Aufstockung

Das Kemptener Frauenhaus bietet künftig mehr Plätze

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Kempten/Landkreis – In einer Sitzung vom Ausschuss für soziale Fragen Mitte Oktober beschloss das Gremium einstimmig eine Ausweitung des Kemptener Frauenhauses von fünf auf sieben Plätze, die Übernahme der Betriebskosten und die Übernahme der Personalkosten zu 50 Prozent.

Das 1989 gegründete Frauenhaus unter der Trägerschaft des Vereins „Frauen helfen Frauen“ ist recht beengt und machen eine Erweiterung dringend nötig. Von dieser Situation konnte sich Thomas Baier-Regnery vom Referat Jugend, Schule und Soziales der Stadt Kempten vor Ort selbst überzeugen. So sei insgesamt die Nachfrage von schutzbedürftigen Frauen zurückgegangen, allerdings sei die Zahl der Übernachtungen und die Verweildauer gestiegen, berichtete Baier-Regnery im Ausschuss für soziale Fragen. 

An das Frauenhaus, das in einer Haushälfte in zwei übereinanderliegenden Wohnungen untergebracht ist, konnte eine weitere Nachbarwohnung angeschlossen und dadurch zusätzliche zwei Plätze geschaffen werden. Bisher übernahm die Stadt Kempten Personal- und Betriebskosten in Höhe von 123.000 Euro, davon rund 52.000 Euro Personalkosten. Der Freistaat Bayern bezuschusste bislang die Personalkosten mit einer Pauschale in Höhe von 36.000 Euro. Für die Schaffung der zwei zusätzlichen Plätze erhöhen sich die Personalkosten im Frauenhaus auf rund 200.000 Euro. Durch eine im September in Kraft getretene neue Förderrichtlinien erhöht sich der Mitfinanzierungsanteil des Bayerischen Staatsministeriums auf 50 Prozent, d.h. künftig werden 100.000 Euro vom Freistaat übernommen. 

Die weiteren 100.000 Euro teilen sich die Stadt Kempten und der Landkreis Oberallgäu, so dass sich der Zuschussbedarf der Stadt Kempten trotz Aufstockung nicht ändert. Für die zusätzlichen Plätze stimmte auch Stephan Prause (CSU), der die hervorragende Arbeit des Frauenhauses lobte und unterstrich, dass durch einen solchen Ausbau auch aufgrund von Platzmangel abgewiesene Schutzbedürftige die Möglichkeit hätten, dort unterzukommen. Bedauerlich fand es Silvia Schäfer (CSU), dass es Frauenhäuser überhaupt geben müsse und führte an, dass heute der Respekt zwischen Frauen und Männern verloren gehe. Um dem entgegenzutreten, riet sie ein Schulfach einzuführen: „Wie gehe ich mit dem anderen Geschlecht um?“ Erna-Kathrein Groll (Die Grünen) bemerkte, dass es dramatische Situationen immer wieder geben werde, trotzdem wäre ein geschützter Raum mit einer umfassenden Beratung und Wohnraumschaffung ein erster wichtiger Schritt zur Unterstützung. 

Ob es nicht auch Bedarf für schutzsuchende Männer gebe, warf Birgit Geppert (CSU) in die Runde. Da liege die Dunkelziffer sehr hoch, entgegnete Baier-Regnery. Zwischen zwei und fünf Prozent liegen die Zahlen, allerdings seien aus der Region Kempten keine wesentlichen bekannt. Trotzdem müsse das Thema näher beleuchtet werden, so Baier-Regnery. Dass Gewalt in Ehe und Partnerschaft sanktioniert werden müsse, führte Lothar Köster (SPD) an, schließlich wären Frauen benachteiligt. Als Beispiel verwies er auf Frankreich, dort stelle Gewalt in der Ehe bereits einen Straftatbestand dar. 

Tamara Lehmann

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