Stadttheater mit Stadtrat

Eine "gesichtslose" Sitzung auch ohne Masken

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Kempten – Eine laut OB Thomas Kiechle „besondere Sitzung“ war die des Stadtrats vergangenen Donnerstag nicht nur wegen der von ihm genannten zwei Punkte: einmal der Ort, denn wegen des coronabedingt erhöhten Platzbedarfs

konnte die Sitzung nicht wie gewohnt im großen Saal des Rathauses durchgeführt werden, sondern fand im großen Saal des Stadttheaters (inklusive Bühne) statt; zum anderen weil es für „viele langjährige Stadträte die letzte Sitzung ist“ (am 14. Mai ist konstituierende Sitzung des neuen Stadtratgremiums), die nun „anders als vorgestellt“ und ohne die übliche Abschiedsfeier und Würdigung verlaufe. Das zumindest werde aber zu einem noch unbekannten Zeitpunkt nachgeholt, versprach der OB.

Der ungewohnte Rahmen der „besonderen Sitzung“ in einem für diesen Zweck eher sehr ungeeigneten Raum barg auch eine, sagen wir mal, spezielle Atmosphäre. Der Oberbürgermeister, zur Linken und Rechten gesäumt von Bürgermeisterin und Bürgermeister sowie den Referenten der Stadt, auf der Bühne; die blumengeschmückten (!), im offenen Rechteck angeordneten Tische vor einer großen Medienwand dem Zuschauersaal zugewandt. Von dort blickten die StadträtInnen, gebührend Abstand zueinander haltend, wie Pünktchen über die Sitzreihen im Parkett verstreut, zur Bühne auf. Während die „Bühnenakteure“ allesamt maskenfrei blieben, waren einige wenige RätInnen mit Mund-Nasen-Schutz ausgestattet, der allerdings im Verlauf der – nicht öffentlicher Teil mit eingerechnet – gut siebenstündigen Sitzung (davon fünf Stunden öffentlich) nicht mehr so ganz korrekt unter der Nase saß oder auch mal ganz verschwand. 

Da es sich beim Tragen des Schutzes um Freiwilligkeit handelt und im Übrigen die Abstandregeln mehr als gewährleistet waren, kein Problem. Ein Problem war da schon eher die während der Sitzungen sonst gern gepflegte Kommunikation der Räte untereinander. Diesmal mussten die Sachvorträge oder Redebeiträge in Punkto Aufmerksamkeit der Gremiumsmitglieder nur mit Tablets & Co. konkurrieren. Immerhin waren diese „Konkurrenten“ im Handling eindeutig einfacher als es mit den Unterlagen in Papierform war, so ohne Tisch oder Ablagefläche. Ein Problem, mit dem sich auch die Vertreter der Presse konfrontiert sahen, die ihre Plätze auf dem Balkon einnehmen durften. Das verschaffte zwar einen netten „Draufblick“ aber keinen Überblick, da manche Ratsmitglieder unter dem Balkon saßen. 

Auch war es so unmöglich die Minenspiele der Zuhörenden zu verfolgen – ein echtes Manko. Zwei „Maskierte“ sorgten im teilweise nur „schummrig“ beleuchteten Parkett mit an langen Stangen befestigten Mikrofonen dafür, dass sich jedes Gremiumsmitglied auch hörbar zu Wort melden konnte. Auf den Rängen saß versprenkelt das – anders als bei Theateraufführungen oder Konzerten – überschaubare, dennoch für Stadtratssitzungen erstaunlich zahlreiche Publikum. Alles in allem eine sehr gewöhnungsbedürftige Lösung, an die man sich gar nicht gewöhnen möchte. 

Christine Tröger

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