"Eine wesentliche Rolle"

Polizeipräsident Hans-Jürgen Memel (rechts) und Karl Heinz Alber, Leitender Kriminaldirektor, bei der Vorstellung der Kriminalstatistik. Foto: Matz

Weniger Straftaten als im übrigen Bayern, dafür eine höhere Aufklärungsquote als die Kollegen im Rest des Freistaats. Das sind die Kernaussagen der Kriminalstatistik des Polizeipräsidiums Schwaben-Südwest für das vergangene Jahr, die Polizeipräsident Hans-Jürgen Memel am Donnerstagnachmittag vorstellte. „Wer in Bayern lebt, lebt sicher“, so Memel, der die niedrigste Zahl an registrierten Straftaten seit zehn Jahren verkünden konnte.

Mit insgesamt 41 232 Straftaten stellten die Beamten von Oberstdorf im Süden bis Neu-Ulm im Norden 508 weniger als 2010 (minus 1,2 Prozent) und so wenige wie seit zehn Jahren nicht mehr fest. Die Aufklärungsquote lag bei 67,2 Prozent (minus 1,2 Prozent) und damit deutlich über dem bayerischen Durchschnitt von 64 Prozent. „Wir haben im achten Jahr in Folge eine Aufklärungsquote von über 65 Prozent“, frohlockte Memel. Die höchste Quote (72,7 Prozent) im Bereich des Präsidiums gelang den Beamten in Kempten, gefolgt von den Kollegen im Landkreis Oberallgäu mit einer Quote von 71,2 Prozent. Spitzenreiter ist Kempten auch, was den Rückgang der Gesamtkriminalität betrifft: Wurden den Beamten 2010 noch 5151 Straftaten gemeldet, waren es im vergangenen Jahr nur 4821. Anhand der Kriminalitäts-Häufigkeitszahl (Kriminalitätsbelastung) lasse sich aber ablesen, dass die Schere zwischen ländlichen Regionen wie dem Allgäu und größeren Städten zunehmend kleiner werde, so Memel weiter. Im Durchschnitt zugenommen hat die Gewaltkriminalität. Insgesamt 1390 Fälle registrierten die Beamten hier (plus 62). Etwa ein Drittel der Täter sind bzw. waren Jugendliche und Heranwachsende. Zunehmend brutaler Auf Kempten entfallen dabei 197 Taten, auf das Oberallgäu 146. 85,6 Prozent der gemeldeten Vergehen konnten aufgeklärt werden. Trotzdem sei erschreckend, mit welcher Gewalt die Täter teilweise vorgehen würden, berichtete Karl Heinz Alber, Leitender Kriminaldirektor. „Sorgen bereitet uns die Brutalität der Täter – da wird noch weiter getreten, selbst wenn der andere schon am Boden liegt“, sagte er. „Oftmals kommt es auch völlig grundlos zu Gewaltausbrüchen.“ Ein Hauptgrund für die Gewaltexzesse sieht Polizeipräsident Memel in der steigenden Promillezahl der Täter. War 2001 noch jeder 10. Täter betrunken, sei es mittlerweile jeder 6., berichtete er. „Alkohol fördert die Aggression. Einsätze gegen Betrunkene sind kein Honigschlecken“, so der Polizeipräsident. Auch die stetig steigende Gewaltbereitschaft gegen seine Beamten führt er vor allem darauf zurück, dass die Täter zuvor zu tief ins Glas geschaut hätten: Bei 70 Prozent der Übergriffe gegen Beamte sei Alkohol im Spiel. „Der spielt dabei eine wesentliche Rolle.“ Im bayernweiten Vergleich sehen sich Memel zufolge die Beamten des Polizeipräsidiums überproportional oft mit Angriffen gegen sich konfrontiert. Zurück gegangen ist hingegen die Zahl der Straßenkriminalitätsfälle. Mit insgesamt 7258 wurden 183 Delikte weniger gemeldet als im Jahr davor. Hauptgrund dafür ist insbesondere der Rückgang bei Sachbeschädigungen. Einen leichten Rückgang verbuchten die Ermittler auch bei den Diebstahlsdelikten. Allerdings konnten von den insgesamt 12 292 Taten lediglich knapp 5000 auch aufgeklärt werden. Wegen der zahlreichen Ladendiebstähle nimmt die Stadt Kempten mit 1532 Delikten auch hier eine Spitzenposition ein. Nichts desto trotz ist die Anzahl der Diebstähle in Kempten auf den niedrigsten stand seit 15 Jahren gesunken. Auf Landkreisebene wird im Kreis Neu-Ulm am meisten gestohlen (2400 Fälle). Im Bereich der Rauschgiftkriminalität zahlt sich die Arbeit der Beamten ebenfalls aus. Hier wurden 2052 Delikte festgestellt – 11,6 Prozent weniger als 2010. Die Zahl der Rauschgifttoten sank im gleichen Zeitraum von 17 auf 14. Allein zwei Drittel der drogenbedingten Todesfälle ereigneten sich in den Kreisen Günzburg und Neu-Ulm.

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