Ehrgeiziges Vorhaben

In den Hallen der Firma Seitz (im Hintergrund) will die Hochschule ein Technologiezentrum einrichten. Die Miete soll die Stadt Kempten finanzieren. Matz

Ein Technologiezentrum Allgäu (TZA) will die Hochschule in den kommenden fünf Jahren für 14 Millionen Euro in Kempten etablieren – und dafür öffentliche Gelder der Stadt haben. Den entsprechenden Antrag der Hochschule hatte der Haupt- und Finanzausschuss am Montagabend zu behandeln. Einstimmig einigte sich das Gremium darauf, vorsorglich im kommenden Jahr 90 000 Euro für die Miete des TZA bereit zu stellen, das in den Hallen der Firma Seitz in der Immenstädter Straße einziehen soll. Allerdings laufen die Verhandlungen mit dem Autohändler noch und auch die endgültig auf die Stadt zukommenden Kosten sind „noch nicht abschließend geklärt“, wie es am Montagabend hieß.

Wörter wie Netzwerke, Technologiezentrum, Aufbau von Kompetenzen, Wissenstransfer und strategische Allianzen lieben Kommunalpolitiker. Sie hören sich modern und vor allem ganz wichtig und bedeutsam an. Gleichzeitig lassen sie viel Raum für Interpretationen, was sich denn an tatsächlichen Inhalten dahinter verbirgt. Und so waren dann auch die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses ganz Ohr, als Dagmar Lazar, Leiterin des Amts für Wirtschaft und Stadtentwicklung, sowie Prof. Dr. Robert F. Schmidt, Präsident der Hochschule, am Montagabend das geplante TZA vorstellten. So ist neben den TZAs in Memmingen und Kaufbeuren ein solches auch in Kempten mit dem Schwerpunkt Elektromobilität geplant. Möglich macht das das Programm „Aufbruch Bayern“, das die Gründung des TZA in den ersten fünf Jahren mit sieben Millionen Euro bezuschusst. Weitere sieben Millionen soll im gleichen Zeitraum die Industrie aufbringen. Ziele des TZA in Kempten sind die Sicherung von Arbeitsplätzen und die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit in der Region – eben unter anderem durch Wissens- und Technologietransfer, frühzeitiges Zusammenführen von Ingenieuren, strategischen Allianzen und firmenübergreifende Graduiertenausbildung. Aufgabe der Stadt in diesem Zusammenhang ist, dem TZA die benötigten Räume für fünf Jahre kostenlos zur Verfügung zu stellen. Laut Präsident Schmidt würde das TZA Kempten einen Raumbedarf von rund 900 bis 1000 Quadratmeter für Labor und Forschung und weitere 300 Quadratmeter für Büros haben. Allerdings müssten sie bereits bis Mitte nächsten Jahres bereitstehen. Um das zu ermöglichen, stimmten die Stadträte dem Antrag zu, zunächst 90 000 Euro dafür im Haushalt bereit zu stellen. Allerdings müsse zunächst noch mit der Firma Seitz über deren Hallen in der Immenstädter Straße verhandelt werden. „Seitz hat in dieser Größenordnung Flächen frei“, erklärte dazu Referatsleiter Dr. Richard Schießl. Die anwesenden Stadträte zeigten sich angetan von dem Vorhaben. So sagte Bürgermeister Josef Mayr (CSU) beispielsweise: „Ich bin ausge- sprochen zuversichtlich, dass in Zeiten der Energiewende hohe Ansprüche an das Projekte gestellt werden.“ OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) sprach sich ebenfalls für den städtischen Zuschuss aus: „Was die Grundlagenforschung betrifft, ist das Allgäu ein weißer Fleck“, meinte er. „Es geht darum, im Forschungsbereich noch stärker zu werden als bisher.“ Doch was passiert nach fünf Jahren, wenn der Freistaat aus der Finanzierung aussteigt, wollte Thomas Hartmann (Grüne) wissen. Bis dahin müssten sich die TZAs selbst tragen, rechnete Schmidt vor. Im schlimmsten Fall müsste das TZA eben wieder geschlossen und die gemieteten Räume zurück gegeben werden. „Auf die Stadt sehe ich auch in fünf Jahren keine höheren Kosten zukommen“, beteuerte der Präsident der Hochschule.

Auch interessant

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Kempten
Babys der Woche im Klinikum Kempten
Bauchtanz, Ballett und Bastelei
Bauchtanz, Ballett und Bastelei
Schüler zeigen Einsatz
Schüler zeigen Einsatz
Indien trifft Allgäu
Indien trifft Allgäu

Kommentare