"Ein lebendiger Platz"

Bauprojekte und einiges mehr waren Thema bei den Stiftstadtfreunden. Hier lauschen die Anwesenden um Ilse Roßmanith-Mitterer (links) den Ausführungen von Baureferentin Monika Beltinger (rechts). Foto: laz

Die „Schlacht vom 10. April“ ist längst geschlagen, der Tiefgaragenbau unter dem Hildegardplatz klar abgelehnt – und dennoch war dieser Platz südlich der ehrwürdigen Basilika beherrschendes Thema bei der Jahresversammlung der Kemptener Stiftsstadtfreunde. Denn es gibt offenbar erhebliche Bedenken, ob die Oberfläche des Platzes nun so gestaltet wird, wie sich das so mancher Bürger vorstellt. „Ich bin für einen lebendigen Platz mit einem richtigen Marktbrunnen“, ließ Vorsitzende Ilse Roßmanith-Mitterer schon mal verlauten.

Das tat sie in der Gewissheit, doch gut gehört zu werden, denn immerhin konnte die Vorsitzende neben vielen Vereinsmitgliedern auch zwölf Stadträte und OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) in den Stifts-Gaststätten begrüßen. Ödes oder gar etwas, was nach „Gesteinswüste“ riecht, will sich offensichtlich die Mehrheit auf dem Hildegardplatz nicht antun lassen. Der Rathauschef hat offenbar Verständnis für die Sorgen der Leute, sagt ihnen, dass bei der einstimmigen Stadtrats-Entscheidung im Dezember ja nur Eckpunkte festgelegt worden seien. Beispielsweise eine grüne Bauminsel mit allerlei Sitzmöglichkeiten, beispielsweise der Verlauf der Straße nicht mehr an der Basilika, sondern an der Häuserzeile entlang. Und natürlich müsse der Untergrund ausreichend befestigt werden, da ja weiterhin der beliebte Wochenmarkt auf diesem schönen Fleckchen der einstigen Römerstadt stattfinden solle. Aber über Details wie die Anzahl der Bäume, die Art des Brunnens oder auch die Beschaffenheit der Pflasterzeilen könne noch geredet werden, so Netzer. Zu Gesprächsrunden habe man die Bürger schon vor dem Stadtrat-Votum eingeladen, von „einsamen Entscheidungen“ könne also keine Rede sein. Ob der genannte Stadtratsbeschluss wieder gekippt werden könne, wollte Ralf Oberbauer wissen. „Der Stadtrat wird niemandem das Gespräch verweigern, der gute, neue Argumente einbringt und auch genau sagt, was er will“, betonte das Stadtoberhaupt. "Genug Spielraum" Und für Stadtrat Helmut Hitscherich (UB/ödp) besteht noch genug Spielraum, damit die Bürger Einfluss auf Details des künftigen Hildegardplatzes nehmen können. Thomas Hartmann von den Grünen sah indes mehr die finanzielle Seite: „Wir müssen schauen, dass genügend Mittel bereitgestellt werden, um mit der Umgestaltung beginnen zu können.“ Lob gab es an diesem Abend allerdings auch. Erst unterstrich Dr. Netzer das Engagement der Stiftsstadtfreunde – vor allem Roßmanith-Mitterer habe mit ihrem neuen Krippenweg die Kemptener Advents- und Weihnachtszeit bereichert. Die Vorsitzende gab Komplimente zurück und anerkannte die private und öffentliche Bautätigkeit in der Stiftsstadt, auch wenn in der Herrenstraße der Wohnbau „arg eng“ zusammengerückt sei. Als „gelungen“ könne man auch die Sanierung der ehemaligen Maria-Ward-Schule betrachten – allerdings gebe es jetzt in diesem Umfeld noch weniger Parkplätze. In dieser Frage, so der OB, seien jetzt die Stiftsstadtfreunde am Zug, denn sie hätten die bisherigen Ideen der Stadt (vom Parkhaus bis zur Tiefgarage) wohl nicht im ausreichenden Maße unterstützt. Zwei Bürger schlugen vor, an der Rottachstraße ein Parkhaus zu bauen. Ob sich damit die Parksituation in der Stiftsstadt entspannen würde? Daran hatte Netzer Zweifel. Gute Nachrichten hatte er hingegen für die Stiftsstadtfreunde-Chefin, denn die von ihr monierte Baulücke in der Lorenzstraße werde vermutlich schon in Bälde der Vergangenheit angehören. Ein Investor habe dem Bebauungsplan entsprechend seine Pläne auf den Tisch gelegt. Auch in Sachen Straßenzustand soll es in der Lorenzstraße und auch teils in der Brachgasse aufwärts gehen. Dafür habe die Stadt für 2013 Mittel eingestellt – im nächsten Jahr solle mit den Bürgern über die Einzelheiten gesprochen werden, sagte Netzer. Positive Entwicklung „Schandflecken“ gibt es laut Roßmanith-Mitterer auch noch. So sei ein Anwesen nahe des Hohen Weges in einem „problematischen Zustand“. Und gleich in der Nähe gibt es laut eines anderen Bürgers ein Lokal, das durch Schlägereien und sonstige Unannehmlichkeiten auffalle. Trotzdem waren sich alle darin einig, dass sich in den letzten zehn Jahren in der Stiftsstadt Vieles zum Positiven gewendet habe. Nicht zuletzt dank der aktiven Stiftsstadtfreunde mit rührigen Leuten wie Vize-Chef Michael Schuster oder auch Schriftführerin Silvia Bohlinger. Einer aus der Vorstandschaft, Schatzmeister Rudi Rüppl, wurde mit viel Beifall und Lobesworten verabschiedet. Er hatte nach zehn Jahren sein Amt zur Verfügung gestellt – für ihn wird nun die einstimmig gewählte Iris Rudolph-Sencar die Kasse verwalten.

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