Mit goldenem Boden

Einfach ausprobieren: »Wanted Handwerk« wirbt an Mittelschulen um Nachwuchs

Wanted Handwerk 2021. Konnten sich hautnah ein Bild davon machen, wie Schablonentechnik, die man als Maler beherrschen muss, funktioniert: Schüler und Schülerinnen der Klassen 8 und 9 aus Buchenberg, Waltenhofen und Weitnau.
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Konnten sich hautnah ein Bild davon machen, wie Schablonentechnik, die man als Maler beherrschen muss, funktioniert: Schüler und Schülerinnen der Klassen 8 und 9 aus Buchenberg, Waltenhofen und Weitnau.
  • VonHildegard Ulsperger
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Buchenberg – SchülerInnen gehen in Betriebe & lernen Berufe bei Praktika kennen. Bei „Wanted Handwerk - on Tour“ ist es anders. Da kommt der Beruf in die Schule.

„Wanted Handwerk – on Tour“ ist eine seit Jahren bewährte Plattform, um bei Mittelschülerinnen und -schülern mit kreativen Ideen für eine Ausbildung im Handwerk zu werben. Coronabedingt musste die Aktion im vergangenen Jahr eine Pause einlegen. Heuer jedoch ließen es die Voraussetzungen, unter Einhaltung der Hygienemaßnahmen, wieder zu, einen solchen Projekttag durchzuführen. Die Bereitschaft der Schulen, hier mitzumachen, war groß.

Von den angefragten 22 Bildungseinrichtungen aus der Region Kempten und teilweise auch dem Oberallgäu kam meist binnen kürzester Zeit die Zusage, sich an der Maßnahme zu beteiligen. Gefördert wird das Konzept, das unter der Federführung der Kreishandwerkerschaft steht, von der Agentur für Arbeit sowie von Kommunen.

Berufe ausprobieren

Am vergangenen Mittwoch fand der Aktionstag für die Acht- und Neuntklässler der Mittelschulen Buchenberg, Weitnau und Waltenhofen in Buchenberg statt. 61 Schüler konnten sich als Schreiner, Zimmerer, Friseur, Anlagenmechaniker, Bäcker, Lebensmittelfachverkäufer, Elektriker oder Maler/Lackierer versuchen. Auch das Baugewerbe in verschiedenen Ausrichtungen war beteiligt.

Handwerk: Unterschätzte Berufe

„Wir wären froh und würden von einem Erfolg sprechen, wenn 30 Prozent einer Klasse sich für eine handwerkliche Ausbildung entscheiden würde“, sagte Ute Esfeld, 2. Vorsitzende von „Praxis bildet e.V.“, dem Verein, der die Veranstaltungen organisiert und betreut. Viele Jugendliche unterschätzten die Attraktivität und die Möglichkeiten einer handwerklich geprägten Tätigkeit; mit „Wanted Handwerk“ habe man eine Orientierungsform geschaffen, die gut angenommen wird, unterstrich Esfeld.

An den unterschiedlichen Gewerken und in kleinen Gruppen konnten die jungen Leute unter Anleitung von Profis erste Erfahrungen in den genannten Genres sammeln. Dabei standen ihnen Fachleute der Innungsmitglieder mit Rat und Tat zur Seite, brachten ihnen Technik, Geräte sowie Material näher. So manch‘ zukünftiger Berufseinsteiger staunte nicht schlecht, wie interessant ein Handwerksberuf sein kann und verglich Annahme mit Tatsache.

„Da sind schon gute Leute dabei“, sagte der Chef eines Malerbetriebs, während er jungen Leuten die Schablonentechnik näherbrachte. Nicht nur er sucht auf verschiedenen Wegen dringend Nachwuchs für seinen Betrieb. „Super Leute, sie sind geschickt und motiviert“, so die Einschätzung eines Meisters.

Viele offene Stellen

Es sei wichtig, den Nachwuchs aus der Praxis heraus zu motivieren, war nicht nur die Meinung des Geschäftsführers der Kreishandwerkerschaft Kempten, Gottfried Voigt, sondern aller am Projekt Beteiligten. 6.000 Ausbildungsstellen müssen im Allgäu neu besetzt werden, berichtete die Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen, Maria Amtmann. Das dezentrale Konzept sei genau das Richtige, um junge Menschen bei der Berufsfindung zu begleiten und ihnen bei der Qual der Wahl zu helfen.

Mit „Das Handwerk hat goldenen Boden“, zitierte 3. Bürgermeisterin der Stadt Kempten, Erna-Kathrein Groll, ein altbekanntes Sprichwort. Sie war in Vertretung von Oberbürgermeister Thomas Kiechle gekommen. Handwerk sei Basis für vieles. Um Handwerk zu lernen, müsse man es begreifen.

Gewinnbringend für alle

Aus der Sicht eines Landbürgermeisters ist der Aktionstag „Wanted Handwerk“ genau das Richtige, davon ist Buchenbergs Rathauschef Toni Barth überzeugt. Er helfe einerseits Jungbürgern enorm bei der Berufsorientierung und andererseits unterstütze er heimische Unternehmen, dringend benötigte Auszubildende zu finden.

Das Konzept zeige, ist sich auch Joachim Breitfeld, Schulrat für die Grund- und Mittelschulen im Schulamtsbezirk Lindau/Oberallgäu/Kempten, sicher, dass sich die Bildungseinrichtungen der Bedeutung einer solchen Aktion bewusst sind.

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