"Einfach menschlich"

Sie diskutierten auf der Diakonie-Couch „Teilhabe – damit Leben gelingt“: Stefan Keck (v.l.),  Bezirksrätin Barbara Holzmann, Sonja Huber-Rehm, Helga Öder, Oliver Stiller und OB Dr. Ulrich Netzer. Foto: moriprint

Teilhabe – vielen Menschen bleibt sie verwehrt, weil sie „anders“ sind – ausgegrenzt durch Krankheit, Alter, Armut. Das Diakonische Werk Kempten-Allgäu setzte vergangene Woche beim diesjährigen Jahresempfang im evangelischen Gemeindehaus der St. Mangkirche den Fokus auf dieses Thema. Denn, so stellte Helmut Mölle, Verwaltungsratsvorsitzender, bei der Begrüßung fest: „Die Tendenzen zur Exklusion von Menschen sind unübersehbar.“

Genau darum hatte das DW Vertreter von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft eingeladen – und bat einige Gäste auf die DW-Couch für ein kurzes Statement zu ihrer Ansicht von „Teilhabe“. Als „öffentliche Person“ ist für OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) Teilhabe sozusagen „Tagesgeschäft“. Für ihn sei es wichtig, Nischen für sich und seine Frau zu finden, wo man private Themen besprechen könne. „Teilhabe bedeutet aber auch, dass wir von der Stadt seit 16 Jahren konsequent die Bürger vor Ort einbinden – beispielsweise, wenn es um die Spielplatzgestaltung geht“, so Netzer zu Moderator Oliver Stiller vom Quartiersmanagement St. Mang. Nicht zuletzt habe man 2008 die fünf strategischen Ziele für Kempten bis 2020 definiert, um eben diese Teilhabe zu sichern. Nicht auf der Tasche liegen Für Stefan Keck (Oberallgäu) ist Teilhabe eng verknüpft mit einem Arbeitsplatz. Der langjährige Besucher des SPZ in Immenstadt konnte aufgrund seiner Erkrankung seine beiden erlernten Berufe nicht ausüben. „Arbeitsplatzsuche ist wie ein Lotteriespiel“, meinte er. Im Gespräch mit Barbara Holzmann, Leiterin vom SPZ und Bezirksrätin, schilderte er: „Mir ist es wichtig, ein stückweit selbst Geld zu verdienen, um nicht nur anderen auf der Tasche zu liegen. Das will keiner!“ Derzeit arbeitet er in einem Hotel als Tellerwäscher und freut sich über das harmonische Arbeitsklima dort. Im SPZ macht er regelmäßig Besuche und nimmt an den „spitzenmäßigen“ Urlauben teil. „Es geht dort einfach menschlich zu“, sagte er. „Jede Handlung von der Kirche, von Menschen für Menschen ist Diakonie!“ Diese Ansicht vertrat Pfarrer Rainer Piscalar von der Markuskirche. Gut gelaunt ließ er sich auf einen „Deal“ mit Wilhelm-Löhe-Haus-Heimleiter Thomas Reuß ein: So soll es gegenseitige Besuche bei Veranstaltungen geben. „Für uns ist die Diakonie ein zuverlässiger Partner. Wir müssen nicht alles selbst wissen, sondern können an die vielfältigen Einrichtungen der Diakonie verweisen“, so Piscalar weiter. Über das Ehrenamt ist gleichfalls Teilhabe gewährleistet. Anerkennung, Mitgestaltung, Kontakte zu anderen sind Gründe, die Helga Öder dafür nennt, dass sie im D+W Kaufhaus mithilft. Ehrenamt – „das ist für mich der Blick über den Tellerrand“, meinte sie. Sinnvolles Ehrenamt Bei Ewald Lorenz-Haggenmüller vom Weltladen an der Promenadenstraße geht dieser Blick „in die Welt“. Ihm liegt der „faire Handel“ am Herzen. Die Mitarbeit sei ein sinnvolles Ehrenamt und als Konsument fair gehandelter Waren habe man zugleich ein gutes Gefühl. Mit der Mitarbeiterin Sonja Huber-Rehm, Koordinatorin vom Projekt Kiwi (Kinder sind uns wichtig), kam Wolfgang Grieshammer ins Gespräch. Teilhabe bedeutet innerbetrieblich den Austausch zwischen Vorstand und Mitarbeitenden, um gesellschaftliche Entwicklungen zu beurteilen und gegebenenfalls darauf zu reagieren. Aus diesem Nachdenken entstand das Projekt Kiwi, eine Vision der frühen und damit absolut präventiven und vernetzten Hilfe für Kinder. Mit Unterstützung von Lions Clubs wird es Wirklichkeit werden, so Huber-Rehm. Ein gutes Gefühl hatten auch die Teilnehmer der DW-Klausurtagung, bei der sie die strategischen Ziele des Vereins bis 2015 konzipierten. „Wir sind Diakonie“, stellte Geschäftsführer Wolfgang Grieshammer fest. Zufrieden waren Vorstand und Verwaltungsrat ebenfalls mit dem Jahresabschluss für das Jahr 2010. Bei einem Umsatz von 13,3 Millionen Euro gab es einen Bilanzgewinn von 8000 Euro sowie Rücklagen von 242 000 Euro.

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