"Ein großer Brocken nach dem anderen"

Heribert Kammel. Foto: Archiv

Heribert Kammel, erster Bürgermeister von Altusried, der größten Gemeinde des Landkreises, zog in einem Interview mit dem KREISBOTEN eine Bilanz des vergangenen Jahres und blickte auch in die Zukunft.

Herr Kammel, Altusried bezeichnet sich selbst als „Theaterverrückte Gemeinde“ und wird demzufolge fast automatisch mit der Freilichtbühne assoziiert. Was gibt es über die Allgäuer Freilichtbühne Altusried (AFA) GmbH zu berichten? Kammel: „Den erfreulichen Einnahmen vom Märchen Aschenputtel und der Operette Der Vogelhändler, sowie den Gastspielen von Pur und Status Quo stehen nicht unerhebliche Ausgaben für den Schuldendienst, die laufenden Betriebs- und Unterhaltskosten, dem Zuerwerb technischer Anlagen, der Gestaltung der Außenanlagen und Marketingmaßnahmen gegenüber. Für das Wirtschaftsjahr 2010 muss daher von einem Fehlbetrag in Höhe von rund 185 000 Euro ausgegangen werden. Um den Darlehensstand der AFA von derzeit etwa 3,8 Millionen Euro zu verringern, sind alle Beteiligten aufgefordert, mit Nachdruck an der Optimierung der Einnahmen/Ausgabensituation zu arbeiten. Für 2011 sind die Eigenproduktion ‘Die 3 Musketiere’, die Operette ‘Das Schwarzwaldmädel’, Konzerte der Kastelruther Spatzen, der EAV und Howard Carpendale geplant. Spürbare finanzielle Entlastung wird das nächste große Freilichtspiel 2013 bringen.“ Da wir gerade über Geld reden, gibt der Bericht des Kämmerers Anlass zur Sorge Kammel: „Der Schuldenstand von 13,3 Millionen Euro, gleichbedeutend mit einer Pro-Kopf-Verschuldung in Höhe von 1336 Euro erscheint als nackte Zahl betrachtet hoch, muss aber im Zusammenhang mit der verbesserten Infrastruktur und den damit geschaffenen Werten gesehen werden. Um nur ein Beispiel zu nennen: Die 2005 begonnene Erweiterung der Wasserversorgung schlug mit rund 2,4 Millionen Euro zu Buche. Die vollständige Rückzahlung ist mit der letzten Rate in Höhe von 274 000 Euro für Februar eingeplant. So arbeiten wir einen großen Brocken nach dem anderen ab. Zur immer wieder gestellten Frage bei den Bürgerversammlungen nach den Personalkosten, sie sind seit mehreren Jahren unverändert. Neueinstellungen zum Beispiel für die Offene Ganztagsschule werden durch den Ablauf von Alters-Teilzeit-Arbeitsverhältnissen kompensiert.“ Ist die Bildungsrepublik auch für die Kommunalpolitiker ihres Gemeinderates ein Top-Thema ? Kammel: „Selbstredend. Am 26. Oktober wurde unserer Hauptschule hochoffiziell der Titel Mittelschule verliehen. Durch einen Kooperationsvertrag mit dem Schulverband Legau ist der Mittelschulverbund Altusried-Illerwinkel gegründet worden. Landkreisüberschreitend wird damit der mittlere Schulabschluss ermöglicht und für besonders gute, aber auch schwächere Schüler die berufsbildenden Zweige Technik, Wirtschaft und Soziales angeboten. Mit der Zeit geht auch unsere Offene Ganztagsschule (OGTS). Im laufenden Schuljahr erhalten 42 Jugendliche Verpflegung, Förderung durch pädagogisches Fachpersonal und erzieherische Betreuung. 2005 begann die OGTS mit 12 Vollzeitplätzen, die Steigerung spricht für sich. Das kostet die Gemeinde 25 000 Euro im Jahr, dazu kommen noch 10 000 Euro für eine Schulsozialarbeiterin. Auch in die Gebäude wird investiert. Das Brandschutzkonzept wird alsbald umgesetzt in Form von Außentreppen, Brandschutztüren und weiteren Rettungswegen. Dafür nehmen wir 250 000 Euro in die Hand. Eine gute Nachricht haben wir für die Fahrschüler in Richtung Leutkirch. Zwischen Krugzell und Hettisried werden Buswartehäuschen aufgestellt.“ Ein Dauerbrenner bei öffentlichen Sitzungen ist die Ortsentwicklung. Gibt es Neues zu vermelden? Kammel: „Da hat sich durch das Engagement der Firma BidZ (Bauen in die Zukunft) eine neue Situation ergeben. Das Rathaus soll nicht abgerissen, sondern in die Verwirklichung eines Lebensmittelmarktes mit 800 Quadratmetern Verkaufsfläche integriert werden. Die endgültige Version wird aber noch Gegenstand intensiver Beratungen sein.“ Konkreter ist das Projekt „Ferienpark Allgäu“. Wann soll es realisiert werden? Kammel: „Die Eröffnung ist spätestens im Frühjahr 2015 geplant. Dann können in 800 Ferienhäusern die erhofften eine Million Übernachtungen gebucht werden und damit dem Allgäu zu einer echten Attraktion verhelfen. Durch den Altusrieder Anteil hoffen wir auf Synergie-Effekte. Die Bedenken des erhöhten Verkehrsaufkommens konnten durch eine Studie entkräftet werden, die zu dem Ergebnis kommt, dass 90 Prozent der Anreisenden über die A 96 fahren.“ Ist Altusried eine attraktive Adresse für Industrieansiedlungen und Häuslebauer? Kammel: „Die großen Firmen liegen alle im Osten, also in Richtung Autobahn A7, der schnellen Verbindung nach Norden, nach München und Augsburg. Für Zuzugswillige weisen wir ständig neue Baugebiete aus und bemühen uns, Ort und Umgebung noch familiengerechter zu gestalten. Unser beliebtes Freibad wird gerade für 72 000 Euro modernisiert, der Radweg nach Kimratshofen ist vor wenigen Wochen eröffnet worden. Aber fragen Sie einfach die Einheimischen, ob sie gerne hier wohnen.“

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