Eine andere Premiere

Neuer Eigenbetrieb Stadttheater stellt erstmals Wirtschaftsplan vor

Silvia Armbruster künstlerische Leiterin Theater in Kempten.
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Silvia Armbruster

Kempten – Seit der Wiedereröffnung im Jahr 2007 war der Kemptener Messe- und Veranstaltungsbetrieb (KBV) Eigentümer des Hauses, Arbeitgeber des technischen Personals und für die Einmietung sämtlicher Veranstaltungen zuständig – auch die des Theaters in Kempten (TiK) (siehe Artikel Kreisbote vom 2. Mai 2020). Nach einstimmigem Beschluss des Stadtrates wurde die Sparte Stadttheater seinerzeit in einen neu gegründeten Eigenbetrieb Stadttheater Kempten eingegliedert. Der Eigenbetrieb blieb weiterhin in der Verwaltung, aber die Leitung erfolgt künftig in „Personalunion“ durch die Künstlerische Leiterin des TiK Silvia Armbruster.

Diese durfte also jetzt erstmalig ihren Wirtschaftsplan für das Jahr 2021 im Haupt- und Finanzausschuss vorstellen. Der Eigenbetrieb umfasst die Immobilie, die Technische Ausstattung und das technische Personal. Sie lege großen Wert auf den bewussten Umgang mit Geldern, sagte Armbruster, machte aber zugleich deutlich, dass die Einnahmen auf Schätzungen beruhen, die sich durch Corona in Schall und Rauch auflösen können. In so einem Jahr wie diesem sei ein Wirtschaftsplan „wie stochern im Nebel“.

Derzeit sind alle Veranstaltung wieder untersagt. Davor konnten laut Armbruster maximal 150 Personen ins Theater eingelassen werden und damit deutlich weniger als die normalerweise knapp 550. Zugleich seien steigende Aufwendungen zu verzeichnen. Unter anderem sei die Kellerabdichtung fällig, die notwendig ist, um das Eindringen von Wasser bei Iller-Hochwasser zu verhindern. Zu den Kosten konnte Armbruster allerdings noch nichts sagen, nur so viel, „es ist, glaube ich, nicht billig“. Ein weiterer Punkt ist die Auslagerung von Gerät und Material in die Artilleriekaserne was mit Kosten in Höhe von 50.000 Euro pro Jahr verbunden ist. Das Auslagern sei erforderlich, da im Theatergebäude für die Mitarbeiter keine ausreichend große Bürofläche zur Verfügung stehe und man die eigentliche Lager- in Büroflächen umgewandelt habe.

Auch ein Transporter musste angeschafft werden, Kosten: 22.000 Euro. Dennoch geht Armbruster im vorgestellten Wirtschaftsplan vom Normalzustand aus, wobei der Zuschussbedarf durch die Stadt derzeit kaum vorhersagbar sei. Sie versicherte aber, dass trotz Corona kein höherer Zuschuss notwendig werde. „Ich werde alles tun, um das zu verhindern.“ Für 2021 sind rund 1,54 Millionen Euro aus dem städtischen Haushalt für das Theater eingeplant. Armbruster plant noch Zuschüsse aus dem Hilfsprogramm für Kulturveranstaltungen für jede ausgefallene Veranstaltung zu beantragen sowie für Veranstaltungen, die aufgrund der Coronabeschränkungen nur im begrenzten Umfang besucht werden durften und dürfen.

Damit die Kulturinteressierten bei erneuten Schließungen nicht leer ausgehen, möchte Armbruster sogenannte Hinterhof- oder Vorgartenkonzerte anbieten, was sie, in Anlehnung an den „Kulturlieferdienst“, den das Kulturamt bereits kurz nach Beginn der Corona-Pandemie etabliert hat, als „Kulturlieferdienst live“ vorstellte. Dafür sollen Interessierte online ein bis zwei MusikerInnen für ein 15-minütiges Konzert in ihrem Garten oder Hinterhof anmieten können, „analog zu den Balkonkonzerten“ in Italien, „die wir erlebt haben“.

Wie TiK-Pressesprecherin Nicole Schönmetzer im Nachgang auf Anfrage des Kreisboten angab, „befindet sich das Projekt noch in der Entwicklung“, habe auch noch keinen Namen und sei auch nicht eingebettet in das Angebot des Kulturamtes. Organisieren soll es das Theater in Kempten. Näher vorstellen will Armbruster das von der Kulturbeauftragten des Stadtrats, Annette Hauser-Felberbaum (FWÜP), „inspirierte“ Projekt dann Anfang kommenden Jahres. Am Ende von Armbrusters Vortrag erkundigte sich Andreas Kibler (FW-ÜP), ob das von Hauser-Felberbaum angeregte Theaterfestival bereits im Zuschussbetrag der Stadt eingepreist sei, was die Tik-Leiterin verneinte.

Wie sie betonte, sei sie für die über den Winter laufende Theatersaison zuständig und regte deshalb an, ein das Theaterfestival möglicherweise beim „Märchensommer“ auf der Burghalde zu verorten und wie den Märchensommer beim Amt für Tourismus zu verorten. So könnten am Abend dann im Anschluss an die Tagesveranstaltung verschiedene Aufführungen stattfinden. Die Kosten würden damit nicht auf den Eigenbetrieb Theater entfallen, sondern auf die Sparte Tourismus.

Helmut Hitscherich/Christine Tröger

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