Von Fräuleins, Frauen und Feminismus

"HE, FRÄULEIN!"

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Das Titelbild der Ausstellung „HE, FRÄULEIN“, die ab 9. Juni in Kempten zu sehen ist.

Fast ein halbes Jahr, nämlich vom 9. Juni bis zum 30. November 2018, wird der Börsensaal des Kemptener Kornhauses noch einmal mit einem spannenden Thema belebt, das eine gesellschaftliche Zukunftsfrage verhandelt.

Mit der von Ursula Winkler kuratierten Ausstellung „HE, FRÄULEIN!“ und einem üppigen Rahmenprogramm wird das Allgäu-Museum würdig verabschiedet. Dr. Christine Müller Horn, Leiterin der Kemptener Museen, spricht von einem „Knüller für alle Zielgruppen“.

Der Grundstock der Ausstellung kommt aus Memmingen, über die Hälfte der Exponate, Familienfotos, politischen Plakate etc. stammen jedoch aus Kempten. Der Ausstellungstitel bezieht sich auf die bis in die 1980er Jahre übliche Bezeichnung für eine ledige Frau, unabhängig von ihrem Alter. Er drückt eine gewisse Geringschätzung aus und zeugt von gesellschaftlichen Zwängen. „Hello Frollein!“ waren auch die ersten deutschen Worte, die amerikanische Soldaten in der Besatzungszeit lernten.

Der Themenbogen dieser Schau ist weit gespannt. Es geht um Fragen wie: „Seit wann dürfen Frauen Sport machen?“, „Seit wann kurze Hosen tragen?“, „Bis wann galt das sogenannte Lehrerinnenzölibat?“. Es werden Klischees von Männlichkeit und Weiblichkeit durchleuchtet und dargestellt, wie die dienenden Berufe – Bürofräulein, Service- und Pflegekräfte – aus der sogenannten „natürlichen Bestimmung der Frauen“ hervorgegangen sind. Das traute Heim – Stichwort Küche, Schürze, Nippes, die ideale Hausfrau – wird hinterfragt, auch Mode und Schönheit – Bikini, Dauerwellenmaschine – werden eine Rolle spielen. Interessante Einblicke in die Frauengeschichte bieten die Themen Mutterschaft – Muttertag, Mutterkreuz, § 219 – und Frauen in der Politik – die „Kempt’ner Frauenliste“. Und schließlich der Ausblick nach 100 Jahren Frauenwahlrecht: Ist Feminismus heute überholt und die #MeToo-Debatte übertrieben?

Das Begleitprogramm, von Nicole Schönmmetzer verantwortet, verspricht einen höchst abwechslungsreichen Sommer und Herbst. Kuratorin Winkler führt mehrmals durch die Ausstellung, es gibt Vorträge, eine Lesung, Theater, Workshops für Kinder, fünf spannende Filme im Colosseum und last not least ein zur „Fräulein-Bar“ umgestaltetes Café Arte. Für die Lesung „Wenn Fräuleins auf Bäume klettern“ mit der Journalistin Barbara Sichtermann aus der älteren Generation und der jüngeren feministischen Autorin Julia Korbik am 4. Oktober gibt es bereits Karten in der Buchhandlung „Lesezeichen“ am Rathausplatz.

Der Tag der Senioren, am Samstag 13. Oktober im Kornhaus, wird angereichert mit einem Gespräch unter den Motto „Fröhliche Fräulein – lustige Witwen!?“

Das Open Air Picknick-Konzert im Stadtpark am 23. Juni soll das Glanzlicht werden. Sicher ist, dass die „Kleingeldprinzessin“ Dota Kehr auftreten wird. Über fünf Stunden ist die Bühne aber auch und vor allem für Allgäuer Musikerinnen reserviert. Künstlerhaus e. V. und Kulturamt Kempten rufen Musikerinnen auf, sich ab zwischen 1. und 31. März dafür zu bewerben.

Informationen zur Ausstellung und zum Begleitprogramm gibt es auch im Internet unter www.kempten.de/ausstellungen und auf Facebook unter facebook.com/hefraeulein

Für Konzert bewerben

Allgäuer Musikerinnen, die Solo oder als Band beim Picknick-Konzert auftreten möchten, können sich den ganzen März über per E-Mail bewerben (hefraeulein@gmail.com) und dazu Links zu Hörproben, Künstlerfotos und Kurzbeschreibungen einreichen. Eine Jury wird bis Ende April entscheiden, wer am 23. Juni 2018 um 17 Uhr im Stadtpark auftreten darf.

Elisabeth Brock

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