"Ein geeigneter Standort"

Der Rettungshubschrauber Christoph 17 soll in die Riederau ziehen. Foto: Archiv

Der Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Allgäu (ZRF) wird beim Luftamt Süd der Regierung von Oberbayern in München den Bau einer neuen Rettungsstation für den Rettungshubschrauber Christoph 17 beim Riederauweg beantragen. Darauf verständigte sich die Verbandsversammlung am Dienstagmorgen einstimmig. Dem Vorschlag von Kaufbeurens OB Stefan Bosse (CSU), den Hubschrauber nach Kaufbeuren zu verlegen, erteilte das Gremium eine Absage.

ZRF-Geschäftsführer Wolfgang Klaus wies am Dienstagmorgen mehrfach auf das aufwändige Verfahren zur Suche eines geeigneten Standortes hin. In den vergangenen zwei Jahren seien 19 mögliche Plätze für die neue Luftrettungsstation von Fachleuten untersucht worden. Das Hauptaugenmerk galt dabei vor allem Arealen, die einen flachen Flugwinkel ermöglichen für den Fall, dass ein Triebwerk von Christoph 17 ausfällt. „Die Sicherheitsanforderungen sind enorm verschärft worden“, betonte Klaus. „Das schließt die meisten Standorte von ihrer Eignung her aus.“ Der Flugplatz Durach, wo der orangene Heli derzeit vorübergehend stationiert ist, scheidet wegen der Lärmbelastung der Anwohner ebenfalls aus. „Da sind wir an der Zumutbarkeitsgrenze“, so Klaus. Eine Möglichkeit wäre daher, den Duracher Heli-Hangar weiter nach Süden zu verlegen. Dann stehe allerdings die Trasse der A980 den Piloten im Weg, was aus Sicherheitsgründen nicht hinnehmbar sei. Allerdings: „Die Crew würde lieber in Durach bleiben.“ Fündig geworden sind die Experten nun in der Riederau beim Bundeswehrsportplatz (der KREISBOTE berichtete mehrfach). Die Lärmbelastung dort sei vertretbar und es herrschten „günstige Verhältnisse, was den Flugbetrieb angeht“, erläuterte der ZRF-Geschäftsführer. Nur zehn Prozent der Flugbewegungen würden dort über Wohnbebauung hinweggehen. Die prognostizierte Lärmbelastung liege im schlimmsten Fall bei 52 Dezibel. OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) ergänzte: „Ein geeigneter und zumutbarer Standort nach allen Voruntersuchungen.“ Generell sei es schwierig in der Region einen geeigneten Platz für die neue Station zu finden. „Die Allgäuer Topographie macht es nicht ganz einfach nach den heutigen Vorschriften“, erklärte OB Netzer. Ein Vorschlag von Kaufbeurens OB Bosse, den Heli in die Hangars von Kaufbeuren zu verlegen, lehnte die Versammlung dagegen ab. „Der Standort in und um Kempten ist ganz klar definiert“, betonte Rettungsarzt Dr. Gerhard Zipperlen, da es ansonsten zu zu langen Flugzeiten beispielsweise ins westliche Allgäu oder das Gebirge komme. Wie lange das Genehmigungs-Verfahren dauern wird, dazu konnte das Luftamt Süd der Regierung von Oberbayern am Donnerstag noch keine Angaben machen. Zunächst, so Regierungssprecherin Michaela Krem auf Anfrage unserer Zeitung, werde eine Vorprüfung des Antrags erfolgen, ehe durch die Stadt Kempten eine öffentliche Auslegung in die Wege geleitet werde. Erst im Anschluss daran komme es zu Prüfung und Entscheidung des Antrags. Warum ausgerechnet Kempten? Kempten – „Wir haben die Verantwortung, in der Region einen Standort für die Luftrettung zu finden“, sagte OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) unlängst bei einer Bürgerinformationsveranstaltung in Ursulasried (der KREISBOTE berichtete). Für viele Bürger blieb das zu vage, sie fragen sich, warum ausgerechnet Kempten den orangenen Heli beheimaten muss. Dafür gibt es offenbar zwei Gründe, wie Wolfgang Klaus, Geschäftsführer des ZRF, dem KREISBOTEN am Mittwoch erläuterte: Zum einen besitzt Kempten ein gut ausgestattetes Schwerpunktkrankenhaus. Zum anderen sind die Einsatzzeiten vom Innenministerium festgelegt. Das heißt, dass ein 100-Kilometer-Radius innerhalb bestimmter Zeiten abgedeckt werden muss. Nicht zuletzt entscheidend ist dabei die Nähe zum Gebirge. „Ich brauche ihn irgendwo in Gebirgsnähe“, betonte Klaus. „Die zwei Aspekte zeigen, dass Kempten als Standort herhalten muss.“ Das bedeutet im Umkehrschluss: Umso weiter der Heli von Kempten weg stationiert wird, „dann werden die Betriebsbedingungen immer ungünstiger. Der Auftrag wäre nicht abgedeckt.“.

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