"Menschlich und trotzdem streng"

Tobias Berlinger vom Hildegardis-Gymnasium erhält den Deutschen Lehrerpreis

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Tobias Berlinger möchte jedem Schüler das Gefühl geben, dass er ihn mag, so wie er ist. Hier bespricht er sich mit seinen Schülerinnen Antonia Martl (rechts) und Sarah Ebner.

Kempten /Berlin – „Christina hat Geburtstag?“, fragt Tobias Berlinger in die Klasse. „Eigentlich war es gerade hektisch geworden. Laptops müssen verstaut, Terminabsprachen getroffen werden, bevor die Seminarteilnehmer hinausströmen. Doch das scheint jetzt erst einmal nicht mehr wichtig.

Der Lehrer stimmt ein Ständchen an und die Elftklässler singen mit. Berlinger gratuliert Christina herzlich. Ihre Wünsche mögen sich erfüllen, sagt er und setzt noch einen Scherz nach.

Das meinen die Schüler wohl, wenn sie sagen, Berlinger nehme sich Zeit für jeden einzelnen. „Man merkt, dass wir Schüler ihm wichtig sind“, „auch Witze sind im Unterricht erlaubt“. Das sagen die Teilnehmer von Berlingers Projekt-Seminar. Die Schüler des vorangegangenen P-Seminars haben den Geografie- und Wirtschaftslehrer für den Deutschen Lehrerpreis vorgeschlagen. Und er hat gewonnen. 

Am 15. Januar hat er den Preis in der Kategorie „Schüler zeichnen Lehrer aus“ zusammen mit 14 Kollegen aus ganz Deutschland entgegengenommen. Mit dem Wettbewerb wollen der Deutsche Philologenverband und die Vodafone Stiftung „herausragende pädagogische Leistungen“ würdigen.

Seit der Bekanntgabe ist der Rummel groß um Berlinger. Mehrere Fernsehteams und Reporter haben ihn schon in der Schule besucht. Aber der gebürtige Hohenschwangauer nimmt es gelassen. „Der Preis ist eine Ehre und eine Freude für mich“, sagt er. Ganz besonders freut den Preisträger, dass er von Schülern nominiert wurde, die er nie wieder im Unterricht haben wird.

Seine derzeitigen Schüler sitzen derweil zu zweit an Laptops. In ihrem Seminar haben sie sich um die Organisation des Bigband-Konzerts gekümmert, das im Januar in der bigBOX stattgefunden hat. Das Seminar war unter anderem für die Veranstaltungstechnik, Logistik, Werbung, Tombola, Sponsoren-Arbeit und die Lindau-Fahrt der Bigband verantwortlich.

Immer wieder kommen Schüler aus dem Keller ins Klassenzimmer, holen einen Schlüssel, besprechen sich mit Berlinger.

Die Bigband hat der 45-Jährige vor acht Jahren gegründet. 300 Musiker hat er hier unter seinem Dirigat. Neben Schülern sind auch Ehemalige und Lehrer – und sogar Eltern mit dabei. Wien, Quiberon in Frankreich, schon mehrere große Konzertreisen hat die Band absolviert. 

Im Juli werden die Musiker bei der Eröffnung der 200-Jahrfeier zur vereinten Stadt Kempten dabei sein. Schülerin Vanessa Koslacz kennt Berlinger schon länger aus der Bigband. Er bringt etwas voran und ist locker dabei, sagt sie und ihre Freundin Anika Aicher fügt hinzu, dass er „menschlich und trotzdem streng“ sei.

Eine positive Strenge ist dem Pädagogen auch wichtig. „Das ist es ja, was die Schüler wollen“, sagt er, „nur am Anfang finden sie es gut, wenn es drunter und drüber geht, aber das geht nicht lange“. Klassenclowns finden bei Berlinger deshalb keine Bühne. 

Versuche es doch mal einer, nehme er ihn zur Seite und mache ihm klar, dass er ihn auch mag, wenn er sich an seine Regeln halte. Und auf die Arbeitshaltung legt er Wert. „Wenn die Schüler mitmachen, dann fördere und fordere ich sie auch“, erklärt er. Vor allem in den höheren Klassen sieht er sich dann vor allem als Teamplayer.

Fragt man die Schüler nach weiteren Dingen, die ihnen an ihrem Lehrer gefallen, nennen sie Fairness und das Grundwissen. In jeder Abfrage und Klassenarbeit sind neben aktuellem Stoff Begriffe gefragt, die im Heft unter „Grundwissen“ vermerkt sind. Das habe schon so manche Note gerettet.

Und was findet der Berlinger an seinem Beruf am schönsten? Hier muss er nicht lange überlegen. Am schönsten ist es für ihn, wenn die Schüler ihr Abitur bekommen, und er merkt, dass er ihnen etwas mitgegeben hat, das sie im späteren Leben brauchen.

Susanne Kustermann

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