Classix-Festival setzt viele Glanzpunkte

Grandioses Finale

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Die Komposition „Dracula’s Castle“ des Bratschisten Vladimir Mendelssohn (hier Dirigent) ließ die Musiker einmal mehr zur Höchstform auflaufen: (v.l.) Amaury Coeytaux, Katharina Triendl (beide Violine), Harri Mäki, Özgür Aydin (Klavier), Béatrice Muthelet (Bratsche), Petru Iuga (Kontrabass) Jakob Koranyi und Zvi Plesser (beide Violoncello).

Beim Auftakt des 9. Internationalen Classix-Festivals der Kammermusik versprach Organisator Dr. Franz Tröger dem Publikum einen reich gedeckten Tisch mit musikalischen Fundstücken aus Südosteuropa. Dieses Versprechen löste er, zusammen mit dem künstlerischen Leiter Oliver Triendl und großartigen Kammermusikern aus ganz Europa, in jeder Beziehung ein.

Dieses Versprechen löste er, zusammen mit dem künstlerischen Leiter Oliver Triendl und großartigen Kammermusikern aus ganz Europa, in jeder Beziehung ein.

Das einzigartige Konzept von Fürstensaal Classix – wenig bekannte Stücke werden von hochkarätigen Musikern eingeübt und in kurzer Zeit bei öffentlichen Proben zusammen- geführt – ging auch in diesem Jahr wieder auf. In einer beeindruckenden Konzertwoche warteten vielfältige südost- europäische Schätze auf die Besucher. 

An manchen Abenden wurde das Publikum mit gefühlvoll-entspannenden Appetizer-Werken, wie der „Bulgarischen Rhapsodie Vardar“ von Pancho Vladigerov oder den „Rumänischen Volkstänzen“ von Béla Bartók, auf den Abend eingestimmt. Aber auch Fundstücke mit eher unregelmäßiger Tonsprache, wie das Werk „Vigoroso“ vom slowenischen Kom- ponisten Uroš Krek, standen auf der Menükarte. Amaury Coeytaux interpretierte dieses Wechselspiel von kraftvoller Span- nung zwischen den Tönen und volkstümlicher Melodik meisterlich. 

Damit steht er stellvertretend für alle virtuosen Künstler, die Werke wie Enescus „Nocturne et Saltarello“ oder Boris Papandopulos „Scherzo“ in vollkommener Spieltechnik darboten und zeigten, auf welch hohem Niveau das Festival angesiedelt ist. Alle Kammermusiker übernahmen, mit einer sichtbaren Spielfreude, individuelle Verantwortung für eine gelungene Darstellung der Fundstücke Südosteuropas. Die Fähigkeit, Mitspieler wahrzunehmen und mit ihnen zu interagieren, zeigte sich auch eindrücklich in den „Notturni“ des Composer-in-Residence. Als der Hornist Hervé Joulain mit klarem Ton zum instrumentalen Reigen aufrief, entstand ein musikalisches Gespräch zwischen Musikern, Instrumenten und dem Publikum. 

Neben diesem Werk von Milan Mihajlović war die Uraufführung seiner Komposition „Melancholy“ ein Höhepunkt der Konzertwoche. Mihajlović würdigte die Musiker beim Komponistengespräch, die Werke Südosteuropas und somit auch sein Werk wunderbar zu verstehen. Eine kleine absteigende Terz, die sich auch im Kürzel von Serbiens Hauptstadt versteckt, war die Triebkraft seiner Komposition und bescherte ein konstantes Klangempfinden, für das sich die Besucher mit stürmischem Beifall bedankten.

Das zeitgenössische Fundstück „Dracula’s Castle“, komponiert von Bratschist Vladimir Mendelssohn, war eine der außergewöhnlichsten Spezialitäten, die dem Publikum an den fünf Konzertabenden serviert wurden. Die Zuhörer waren direkt in das musikalische Geschehen eingebunden, als ein Windgeräusch des Cellos durch den Saal wehte. Und das war erst der Beginn dieses Feuerwerks aus vielfältigen Klangfarben. Es war sozusagen ein „Surroundsound“ der Kammer- musik, mit Künstlern, die, wie so oft bei diesem Festival, zur Höchstform aufliefen. 

Als am letzten Konzertabend das Werk „A Star. You Watch it Eternally“ nicht nur gespielt, sondern auch mit Gedichten unterlegt wurde, blieben die Besucher womöglich etwas ratlos zurück, wie im Programmheft angekündigt. Dem Geist der Fundstücke Südosteuropas kamen sie aber vermutlich ein Stückchen näher. 

Besser als jede Medizin, verriet eine ältere Dame, seien diese alljährlichen Konzerte für sie – und vielleicht ist das eines der Geheimnisse von Fürstensaal Classix – eine anhaltende Neugierde auf Neues und Unbekanntes. 

Festivalbesucher und Musiker, so hatte man den Eindruck, öffneten sich gleichermaßen der musikalischen Vielfalt von Slowenien bis in die Türkei und überschritten gemeinsam nicht nur Ländergrenzen – nicht die erste „Grenzüberschreitung“ wie auf der Website www.fuerstensaalclassix.de nachzulesen ist. Interessierte finden dort auch ein Interview von BR Klassik mit dem künstlerischen Leiter Oliver Triendl zum Festival 2014. Cordula Amann

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