"Ein geiler Verein"

Turbulente Jahreshauptversammlung der Allgäu Comets

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Nach Turbulenzen versammelte sich der neue Vorstand schließlich zur Gruppenaufnahme: v.l.n.r. vorn: Peter Winzler, Francis Bah, Adi Hölzli, Dr. Johannes Huber, Pia Kaletsch, v.l.n.r. hinten: Werner Hamm, Christian Metz, Scarlett Kochenburger, Jeno Krishnan, Niki Selzle, Horst Argesheimer, Sidonia Göppl.

Kempten – Jahrelang zeigte die Entwicklung der Allgäu Comets nur in eine Richtung – nach oben. Jetzt aber scheint es, dass die 1992 gegründete American Football-Mannschaft in unruhigeres Fahrwasser gerät. Abzuwarten bleibt, wie sich fortan die Dinge entwickeln. Das betrifft zum einen die Finanzen, zum anderen die handelnden Personen.

Bei der Jahreshauptversammlung vergangene Woche in der Brauereigaststätte „Zum Stift“ zeigte sich, dass das „Rückgrat“ des Vereins und frischgewählter Vizepräsident, Dr. Johannes Huber es nicht schaffte, seinen favorisierten Kandidaten für das Amt des zweiten stellvertretenden Vizepräsidenten, Niki Selzle, durchzudrücken. Stattdessen wurde es mit einer plötzlichen angemeldeten Kandidatur der Spieler und Abteilungsleiter der Herren Francis Bah mit 61 von 97 möglichen Stimmen. Selzle hatte zuvor nur 21 Ja-Stimmen erhalten, Dr. Huber bei seiner Abstimmung allerdings zuvor 94 Ja-Stimmen. 

Nach den Wahlgängen kam es zum Eklat. Huber vermutete einen „Putsch“ und lehnte seine Wahl als einen der beiden Vizepräsidenten ab. „Ich wurde über diese Kandidatur im Vorfeld nicht informiert, vielmehr übergangen und das geht gar nicht“, so die Reaktion des Mannes, der wesentlich zum Bestand und Erfolg der Allgäu Comets beigetragen hat. Rund eine Dreiviertelstunde lang wurde nun vor der Brauereigaststätte und in Hinterzimmern heftig diskutiert und um eine Lösung gerungen. Schlussendlich ließ sich Huber doch noch überzeugen, seine Wahl anzunehmen. „Kameraden, das war das letzte Mal, dass mit mir so umgesprungen wurde. Noch einmal, und ich bin weg. Ich mache aber weiter, weil ihr ein geiler Verein seid“, so die emotionalen Worte des „Doc“ Huber an seine „Kometen“. Interpretierte man Mimik und Gestik der Protagonisten richtig, dann war es der Verdienst des ebenfalls wiedergewählten Präsidenten Adi Hölzli, dass sich die Wogen zumindest an diesem Abend glätteten. 

"Recruitment" tut Not

Bevor es zu den Neuwahlen des Vorstand kam, wurde zuvor durch die Verantwortlichen ein Blick auf die sportliche Entwicklung der vergangenen Saison 2018 geworfen. Matthias Schütz, Headcoach der U 19 und Abteilungsleiter Jugend, berichtete, dass trotz altersbedingter Abgänge es die U19 bis ins Halbfinale der Bayernliga geschafft hatte. Die U15 hatte ebenfalls mit knapper Kaderstärke nach guter Saison als Tabellenzweiter die Playoffs der Bayerischen Meisterschaft erreicht. „Wir werden künftig unser Augenmerk auf die Anwerbung neuer Spieler legen”, so Schütz. Sechs Spieler der Comets kamen in die Auswahl der Bayerischen U17-Jugendauswahl, die in Oldenburg deutscher Vizemeister wurde. Auch die „Ladies“ konnten in der vergangenen Saison sportlich überzeugen. Trotz dünnen Kaders mit nur 24 Spielerinnen schaffte frau es ins Endspiel der 2. Damenbundesliga, wo man sich nur den Lions Ladies Braunschweig geschlagen geben musste und Vizemeister wurde.

Schwierige Saison 

Auf eine turbulente Saison mit stark schwankenden Leistungen musste hingegen der Coach der ersten Mannschaft Hesham Khalifa zurückschauen. Khalifa hatte in der Sommerpause den bisherigen Chefcoach Jeff Scurran abgelöst. Nach einer Serie von sechs Niederlagen bei nur einem Sieg, vermochte es das Team unter seinem neuen Coach gegen Stuttgart das Ruder herumzureissen. Vier Siege in Folge retteten den Allgäu Comets den Verbleib in der GFL. Am Saisonende belegte man mit 10:18 Punkten den 6. Tabellenplatz der German Football League Süd 2018. Nach der relativ verkorksten Saison, bei der sich auch der Zuschauerschnitt von 1240 auf 910 reduzierte, kommt es nun bei den Comets im Hintergrund zu Bewegungen.

So werden aktuell viele Gespräche geführt, um lokale Spieler wieder zu motivieren und für eines der beiden Herrenteams zu werben. Auch die Rekrutierung von Importspielern als Ergänzung läuft bereits als Vorbereitung für die nächste Saison an. Ziel soll sein, Spiele zu gewinnen und sich langfristig unter den Top Vier in der GFL Süd zu etablieren. Im Vordergrund für die anstehende Saison gilt es dafür zuerst einmal, die Basis zu schaffen, indem das Team und dessen Zusammengehörigkeitsgefühl gestärkt und gefördert wird. „Football bei den Comets soll Spaß machen“, betont dazu Khalifa, „und zwar für alle: den Spielern, den Zuschauern, unseren Fans und Sponsoren. Allen, die mit uns zu tun haben.“ Dass dies mit harter Arbeit verbunden ist, lässt der Headcoach dabei nicht aus. 

Money, Money, Money

Der Geschäftsbericht 2018 und der vorläufige Geschäftsbericht für das Geschäftsjahr 2019, erstellt durch den scheidenden Kassenwart Werner Kastl offenbarte, dass es auch finaziell bei den Comets derzeit nicht ganz rund läuft. Während die Verbindlichkeiten bis in das Jahr 2018 allmählig zurückgeführt werden konnten, verzeichnet der Verein vorläufig für das Geschäftsjahr 2019 ein Minus von 30.683 Euro. Die Einnahmen liegen 2019 bei 285.564,52 Euro, allerdings stiegen die Ausgaben im aktuellen Geschäftsjahr um 25.375 Euro gegenüber 2018 auf 316.247,52 Euro. Finanziell auf der Habenseite ist das gutbesuchte Freundschaftsspiel gegen die College-Mannschaft der Ohio Polar Bears im Mai zu verbuchen. Monetär ungünstig wirkte sich der Zuschauerrückgang aus. Die Gründe liegen am schlechten Saisonstart mit drei Niederlagen und am Spielplan selbst. Der verlegt nämlich viele der Spiele in die Ferienzeit. Kastl mahnte hier an, beim Verband Korrekturen zu verlangen. Dass zudem vor der Saison 2019 ein größerer Sponsor abgesprungen war, verschärfte die finanzielle Lage zudem. So mochte der kritische Kassenprü- fer Sigi Mayr für das aktuelle Geschäftsjahr 2018 noch empfehlen, den Vorstand zu entlasten, mahnte aber an, konsequent zu sparen oder gegebenenfalls den Vorstand persönlich haftbar zu machen. „Wir müssen auf die Kosten schauen“, so das Fazit des Kassenprüfers. 

Der neue Vorstand

Präsident: Adi Hölzli (wiedergewählt); Vizepräsidenten: Dr. Johannes Huber (wiedergewählt), Francis Bah (neu) für Dieter Egger (kandidierte nicht mehr); Schriftführer: Peter Winzler (neu) für Armin Wegmann (kandidierte nicht mehr), Kassier: Pia Kaletsch (neu) für Werner Kastl (kandidierte nicht mehr), Beisitzer: Werner Hamm, Andreas Morgenstern, Sidonia Göppel, Scarlett Kochenburger, Niki Selzle, Horst Argesheimer (alle wiedergewählt), Jenovan Krishnan, Christian Metz (alle neu); Rechnungsprüfer: Siegfried Mayr (wiedergewählt), Werner Kastl (neu).

Jörg Spielberg

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