Für eine bessere Kemptener Zukunft

Kulturübergreifende Gespräche gab es bei kulinarischen Leckereien in der Pause am türkischen Buffet. Foto: Tröger

Mit einer Reihe von Angeboten engagiert sich der Kemptener Verein „Allgäuer Bildungszentrum e.V.“ für bessere Bildung und Integration sowie im Bereich Wirtschaft. Unter dem Titel „Wie können wir die Zukunft in Kempten besser gestalten?“ setzte der Verein in einer Vortragsveranstaltung an der Hochschule den Schwerpunkt auf den „Verfall ethischer Werte“. Bildung war hier ein Begriff, den OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) in seinem Grußwort im Visier hatte, die er „nicht nur für die Wirtschaft, sondern auch für die Teilnahme an der Gesellschaft“ als „entscheidenden Faktor“ sah.

Für den Präsident der Kemptener Hochschule, Prof. Dr. Robert F. Schmidt, lag ein Baustein zu einer besseren Zukunft in mehr internationalem Austausch, den er deshalb an der Hochschule „noch weiter intensivieren will“. Dass Schulbildung allein nicht reicht, betonte Thomas Baier-Regnery in seinem Vortrag. Er kritisierte zudem, dass das schulische Lerner „noch sehr auf Leistungskonditionierung ausgerichtet ist“, ungeeignet dafür, langfristiges Wissen zu generieren. Zwischen 1995 und 2009 sei in Bayern ein stark nachlassender „Run“ auf Hauptschulen zu verzeichnen, dafür ein Anstieg bei Realschulen und Gymnasien sowie „immer attraktiver“ werdende Privatschulen, belegte er statistisch. Auffällig seien deutlich mehr Mädchen als Jungen in Realschulen oder Gymnasien zu finden. „Ganz auffällig ist es im Förderbereich“, wo von den 64 Prozent Jungen und 36 Prozent Mädchen insgesamt nur 16 Prozent auf Jugendliche mit Migrationshintergrund entfielen. Da auch bei Legasthenie oder Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom die Jungen stärker betroffen seien, müsse man „beim Lernen geschlechterspezifischere Formen finden“. Als Vision auch gegen vorzeitige Schulabbrecher nannte er „Inklusion“, also eine „Schule, die für alle möglich ist“, statt Integration, die letztendlich „bedeutet, dass vorher jemand ausgegliedert war“. Kein unendliches Wachstum Nachhaltigkeit war für Dipl. Sc. Pol. Univ. M.A. Ingmar Niemann, Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Außenpolitik e.V., Baustein für eine bessere Zukunft. Denn vor allem in Punkto „Umwelt, Ökonomie und Gesellschaft“ gebe es offensichtlich kein unendliches Wachstum. Nur eine „Win-Win-Situation“ bei der beide Seiten profitieren, sei wirklich nachhaltig. Probleme durch den demographischen Wandel sah er weniger für Deutschland als „für die Länder an der Ostgrenze der EU“, wo die Wirtschaft nicht wachsen werde und deshalb viele Menschen weggehen würden. Mit der wachsenden Erdbevölkerung bei gleichzeitigem zur Neige gehen der Ressourcen „haben wir ein Problem, das sich nur lösen lässt, wenn wir anders wirtschaften“, mahnte Niemann. Globale Bildung und Fremdsprachen waren für ihn wichtige Zukunftsfaktoren. Eine philosophische Betrachtung „ethischer Komponenten des Handelns“ erhielten die vorwiegend Zuhörer mit türkischem Migrationshintergrund von M.A. Thomas Heichele von der Universität Augsburg. Um Entscheidungen in einer gut funktionierenden Gesellschaft zu treffen, müsse man sich im Klaren sein, „was Gegenstand Ihrer ethischen Betrachtung ist“. Denn was, wenn eine Lüge zum Beispiel einen Mord verhindere? Auch gelte es unter anderem zu überlegen, ob die „Folgen Ihrer Entscheidung reversibel sind“, oder ob diejenigen, die von den möglichen Folgen betroffen sein werden, „meine Entscheidung mittragen oder dagegen sind“. Für den Abgeordneten des Europäischen Parlaments, Ismail Ertug, war das „Gerechtigkeitsempfinden ganz wichtig, wie wir uns in der Welt aufstellen“. „Einheit in Vielfalt ist der Schlüssel zum friedlichen Miteinander“, lobte er die zentrale Bedeutung von Nachhaltigkeit und Ethik in der Arbeit des Allgäuer Bildungszentrums. Integration habe „mit der Gesellschaft zu tun in der man lebt, von der man profitiert und an die man etwas davon zurückgeben will“.

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