"Eine Halle für Alle"

Von der Tierzuchthalle zum Kulturquartier und neuem Szene-Treffpunkt?

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Als Gesprächsgrundlage für die Entwicklung des Areals Allgäuhalle ist Thomas Wirth mit dieser Vorplanung an die Stadt herangetreten.

Kempten – Es ist bereits sein zweiter Vorstoß mit einer Nachnutzungsidee für die Allgäuhalle bei der Stadt, sagt Projektentwickler Thomas Wirth im Gespräch mit dem Kreisboten. Und auch jetzt, mit einem bereits handfesten Konzept als Gesprächsbasis, ist er nicht der einzige Interessent mit Ideen für das Gebäude. Bekanntlich will die Herdebuchgesellschaft in der zweiten Jahreshälfte 2022 aus dem auch als Tierzuchthalle bezeichneten Gebäude nach Unterthingau ziehen.

Der Unterschied zu den anderen Bewerbern: Wirth hat bereits umfangreiche Vorarbeit geleistet und sucht sowohl bei den Entscheidungsträgern als auch in der Öffentlichkeit Unterstützung für das, was ihm für das innerstädtisch zentral gelegene Areal vorschwebt: ein alternatives, nicht-kommerzielles Kulturquartier. Das Kulturzentrum jenseits des Mainstreams soll frei von städtischem Einfluss Raum schaffen für alles, was durch das vorwiegend städtische, hochkulturelle Angebot nicht abgedeckt wird, die Allgäuhalle an sieben Tagen die Woche mit einem Nutzungsmix zur „Halle für Alle“ werden und das gesamte Areal zum belebten Ort und Szene-Treffpunkt nicht nur für Kemptener, sondern für alle Allgäuer. Und: Wirth hat nicht nur Allgäu- und Kälberhalle im Visier. Sein Blick umschließt auch das ehemalige Gebäude der Zulassungsstelle sowie den Außenbereich und derzeitigen Parkplatz, der das Kulturzentrum durch eine attraktive Freifläche mit einem Neubau in Holzbauweise ergänzen könnte. Auch wenn sein Konzept schon recht konkret klingt, will Wirth es lediglich als Gesprächsgrundlage verstanden wissen, wie er mehrfach betonte.

Für seine Vision hat er eine Machbarkeitsstudie von der Zeppelinuniversität in Friedrichshafen für die Allgäu- und die Kälberhalle anfertigen lassen, mit verschiedenen Kulturschaffenden gesprochen und mit seinem „Lieblingsarchitekten“. Die Allgäuhalle setzt sich aus zwei Gebäudeteilen zusammen: der Allgäu- und der Kälberhalle, die unter Ensembleschutz stehen, das Äußere der Allgäuhalle zudem unter Denkmalschutz, was äußere Baumaßnahmen an den Gebäuden ausschließt.

Die Bestandteile des Konzepts gliedern sich in sechs Teile. Circa 700 Quadratmeter stehen in der Allgäuhalle als zentraler Punkt und Eye-Catcher des Areals für Veranstaltungen von Konzerten bis zu Independent-Filmen und viel mehr zur Verfügung. In der Kälberhalle schwebt Wirth eine Skate- & Bikehalle vor, die an den bereits Interesse bekundenden Rollsportverein Allgäuer Trockenschwimmer vermietet werden soll. Das dürftige Kemptener Angebot an Szenetreffs, Bars und Cafés will Wirth als weitere Säule mit Innen- und Außengastronomie bereichern. Weitere Bestandteile des Konzepts sind Ausstellungsflächen, Werkstätten und Proberäume für Musikkapellen, Bands und/ oder Theatergruppen etc. sowie eine Dokumentationsfläche für die NS-Vergangenheit der Allgäuhalle als Außenlager des KZ Dachau.

Mit Blick auf die Fahrradstadt Kempten ist auch eine Fahrradselbsthilfewerkstatt angedacht, was die Caritas laut Wirth gerne als Inklusions-Fahrradwerkstatt betreiben würde. Als derzeitiger Mieter in der Allgäuhalle sollen die Streetworker auch weiterhin dort bleiben. Zudem würde Wirth dem Haus International (HI) gerne eine neue Heimat geben, da es „in einem Gebäude ist, das vorn und hinten baufällig ist“. Für die dafür anfallenden Sanierungskosten könnte man seines Erachtens das HI hier in einem Neubau unterbringen, es könne die Veranstaltungsräume mitnutzen und die Freifläche sei wunderbar geeignet für beispielsweise das Fest International. Auch an weiteren Ideen mangelt es in Wirths Konzept nicht, dass eine Kulturoase mitten in der Stadt anstrebt. Dabei soll das Angebot so kostengünstig sein, dass es für Kemptener Veranstalter wie Nutzer machbar ist und sowohl Bands, Laientheatergruppen & Co. bezahlbare Auftritts-/Ausstellungsmöglichkeiten, Probe-/Atelierräume erhalten, und sich eine alternative Publikumsszene durch alle Altersklassen entwickeln kann.

Aber wie soll das auch finanziell gelingen? „Es kann nur über eine gGmbH funktionieren“ ist Wirth überzeugt. Durch Überschüsse aus dem Gastro- und Veranstaltungsbereiche könnten so die defizitären Bereiche bezuschusst werden.

Als Konkurrenz zu bestehenden Kulturangeboten sieht Wirth sein Konzept nicht. So führe die benachbarte Big Box ausschließlich „voll kommerzielle“ Veranstaltungen durch, die Burghalde werde nur partiell und nur im Sommer bespielt und das Kulturquartier richte sich an ein vollkommen anderes Publikum als das jetzt „schnieke“ sanierte Kornhaus. Am ehesten sieht er Gemeinsamkeiten zum Künstlerhaus, das aber nur einen Bruchteil der geplanten Angebote abdecke. 

Die Kosten

Zu erwarten ist laut Wirth eine einmalig hohe Investition für den Umbau und die Realisierung, wobei er hier vor allem den Verpächter, respektive die Stadt, in der Pflicht sieht. Potentielle Förderquellen sieht er dafür reichlich. Die laufenden Kosten sollen durch Ticketverkäufe, Miet- und Pachteinnahm etc. bestritten werden. Auch ein Förderverein ist für Wirth denkbar, vergleichbar mit dem Förderverein Roxy Ulm e.V..

Wie Wirtschaftsreferent Dr. Richard Schießl auf Anfrage sagte, gibt es „mindestens noch zwei Interessenten mit recht konkreten Vorschlägen“, die alle in Richtung Kultur zeigten. Zunächst soll aber eine Fragebogenaktion bei Vereinen, Schulen, Start-Ups, Veranstaltern etc. aufzeigen, in welche Richtung es gehen sollte. Zudem habe die Herdebuchgesellschaft den Vertrag bislang noch gar nicht gekündigt.

Christine Tröger

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