"Ein Kind kann sich nicht befreien"

„Mobbing in der Schule“ war jetzt das Thema einer Veranstaltung des Gesamtelternbeirates in Zusammenarbeit mit der Schulsozialarbeit und der VHS. Die Vorsitzende des Gesamtelternbeirates, Petra Hofer, begrüßte die große Menge der Besucher in der Aula der Realschule. Schulsozialarbeiterin Rita Nosse-Hein sprach einleitende Worte und hieß die von der Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz aus Nordrhein-Westfalen angereiste Referentin für Gewaltprävention Carmen Trenz willkommen.

Zum besseren Verständnis definierte Trenz zu Beginn ihres Vortrags zunächst die einzelnen Begriffe. Grundlegend wird zwischen direktem Mobbing und „Cybermobbing“ (über die Medien) unterschieden. Die erste Frage lautete „Wer mobbt nun wen?“ Kinder untereinander, Kinder gegenüber Lehrern, Lehrer gegenüber Kindern – das waren die Hauptkategorien der Referentin in der Schulsituation. Aus dem Teufelskreis „Mobbing“ kann sich Trenz zufolge ein Kind nicht selbständig befreien, egal welche Form von Mobben es ist. Durch Gruppen, in der Einzelkonfrontation oder durch Unbekannte. Hierhin gehört die Hilfe von Erwachsenen in Zusammenarbeit mit der Schule oder sensibilisierten Ansprechpartnern aus der Schulsozialarbeit. Pure Absicht Mobben ist Absicht und nicht Zufall und hat verschiedene Richtungen: auf der psychischen Ebene, auf der verbalen Schiene und indirekt über das Internet, nicht zu vergessen die sexuelle Belästigung und der ausländerfeindliche Hintergrund. Und wen betrifft es? Mindestens zwei Millionen Kinder in der Bundesrepublik haben Mobbingerfahrungen, 33 Prozent davon heftige (und das rund um die Uhr). Das betrifft alle Schultypen, jede Gesellschaftsschicht, egal ob Jungen oder Mädchen. Oft beginnt es bereist im Kindergarten. Zu der verzweifelten Situation der Gemobbten kristallisieren sich nach Erkenntnissen von Carmen Trenz gewisse Symptome heraus: Kopf- und Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit, Schlafstörungen, Traurigkeit, Angst und Depressionen bis hin zum Selbstmord. Opfer schweigen oft, suchen die Schuld bei sich selber, empfinden Scham und versuchen mit Geschenken und „Wohlverhalten“ sich freizukaufen. Gespräche helfen Helfen können Gespräche. Gespräche mit den Kontrahenten, Gespräche mit den Eltern, Gespräche mit den Lehrern und nach Meinung von Trenz vor allem keine Strafen. Nicht in den alten Geschichten wühlen, sondern Zukunftsperspektiven aufzeigen und für ein anderes Gruppenklima sorgen. Das zeige sicher Wirkung, meinte Gewaltpräventions-Referentin Carmen Trenz. Eltern und Lehrer sind in all diesen Situationen relativ hilflos, wenn sie nicht entsprechend geschult werden. Mobbing in der heutigen Form ist noch relativ neu. Erst Professor Konrad Lorenz hatte 1963 diesem Begriff eine erkenntnispsychologische Wertigkeit gegeben. Wobei man sieht, dass Mobbing auch bei Tieren eine Rolle spielen kann. Der Umgang mit Internet und Handy ist sowieso vielen Erwachsenen nicht geläufig und die Auswirkungen werden weitgehend unterschätzt.

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