalle. Für beide Bereiche gilt der gleiche Eintrittspreis, personell ist die Kunsthalle am Zuge und man verspricht sich durch renommierte überregional bekannte Aussteller auch den Besuch der Kunsthalle weiter zu beleben, in der vor allem Werke Friedrich Hechelmanns ausgestellt werden. Die Öffnungszeiten der Kunsthalle: Mittwoch bis Freitag von 14 bis 18 Uhr, samstags, sonntags und an Feiertagen von 11 bis 18 Uhr. Öffentliche Führungen „Wilhelm von Ockham“: Sonntag, 25.Juli, 15 Uhr, Sonntag, 15. August, 15 Uhr. Kunsttreff für Jugendliche: Sonntag, 25.Juli, 11 Uhr , „Ockhams Rasiermesser“ mit Thekla Zell.

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