Tor zu einer anderen Welt

Stolz präsentierten die Schüler der Berufsfachschule für Altenpflegehilfe gemeinsam mit Schulleiter Jürgen Trefzer, ihrer Lehrerin Rita Goldbrunner (rechts) und der Künstlerin Jolanta Szalanska (vorne) ihre Arbeiten. Foto: privat

Geradezu furios ist die kleine, aber feine Ausstellung des Kunstprojekts „Lebensweg” in der Rotkreuzklinik Lindenberg gestartet. Zum Auftakt drängten sich jetzt unzählige Besucher vor den Schülerarbeiten, die im Rahmen des Unterrichtsfachs Biografiearbeit an der Berufsfachschule für Altenpflegehilfe entstanden sind.

Acht förmlich leuchtende und sehr persönliche Werke zeigen, wie sich die Schülerinnen und Schüler unter der sanften Anleitung der freien Künstlerin Jolanta Szalanska dem Thema Biografie kreativ genähert haben. Mit unverhohlenem Stolz begrüßte Jürgen Trefzer, Schulleiter der Lindenberger Berufsfachschule der Schwesternschaft München vom BRK, die vielen Gäste, die am Nachmittag eigens zur Ausstellungseröffnung gekommen waren und die Enthüllung der Arbeiten gespannt erwarteten. Nicht selten machen Angehörige von Demenz-Patienten die verwirrende Erfahrung, dass zwar die gerade erst vergangenen fünf Minuten beim Vater, der Großmutter oder der alten Tante komplett ausgelöscht sind, dagegen aber ausgerechnet die Erinnerung an lang zurückliegende Lebensereignisse lebendig sind wie nie zuvor. Tatsächlich bietet die Erinnerung an die eigene Biografie Möglichkeiten von unschätzbarem Wert: Die Lebensgeschichte ist Tor und Zugang zur ganz eigenen Welt der Betroffenen und erleichtert Pflegenden und Angehörigen außerdem oft das Verständnis für die verschlungenen Wege der Demenz. Durch „Lebensweg” haben sich die Auszubildenden der Altenpflegehilfeschule kreativ mit dem Thema Lebensgeschichte auseinandergesetzt. Die dabei entstandenen Bilder zeigen bedeutende biografische Stationen im Leben jedes Menschen und drücken zugleich die begleitenden Emotionen aus. Durch die bildhafte Darstellung von prägenden Ereignissen wie Schulzeit, Familienfesten, der Geburt von Kindern oder auch zeitgeschichtlicher Momente sollen Erinnerungen wachgerufen werden, Anlässe zu biografischen Gesprächen entstehen oder Impulse für bessere Lebensqualität gegeben werden. Die Künstler selbst ließen es sich bei der Ausstellungseröffnung nicht nehmen, ihre persönliche Motivation für die Einzelwerke und die Bedeutung der einzelnen Stationen innerhalb jeder Biografie zu erläutern. Dass viel Herzblut in den einzelnen Bildern steckt, klang aus den Worten der Schüler und ist auch nicht zu übersehen. Die Lindauer Künstlerin Jolanta Szalanska, die das Projekt künstlerisch betreut hat, meldete sich ebenfalls zu Wort. Auch sie war von den Ergebnissen der Projektarbeit beeindruckt und stolz auf die kreative Leistung der Schüler. Bis zum 31. August kann das Gesamtkunstwerk des Projekts „Lebensweg” jetzt täglich zwischen 9 und 20 Uhr in der Lindenberger Rotkreuzklinik unmittelbar neben dem Empfang bewundert werden.

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