Vor einer ungewissen Zukunft

Über der Allgäu Fleisch ziehen dicke Wolken auf. Das Unternehmen ist mit mehreren Millionen Euro verschuldet. Allerdings soll es bereits Kaufinteressenten geben. Foto: Matz

Die Allgäu Fleisch GmbH ist pleite: Die Geschäftsführung des Unternehmens hat am Dienstag vergangener Woche beim Kemptener Amtsgericht Antrag auf Insolvenz gestellt. Offenbar steht die Firma mit mehreren Millionen Euro in der Kreide. Vorläufiger Insolvenzverwalter ist der Münchner Rechtsanwalt Dr. Jens Hourle. Von der Insolvenz betroffen sind rund 130 Mitarbeiter. Wie es weitergeht, war bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe am Freitagabend noch offen. In den nächsten sechs Wochen muss nun geprüft werden, ob ein Insolvenzgrund vorliegt und ob die Firma weitergeführt werden kann.

Unverrichteter Dinge mussten am Montagmorgen vergangener Woche diejenigen Metzger wieder heimfahren, die wie gewöhnlich ihre Schweine im Schlachthof der Allgäu Fleisch schlachten lassen wollten – sie standen vor verschlossenen Toren. „Das kam sehr überraschend. Unsere Kollegen sind nicht vorgewarnt worden“, berichtete Karl Koller, Vorsitzender der Metzger-Innung, am vergangenen Mittwoch. Tatsächlich hat der Schlachtbetrieb der Allgäu Fleisch nach Angaben von Rechtsanwalt Hourle bereits am Donnerstag, 19. Mai, den Betrieb eingestellt. Als Grund nannte Hourle „einsetzende Gewinnrückgänge“ und „anhaltend hoher Liquiditätsbedarf“. Dazu komme, dass das von der Familie Döbler geführte Unternehmen zwischen 2004 und 2006 rund zehn Millionen Euro in die Modernisierung investiert habe. In einschlägigen Internetforen wird außerdem über den Preisdruck durch Discounter als Mitursache der Insolvenz gemutmaßt. Darüber hinaus hatte Firmenchef Dieter Döbler Anfang des Jahres über die hohe kommunale Abgabenlast geklagt. So habe seine Firma allein 2010 fast zwei Millionen Euro an ZAK, KKU oder die Stadt Kempten zahlen müssen. Zukunft ungewiss Wie es mit der Allgäu Fleisch weitergeht, war bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe am Freitagabend offen. Zusammen mit der Geschäftsführung und der Agentur für Arbeit soll Hourle zufolge zunächst versucht werden, die Gehälter der Mitarbeiter zu sichern und die Arbeitsplätze zu erhalten. „Wir müssen gemeinsam mit Hochdruck daran arbeiten, dass eine dauerhafte Lösung Gestalt annehmen kann“, so Dr. Hourle am Donnerstag gegenüber dem KREISBOTEN. „Inwieweit Sanierungs-chancen bestehen, kann zum derzeitigen Zeitpunkt allerdings nicht gesagt werden.“ Ebenso bedeckt hält man sich bei der Moksel AG in Buchloe, unmittelbarer Wettbewerber der Allgäu Fleisch. Zu einer möglichen Übernahme des Kemptener Betriebs „gibt es derzeit keine Überlegungen“, erklärte ein Unternehmenssprecher am Donnerstag. Allerdings hielt sich bereits zum Jahreswechsel hartnäckig das Gerücht, dass die Allgäu Fleisch vor dem Verkauf an die Ostallgäuer stehe. Allerdings soll der geforderte Preis zu hoch gewesen sein, hieß es seinerzeit in Branchenkreisen. „An Spekulationen beteiligen wir uns nicht“, hieß es dazu aus Buchloe. Die Metzger, die bislang in Kempten schlachten ließen, werden nun ebenfalls nach Buchloe oder zum nächsten Schlachthof in Leutkirch ausweichen müssen, wie Innungs-Chef Koller erläuterte. Außerdem gebe es noch kleinere Schlachthäuser in Ermengerst und Hegge. „Da müssen die Kollegen dann mal helfen“, so Koller.

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