"Ein bisschen viel Neues"

Beim Thema Kettenhäuser scheiden sich die Geister

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Die Pläne für vier Kettenhäuser an der Hangkante (rechts im Bild) sollen nach Wunsch des Gestaltungsbeirats nochmals überdacht werden. Nicht beanstandet wurde die Planung eines in der Kuhle liegenden Doppelhauses (Bildmitte) - Ausschnitt.

Kempten – Da die Bebauungspläne in der Alpenstraße – wie berichtet soll dort ein Apartmentgebäude mit offener Großgarage gebaut werden – sowie der zwei in der Lotterbergstraße geplanten Mehrfamilienhäuser von der Tagesordnung abgesetzt worden waren, 

fiel die in diesem Jahr letzte Sitzung des Gestaltungsbeirats entsprechend dünn aus.

Einen Schritt weiter sind die überarbeiteten Planungen für das Wohn- und Geschäftshaus, das an der Kotterner Straße 84, nun mit Eingang auf der Seite Bahnhof-/Kotterner Straße, entstehen soll. Zwar behalte man die Bedeutung der Lage im Blick, an der das vierstöckige Gebäude mit „Attika-Abschluss“ (wandartige Erhöhung der Außenwand über den Dachrand hinaus) einen Übergang zur Innenstadt in die eine Richtung darstellen soll, in die andere zur Big Box und darüber hinaus. Dem Wunsch des Gestaltungsbeirats, die Arkaden weiterzuführen, konnte laut Marco Hippmann vom Architekturbüro Hippmann Hardegger allerdings nicht nachgegeben werden. Dadurch würde zu viel kostbarer Raum und damit Mieteinnahmen verloren gehen, und das Projekt unwirtschaftlich, so die Begründung. Mit insgesamt 119 Zimmern seien die Geschosse des künftigen Hotels „vollgepackt mit Zimmern“. Ein extern betriebenes Restaurant – ein Betreiber sei bereits gefunden – ist im Erdgeschoss angedacht, daran schließt eine große Fläche für Einzelhandel an sowie zwei kleinere dahinter. Im ersten Obergeschoss ist ein Working-Space-Bereich geplant sowie Lounge und Hotelbar – alles durch eine große Fensterfront einladend sichtbar von der Straße aus. Gestaltungsbeiratsvorsitzender Werner Binotto begrüßte den „oberen Abschluss“ und lobte die „sehr gute Überarbeitung“ sowie den „sehr gelungenen Übergang zur Storchenstraße“. Nur mit der Absage an fortgeführte Arkaden wollte er sich nicht kommentarlos abfinden: „Schon im Mittelalter war Raum sehr wertvoll und trotzdem hat man Arkaden gebaut.“ Statt der zweigeteilten Fassadengestaltung von Variante 1 sprach sich das Gremium aber vorzugsweise für „ein solides Sockelgeschoss“ mit drei Obergeschossen aus, wie in der „viel ruhigeren“ Variante 2 gezeigt.

Neubau Berufsschule St. Georg

Auch beim Neubau der Förderschule St. Georg an der Königstraße 13 ging es in der Wiedervorlage um überarbeitete Planungen. Wie berichtet geht es hier nicht um das Hauptgebäude in der Mozartstraße, sondern um das aus den 1950er/60er Jahren stammende Gebäude in der Königsstraße, in dem früher die Bundeswehrfachschule untergebracht war. Nochmals zur Sprache kam die Tatsache, dass laut Untersuchung ein Gebäudeerhalt unter anderem wegen des Brandschutzes für „nicht sinnvoll“ erachtet werde. Vorgestellt wurde nun ein zweigeschossiges Gebäude mit Klassenzimmern im rückwärtigen Teil und damit weg von der Straße, mit einer Bauhalle und einem Gewächshaus, das für die Ausbildung im Garten- und Landschaftsbau benötigt werde. Unzufrieden zeigten sich die GestaltungsbeirätInnen über die Lage des Gewächshauses im Innenhof, die sie als „ungünstig“ beurteilten. Für notwendig hielten sie auch die Überarbeitung der Stellplatzfrage und was den Erhalt des Gartens betrifft.

Wohnbebauung Am Zollhaus 5

Ungewöhnlich war die Idee des Architekturbüros Hagspiel, Stachel, Uhlig für die Bebauung des in mehrfacher Hinsicht schwierigen Areals Am Zollhaus. Nicht nur, dass die vom Bauherrn in einem bestehenden Wohngebiet zusammengekauften Grundstücke stark „zerklüftet“ sind, wie Architektin Conny Häring erläuterte. Auch die Topographie mit Hangkante und einem „Höhensprung von fast zwei Geschossen“ an der Altusrieder Straße sowie einer Kuhle beschrieb sie als besondere Herausforderung. Als Lösung präsentierte sie Pläne für ein Doppelhaus in der Kuhle und vier Kettenhäuser entlang der Hangkante, die in den Hang hineingebaut diesen aufnehmen. Wie bei einer Kette reihen sich im Wechsel ein großes Glied (das Wohngebäude) und ein kleines Bauglied, auf dem sich jeweils eine Dachterrasse befindet. An diesen Terrassen läuft der Hang hoch und es bildet sich ein kleiner Innenhof.

Durch Pultdächer, die an der Rückseite zur Straße hin weiter nach unten gezogen werden sollen, und die sich dafür nach vorne hin öffnen, sind auch als Schallschutz gedacht. Für den Gestaltungsbeirat war es trotz des für gut befundenen Ansatzes schlussendlich aber doch „ein bisschen viel Neues“ in dem ansonsten unsymmetrisch „gewachsenen“ Wohngebiet, in dem die in Reih und Glied stehenden Kettenhäuser die Struktur durchbrechen würden. Deshalb baten sie um Überarbeitung und Wiedervorlage.

Christine Tröger

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