Vom Kollegenpreis überrascht

Berufsverband Bildender Künstler Allgäu/Schwaben Süd ehrt Benedikt Zint 

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Bilden eine kongeniale Symbiose: der Künstler Benedikt Zint mit den Materialien Stahl, Glas und – Licht.

„Schwere, Raum und Licht“, ein Ausstellungstitel, der das Gezeigte kaum treffender beschreiben kann. Es sind Objekte aus massivem Stahl, kombiniert mit fünf Millimeter dicken Glasscheiben, die der Künstler Benedikt Zint nach Bedarf zwischen den Stahlelementen stapelt.

Der 63-jährige Dietershofener wird in diesem Jahr mit dem mit 1000 Euro dotierten Kollegenpreis des Berufsverbands Bildender Künstler (BBK) Allgäu/Schwaben-Süd geehrt und zeigt im Rahmen der – ebenfalls sehenswerten – aktuellen BBK-Jahresausstellung „Schaulust“ im Hofgartensaal der Kemptener Residenz in einem Sonderteil elf seiner markanten Objekte.

Dass ausgerechnet er diesen Preis erhalten hat, habe ihn schon sehr „überrascht“ gesteht Zint, der sich selbst nicht so wichtig nimmt, der eher zu den zurückhaltenden Menschen zählt und deshalb auch vor allem durch seine ziemlich einzigartigen Werke auffällt. Allein die Wahl seiner Materialien ist kaum geeignet, viele Nachahmer auf den Plan zu locken. Nicht nur die Bearbeitung des Stahls erfordert Know-how und entsprechende Gerätschaft. Das größte der hier gezeigten Werke bringt es zudem auf immerhin 300 Kilo, die kleinen immer noch auf über 40 Kilo an Gewicht. Ein Video zeigt die Entstehung seiner stählernen Kuben und sonstigen geometrischen Gebilde. Seine durchweg ähnlichen Formen sind immer auf das Maß 100 aufgebaut, wie er erklärt, und dadurch gut kombinierbar. „Das Spiel ist endlos“, sagt er. Und auch, dass „es manchmal ewig braucht“, für die Umsetzung der vorgestellten Kombination, bei dem nicht zuletzt das Licht eine wichtige Rolle spielt.

So besteht eines der Faszinosa von Zints Werken in den Lichtspielen, die aus jedem Blickwinkel neu entstehen. Ein weiteres Faszinosum ist die starke Spannung, die sich aus den Gegensätzen der Materialien und der Individualität der Formkombinationen ergibt: Leichtigkeit – Schwere, Licht – Schatten, dunkler Stahl – transparentes Glas....

Die Ideen zu neuen Kombinationen kommen ihm nachts ebenso wie während der Arbeit als Stahlbau-Schlosser bei Goldhofer in Memmingen, wo er auch die für seine Kunst benötigten Werkzeuge immer habe nutzen dürfen. Ursprünglich hatte der inzwischen frischgebackene Ruheständler – was kaum für sein künstlerisches Schaffen gelten dürfte – Landmaschinen-Mechaniker gelernt. „Stahl hat mich schon als kleiner Bua fasziniert“, erinnert sich der Bauernsohn daran, dass auch er, „wie alle im Dorf“ früher gebrauchte Nägel zur Wiederverwendung „noch geradegeklopft hat“ und er den Dorfschmied immer bei der Arbeit beobachtet habe. Zum Material Glas war der künstlerisch weitgehende Autodidakt dagegen durch einen Urlaub auf Sardinien gekommen. Prinzipiell sei in Urlauben immer der Malkoffer dabei gewesen, erzählt er von glasklarem Wasser um die Insel Sardinien und den Wehrtürmen auf der Insel. „Es ist mir nicht gelungen das einzufangen.“ Wieder daheim habe er in seiner Firma „Stahlteile gesehen und gewusst, das sind die Wehrtürme“ und für das glasklare Wasser sei eigentlich nur Glas in Frage gekommen.

Seit 1998 sind Stahl und Glas nun also seine Materialien. Rund drei Tonnen davon lagern inzwischen bei ihm zuhause, bereit, immer wieder umgebaut zu werden. Nur wenige einzelne Werke hat er nie verändert, wie zum Beispiel „das erste Werk, das ich bei der Festwoche eingereicht habe“. Das war im Jahr 2001. „Es war für mich ein Riesenerfolg, als ich in Kempten angenommen wurde“, strahlt der bescheidene Unterallgäuer noch bei der Erinnerung daran. Unverändert hütet er auch das Objekt, das er im BBK-Werkblock 10 gezeigt hat. Elf Stahl-Glas-Objekte sowie Schlackeobjekte von Benedikt Zint sind noch bis Samstag, 30. September, im Hofgartensaal der Kemptener Residenz zu sehen. Dazu ist ein Katalog unter dem Titel „Schwere, Raum und Licht“ erschienen. Die Sonderausstellung des Kollegenpreisträgers 2017 ist Teil der BBK-Jahresausstellung „Schaulust“. Öffnungszeiten: Di-Fr 15-18 Uhr, Sa/So 12-18 Uhr.

Christine Tröger

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