Eine seriöse Einschätzung ist nicht möglich

Die geplante Podiumsdiskussion über Vor- und Nachteile von Gentechnik in der Agrarwirtschaft im Haus International erfuhr aufgrund der Abwesenheit einer der beiden Referenten, Prof. Dr. Hans Jörg Jacobson, einen Inhaltswechsel. Da die befürwortende Position fehlte und sich auch das Publikum einstimmig gegen die sogenannte „Agro-Gentechnik“ aussprach, wurde die Veranstaltung vielmehr zu einem Informationsabend für Gegner gentechnisch veränderter Nutzpflanzen.

Landtagsabgeordneter Adi Sprinkart, agrarpolitischer Sprecher der Grünen und selbst Ökobauer, nahm seine Einladung zur Diskussion trotz fehlendem Podiumspartner mit Humor. „Es ist zwar bedauerlich, dass der Professor heute Abend nicht hier sein kann, aber die meisten Veranstaltungen führe ich sowieso alleine“, so Sprinkart. Zumindest ein paar wenige Statements des Professors, Leiter des Instituts für Pflanzengenetik an der Uni Hannover, der in Bangladesh festsaß, konnten dank eines vorausgegangenen Telefonats zwischen ihm und der Moderatorin des Abends, Gabriele Dohndorf-Metsch, diskutiert und vom Grünen-Politiker widerlegt werden. Jacobson hatte behauptet, Gentechnik sei eine Errungenschaft im Sinn der Nachträglichkeit. Man könne Energie einsparen, Hungersnöte bekämpfen und brauche weniger Pflanzenschutzmittel. Der Allgäuer konterte darauf, dass „die Natur immer a bissl schlauer“ sei, da sie nach und nach für jedes Spritzmittel eine Resistenz entwickeln würde. Konsequenz: Die Forscher müssen immer neuere Mittel entwickeln. In Bezug auf die Lösung des Hungerproblems durch Agro-Gentechnik verwies Sprinkart auf die starken Preissteigerungen bei gentechnisch verändertem Saatgut. Dieses sei deshalb für die Kleinbauern in Entwicklungsländern einfach zu teuer. Zudem würden 90 Prozent der Gentechnikpflanzen in den Futtertrögen der Industrieländer und nicht als Grundnahrungsmittel enden. Die von Gentechnik-Fans beworbenen Einsparungen bei bestimmten Produktionsverfahren, aktuell zum Beispiel der geringere Energieaufwand für die Papierherstellung mit der „Amflora-Kartoffel“, dementierte der Politiker: „Meiner Meinung nach hat die Amflora-Kartoffell die gleichen Eigenschaften wie eine herkömmliche Knolle, und verschafft demnach auch keine Produktionsvorteile. Mit der Amflora-Kartoffel wollte man nur ein Exempel statuieren. Es musste endlich wieder ein gentechnisch verändertes Produkt zugelassen werden.“ Auf die Prophezeiung des Professors, aufgrund des Klimawandels seien konventionelle Methoden der Schädlings- und Pilzbekämpfung nicht mehr ausreichend und gentechnische Maßnahmen würden hierbei Abhilfe schaffen, antwortete Sprinkart: „Die Pilzvermehrung durch die Temperatursteigerung wird ein großes Problem sein, doch wie auch für alle anderen Probleme, verbunden mit der Klimaerwärmung, werden wir eine gentechnikfreie Lösung finden.“ Keine Langzeiterfahrung Eine große Schwierigkeit im Umgang mit Gentechnik in der Landwirtschaft sah Sprinkart im Mangel an vorgenommenen Langzeitstudien, ohne die sich die Risiken der Gentechnik nicht abschätzen ließen. Er zitierte hierfür den „Weltagrarbericht“: „Es fehlen Ergebnisse und Konzepte zur seriösen Einschätzung der Auswirkungen.“ Selbst die Allianz, die sogar Atomkraftwerke versichert, sehe sich nicht in der Lage, das selbe für gentechnisch veränderte Pflanzen anzubieten, da ihr das Risiko zu hoch sei, scherzte der Grünen-Politiker. Ein weiterer wichtiger Aspekt für ihn ist die Unvereinbarkeit von Gentechnik-Feldern und natürlichen Anbauflächen: „Diese Co-Existenz ist nicht möglich, da der unkontrollierte Pollenflug keine Abgrenzung zwischen denselben erlaubt.“ Schließlich fügte Sprinkart noch hinzu, dass die Patentierungen durch die Betreiber von Agro-Gentechnik die Landwirte zu „Leibeigenen der Gentechnik“ mache, da sie Märkte verlieren würden.

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