Der Eindruck täuscht nicht

Vor allem nass war er. Das ist zumindest der Eindruck, den der Sommer 2010 hinterlassen hat. Ist das aber auch tatsächlich so oder täuschen die Gefühle? Offenbar nicht, glaubt man dem Kemptener Wasserwirtschaftsamt. Das hat den Sommer im Allgäu statistisch unter die Lupe genommen und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass seit acht Jahren in keinem Sommer die Flüsse so oft angestiegen sind wie heuer.

Die Hochwasservorhersagezentrale Iller/Lech am Wasserwirtschaftsamt Kempten hatte in diesem Sommer mit seinen vielen plötzlichen Stark- und Dauerregen viel zu tun: 24-stündiger Bereitschaftsdienst oder häufige Einsätze am Wochenende waren im Zeitraum von Mai bis August keine Seltenheit. Die Auswertung von ausgewählten Flusspegel hat nun ergeben, dass im Vergleich mit den zurückliegenden acht Jahren im Sommer 2010 ungewöhnlich oft die Meldestufe an den Pegeln erreicht wurde. So stieg die Iller in Kempten seit Juni gleich dreimal in den Bereich der Meldestufe 2. Das bedeutet, dass anliegende Äcker und Wiesen überflutet und der Verkehr auf den betroffenen Straßen behindert wurden. In den acht Jahren zuvor hatte der Fluss diese Stufe insgesamt nur zweimal überschritten. Außerdem kamen heuer noch zahlreiche kleinere Hochwasserspitzen hinzu. Am Pegel Immenstadt im oberen Einzugsgebiet der Iller registrierten die Experten fünfmal einen Wasserabfluss von mehr als 240 Kubikmetern pro Sekunde. „Was im Betrachtungszeitraum sonst nur höchstens einmal im Jahr vorkam“, heißt es im Wasserwirtschaftsamt. Dabei konnte der Flutpolder Wiedachwiesen, der seit seiner Einweihung in 2007 auf seinen ersten Einsatz gewartet hatte, gleich mehrmals zur Kappung der kleinen Hochwasserspitzen herangezogen werden. Trotz der Häufung von Vorfällen blieben in diesem Jahr alle Hochwässer an der Iller im Bereich kleinerer Ereignisse, die darüber hinaus durch die zahlreichen Hochwasserschutzmaßnahmen zurückgehalten oder gemindert werden konnten. Größere Schäden in Ortsbereichen betrerffen vor allem den Landkreis Lindau. Weitere Schäden entstanden nach Einschätzung der Experten vom Wasserwirtschaftsamt insbesondere für die Landwirte. Vor allem zwischen Sulzberg und Waltenhofen musten die Bauern durch die Überflutung ihrer Flächen Einbußen beim Ertrag hinnehmen. Nach Einschätzung der Behörde dürften die Hochwaserrisiken zum Herbst und mit sinkender Schneefallgrenze wieder nachlassen.

Auch interessant

Meistgelesen

Bauchtanz, Ballett und Bastelei
Bauchtanz, Ballett und Bastelei
Babys der Woche im Klinikum Kempten
Babys der Woche im Klinikum Kempten
Mit dem Kreisboten die besten Sommerferien aller Zeiten erleben
Mit dem Kreisboten die besten Sommerferien aller Zeiten erleben
Indien trifft Allgäu
Indien trifft Allgäu

Kommentare