Die eigene Würde behalten

Es waren mehr als nur einige Helfer nötig, um das Tafelladen-Projekt in Isny, Leutkirch und Wangen auf den Weg zu bringen. Die Rotarier der Region haben sich dabei alle Mühe gegeben, um im Sinne ihres damaligen Jahresmottos „Selbstloses Dienen“ für Bedürftige eine ihren Lebensbedingungen entsprechende Einkaufsmöglichkeit zu schaffen. Der Isnyer Tafelladen ist der letzte in dieser Reihe und betreut wird er nun von der Caritas, dem Roten Kreuz, der Arbeiterwohlfahrt und der katholischen Gesamtkirchengemeinde.

Mehr als dreißig Helfer haben sich bisher bereit gefunden, an diesem Projekt mitzuarbeiten und seit Juli 2008 ist es auch möglich, mit der entsprechenden Berechtigung dort einzukaufen. Noch beschränkt sich die Öffnungszeit auf mittwochs ab 14 Uhr. Eine weitere Öffnung ist angedacht, dafür sollten aber zunächst auch noch weitere Helfer gefunden werden. Auch Sponsoren dieses Projektes haben sich mit Hilfe der Rotarier finden lassen. Aldi, Rewe, Lidl, Bäckerei Mayer, Brauerei Stolz mit alkoholfreien Getränken und Früchte Jork sind mit eingestiegen und sorgen im Rahmen ihrer Möglichkeiten für die Versorgung mit Konsumgütern, die stark verbilligt weiter gegeben werden. Die feierliche Übergabe des Schlüssels hatte die Präsidentin des Rotaryclubs Wangen-Isny-Leutkirch, Annette Meier, übernommen. Grußworte sprachen auch Bürgermeister Rainer Magenreuter und Dekan Karrer als Vertreter der Isnyer Kirchengemeinde, Jörg Kuon, Geschäftsführer im DRK-Kreisverband Ravensburg und Ewald Kohler vom regionalen Caritasverband Bodensee-Oberschwaben. Deutlich mehr als 100000 Euro waren nötig, um den drei Tafelläden entsprechend einzurichten. Die Suche nach einem entsprechenden Objekt in Isny zog sich mehr als ein halbes Jahr hin. Heinz Bucher hatte nach allen Richtungen die Möglichkeiten dazu erkundet und mit dem „Gambrinus“, einem ehemaligen Restaurant, und dem Nebengebäude endlich den richtigen Platz dafür gefunden. Christian Haus stellte sein Gebäude Nr. 19 in der Espantorstraße kostenlos als Lagerraum zur Verfügung und sorgte so für die nötige Vergrößerung des Ladens. Die nötigen Geldmittel kamen zum einen von den Rotariern und außerdem durch Spenden und Benefizveranstaltungen zusammen. Die Regale stammen aus einem Lebensmittelgeschäft der Firma Fenneberg in Lindenberg und auch sonst konnten Sponsoren dafür gefunden werden. DRK und Caritas haben die Mietverträge unterzeichnet und Heinz Bucher sorgte innerhalb weniger Stunden für die Genehmigung des Umbaus bei der Stadtverwaltung, die dem Ganzen auch recht aufgeschlossen gegenüber steht. Kein Anspruch auf Perfektion Jörg Kuon betonte noch einmal das Prinzip der Tafelläden. „Die zur Verfügung gestellten Waren werden nicht bezahlt, sondern kostenlos gestellt. Die Nutzer des Tafelladens behalten nach seiner Meinung ihre Würde, da sie – wenn auch reduziert – dort normal einkaufen können.“ Die Tafelläden erheben mit ihrem Angebot keinen Anspruch auf Perfektion. „Was an Ware da ist, steht zum Verkauf, was nicht da ist, kann man eben nicht erhalten.“ Auch die Bevölkerung soll noch verstärkt in diese Aktion mit eingebunden werden. „Kauf eins mehr“ wird als nächstes das Motto sein , mit dem die Käufer in den Geschäften auf „mit ins Boot“ genommen werden sollen. Im Landkreis Ravensburg sind rund 10000 Menschen auf solche Hilfen angewiesen, denn weder Harz IV noch die Sozialhilfe können alleine den Erfordernissen genügen. In der gesamten Bundesrepublik gibt es inzwischen über 800 Tafelläden und rund 40000 Helfer kümmern sich um ihre Mitbürger mit dem nötigen Engagement und der richtigen Überzeugung von der Wichtigkeit ihrer Arbeit. Die Armut wird oft verdrängt, aber jeder kann in eine prekäre Situation kommen, die ohne die Hilfe seiner Mitmenschen nicht zu bewältigen ist.

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