"Ein Akteur im Zeitgeist"

Noch bis Ende der Woche gibt die Jahresausstellung des Berufsverbandes Bildender Künstler (BBK) Schwaben-Süd einen ausgesuchten Überblick, über das aktuelle Schaffen seiner Mitglieder. In einer ansprechenden Präsentation zeigen 57 Künstler 65 Malereien, Objekte, Grafiken und Fotoarbeiten in verschiedensten Techniken und Stilen.

Allerdings fanden nur wenige außen stehende Interessierte den Weg zum Künstlergespräch, das der BBK am Samstag zur langen Einkaufsnacht veranstaltet hatte. So entspann sich die Kunstdiskussion unplanmäßig zwar eher im Fachkreis, dafür aber nicht minder interessant. Mit einer anschließenden Diskussion, moderiert von Kulturamtsleiter Dr. Gerhard Weber, stellten Stephan Rustige, Christian Hof, Daphne Kerber, Gabriele Gernhard-Eichinger, Jürgen Meyer, Gerhard Bär und Winfried Becker ihre Werke vor. Wie einige Kollegen bekundeten, erhielt Rustiges 21-teilige Bodeninstallation „Heils-Lehren Zentri-Fuge“ eine ganz neue Intensität dadurch, dass sich der Künstler für seine Ausführungen in das Zentrum des Werkes stellte. Plötzlich sei ihnen die Intention der von Innen nach Außen gerichteten Botschaften wie „Ermordete Heils-Bringer“, „Selbstmörderische Gotteskrieger“, „Welt-Reich verflüchtigt“, „Glücks-Rad“, „Verzerrte Welt-Entwürfe“, versinnbildlicht durch einen Strahlenkreis aus bunt bemalten Holzelementen, klar geworden. „Der Künstler ist ein Akteur im Zeitgeist“, meinte Rustige bezüglich dem Streben, im Werk etwas auszudrücken. Die anfangs nur wenigen Aspekte würden sich entwickeln und oft würden ihm von Betrachtern im Nachhinein erst welche bewusst gemacht. Bewegendes Portrait Dem Thema Alter hat Christian Hof die zweiteilige Fotoarbeit „Zarte Sieger einer großen Schlacht“ gewidmet – ein Portrait seiner altersdementen Großmutter im Pflegeheim und der letzte Abschied, ihr letztes Zuwinken kurz vor ihrem Tod, von außen durch die Fensterscheibe aufgenommen. „Ich könnte gar nichts machen ohne eine Aussage zu machen“, sagte er. Nach seiner Erfahrung seien viele berührt von den Bildern, weil sie ans Alter erinnert würden, das noch immer eine Art Tabuthema in unserer Gesellschaft sei. Wie bereits bei der Ausstellungseröffnung hatten die „Kunstaktionsschwestern“ die Veranstaltung genutzt, um für ihr Manifest „Baustelle Kunst, Region Allgäu“ zu werben. In schwarzen Mänteln und weißen Bauhelmen forderten die beiden BBK-Mitglieder Susanne Krämer und Karin Ringholz-Rank unter anderem „mehr Raum für Aktionskunst, Performances und Installationskunst“, womit sie durchaus auf Zustimmung stießen. Allerdings „kostet Aktionskunst oft viel Zeit und Geld“ und sei kaum zu konservieren oder zu verkaufen, merkte Kerber an. Es sei eine „schwierige Kunstform“, wenn auch mit gleicher Berechtigung wie jede andere. Es müsse einfach „bewusster werden, dass Aktionskunst auch gebucht werden kann“, meinte Kerber.

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