Ein Kaufhaus in der Altstadt

Eine alternative Einkaufsmöglichkeit für diejenigen mit schmalem Geldbeutel

Claudia Lang, Chefin im D+W Kaufhaus und ehrenamtliche Mitarbeiterin Gitta Strobel.
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Claudia Lang (links) ist seit sieben Jahren Chefin im D+W Kaufhaus. Zeiten wie diese haben weder sie noch ihre langjährige ehrenamtliche Mitarbeiterin Gitta Strobel (rechts) je erlebt.

Kempten – Die täglichen Warteschlangen beweisen: Längst ist das D+W Kaufhaus in der Altstadt in den Köpfen der Menschen als alternative Einkaufsmöglichkeit angekommen.

15 Jahre gibt es das Gebrauchtwarenkaufhaus schon. „Junge Menschen, vornehmlich Studenten, kommen ebenso zu uns wie Familien und Alleinerziehende oder Ältere, die vielleicht nicht so viel Geld im Portemonnaie haben“, erzählt dazu Claudia Lang, seit sieben Jahren „Chefin“ in dem Gebrauchtwaren-Kaufhaus der Diakonie Kempten Allgäu. Und selbst die, die nur getragene Kleidung oder aussortierte Haushaltswaren abgeben wollen, nutzen die Gelegenheit zum Stöbern. Denn dafür ist das Kaufhaus bekannt. Und wer im Sommer schon mal eine der legendären Modenschauen des D+W Kaufhauses beim Altstadtfest erlebt hat, kann Langs Aussage nur bestätigen: „Die Qualität unserer Waren hat sich herumgesprochen!“ „Wir geben nur ordentliche Ware weiter, überprüfen jedes Teil, was zu uns gebracht wird“, informiert Lang. Allerdings kommt es in letzter Zeit öfter vor, dass nicht mehr brauchbare Schuhe, kaputte Kleidung abgegeben werden.

„Für uns bedeutet das einen erheblichen Mehraufwand, die Schuhe müssen beispielsweise in der Müllverbrennung entsorgt werden. Das kostet Zeit, Geld – und ist nicht immer angenehm.“ Nur sechs Kunden dürfen sich derzeit gleichzeitig auf dem rund 330 Quadratmeter großen Areal aufhalten. Nur mit Maske und nach dem Desinfizieren der Hände dürfen die Kunden hinein. „Wenn jemand ohne Maske kommt, darf ich von meinem Hausrecht Gebrauch machen.“ Hat jemand seine Maske vergessen, bekommt er eine zur Verfügung gestellt. Auch sind die Öffnungszeiten reduziert. Das wirke sich auch auf die Einnahmen aus. Kleidung, Spielsachen, Kinderwägen, Bettwäsche, Handtücher, Wolldecken, Haushaltsartikel – all das gehört zum Sortiment des D+W-Kaufhauses, das l i e b e v o l l auch das „ e i n z i g e K a u f h a u s der Altstadt“ g e n a n n t wird oder auch „mein Lichtblick für den kleinen Geldbeutel“.

Denn für Personen bzw. F a m i l i e n mit geringem Einkommen, die zum Beispiel Alg II, Wohngeld oder Sozialhilfe erhalten, gibt es eine Diakonie-Club-Karte, mit der sie 50 Prozent Rabatt auf die Mehrzahl der Waren erhalten. Studenten und Schüler erhalten mit ihrem Studenten- oder Schülerausweis Rabatt. Claudia Lang organisiert auch ihre 50 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der Zusammenhalt ihrer Gruppe ist ihr sehr wichtig und wertvoll. Aktuell sehen sich die Frauen und Männer kaum, zu jeder Öffnungszeit wechselt die Gruppe der Helfer. Diese bleiben in sich zusammen.

„Bei uns arbeiten sehr viele ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger. Da haben wir nochmal eine besondere Sorgfaltspflicht. Viele Ehrenamtliche und Stammkunden haben inzwischen eine persönliche Bindung aufgebaut. Das heißt, manche Kunden kommen auch zum Ratschen vorbei. „Das müssen wir zurzeit leider begrenzen, damit auch andere unser Kaufhaus betreten können“, so Lang. „Fast alle Ehrenamtlichen arbeiten trotz der aktuellen Situation mit.“ Lang ist stolz auf ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Gern hätte sie noch ein oder zwei mehr männliche Helfer, die „zupacken“ können. „Ohne unsere Ehrenamtlichen würde dieses Kaufhaus nicht funktionieren.“ Geöffnet ist das D+W Kaufhaus, St. Mang-Platz 14, von Montag bis Donnerstag, 10 bis 13 Uhr; Montag, Mittwoch und Freitag, 14 bis 17 Uhr. Die Sachspendenannahme erfolgt über die Illerstraße 17, nur Montag bis Donnerstag von 10 bis 13 Uhr und Freitag von 14 bis 17 Uhr.

mori

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