"Eine Liebe stark wie Eisen"

Evamaria und Horst F. Kaufhardt feiern Eiserne Hochzeit

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Stark und unbeugsam wie Eisen ist die Liebe der beiden Eheleute. Die zweite Bürgermeisterin Sibylle Knott gratulierte Evamaria und Horst F. Kaufhardt im Namen der Stadt Kempten zur Eisernen Hochzeit.

Kempten – Als Evamaria Kaufhardt im Frühjahr 1953 auf einer Geschäftsreise in Frankfurt am Main war, ahnte sie nicht, dass sie in dieser Stadt die Liebe ihres Lebens kennenlernen würde. In einem Café in der Kaiserstraße sahen sich Evamaria und Horst F. Kaufhardt das erste Mal. „Es funkte gewaltig“, erinnern sich die beiden Jubilare. Sie fühlten sofort, „hier bahnt sich etwas für die Zukunft an“. Am vergangenen Freitag feierten die beiden Eiserne Hochzeit – 65 gemeinsame Jahre. „Ich bin eine glückliche Frau, ich habe den besten Ehemann, den es gibt“, sagt Evamaria Kaufhardt strahlend

Bereits vier Monate nach ihrem Kennenlernen bestellten Evamaria und Horst F. Kaufhardt das Aufgebot, erinnert er sich. Doch weil Papiere fehlten, konnten sie erst ein Jahr später, am 26. Juli 1954, heiraten. „In einem schwarz-weißen Kleid mit Bisampelz“, ergänzt Evamaria Kaufhardt stolz. 

Ihre Familie wurde nach Kriegsende 1945 auf ihrem Gut in Markt Brandenburg verhaftet und enteignet. Ihr Stiefvater landete im Konzentrationslager Sachsenhausen und ihre Mutter wurde von den Russen zu 15 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Sie starb mit 42 Jahren in der Lagerhaft, erinnert sich Evamaria Kaufhardt. Auch sie musste mehrere Jahre zwangsweise in einem Lager verbringen. Ihre Kindheit war geprägt von Strenge und Disziplin. 

Ihr großes Vorbild war ihre Großmutter, die sie vergöttert habe. Im Alter von 23 Jahren, mittlerweile Besitzerin einer Parfümerie, lebte Evamaria Kaufhardt in Berlin. 

Bereits kurz nach der schicksalhaften Begegnung in dem Frankfurter Café im Jahr 1953 folgte sie ihrem Horst nach Frankfurt am Main. Horst F. Kaufhardt, der drei Jahre älter ist als seine Ehefrau, wurde im Oktober 1945 als dienstunfähig aus der US-amerikanischen Kriegsgefangenschaft in seine Heimatstadt Duisburg entlassen. 

Seine Familie war 1944 zweimal ausgebombt worden, erzählt er. Erst nach längerer Suche fand er sie als Evakuierte in der Gegend von Paderborn wieder. Er absolvierte eine Ausbildung als Industriekaufmann und wurde nach der Währungsreform Dolmetscher am Militärgericht der 6. Englischen Panzerdivision. Im Jahr 1950 zog er nach Frankfurt am Main und wurde Einkäufer bei US-amerikanischen Unternehmen. 

Im Jahr 1954 machte sich das frischvermählte Paar selbständig, angefangen mit Finanzierungen und Versicherungen, Ex- und Importmanagement, Börsengeschäfte, Bau, Vermietung und Verwaltung von Immobilien. „In den ersten sieben Jahren gab es für uns nur die Arbeit, keine Freizeit und auch keinen Urlaub“, erinnert sich Horst F. Kaufhardt. 

1976 dann der Umzug ins Allgäu, bedingt durch eine ärztlich dringend angeratene Klimaveränderung für Evamaria Kaufhardt. „Anschluss in der neuen Umgebung zu finden, war sehr schwierig“, erzählt der Jubilar. Doch gemeinsam und durch ihren engen Zusammenhalt konnten sie auch diese Veränderung meistern. 

Seit fast 40 Jahren leben sie nun in Kempten St. Mang und fühlen sich sehr wohl hier. Die vielen Urkunden an den Wänden erzählen von einer ihrer großen Leidenschaften – ihren Dackeln, mit denen sie durch ganz Europa gereist sind und zahlreiche Wettbewerbe gewonnen haben. 

Viele weitere gemeinsame Interessen bereicherten ihr Zusammenleben, wie etwa das Golfspielen und ihre Liebe zu Spanien. „25 Jahre verbrachten wir jeden Sommer auf unserer Oliven- und Mandelfinca in Spanien“, erinnert sich Horst F. Kaufhardt. Doch gesundheitliche Einschränkungen lassen eine Reise nach Spanien nicht mehr zu, die Finca musste verkauft werden. Heute genießt das Ehepaar sein gemütliches Zuhause im Allgäu. „Wir sind zufrieden mit unserem Leben und dankbar für die vielen gemeinsamen Jahre“, sagen die Eheleute wie aus einem Munde.

Christine Reder

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