Alten Standort mit einzigartiger Wasserkraftwerkstechnologie wiederbelebt

Weltneuheit in Sulzberg

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Prof. Albert Göttle, Präsident des Landesfischereiverbandes und AÜW-Geschäftsführer Michael Lucke verfolgen das Öffnen der Fischluken durch die Bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf.

Sulzberg/Kempten – Zum Jahreswechsel ging das von der Bayerischen Umweltministerin, Ulrike Scharf, als „Vorzeigeprojekt“ bezeichnete VLH-Wasserkraftwerk in Sulzberg/Au bereits ans Stromnetz. Vergangenen Montag wurde das mit zwei besonders fischverträglichen „Very-Low-Head“-Turbinen (VLH) ausgestattete Wasserkraftwerk mit ökumenischem Segen, rund 200 Gästen und einer kleinen Feier auch eingeweiht.

Gebaut hat es die Illerkraftwerk Au GmbH, die eigens dafür von der Allgäuer Überlandwerk GmbH (AÜW) und der Bayerische Landeskraftwerke GmbH gegründet worden war.

Scharf war dabei bereits der dritte Vertreter – bzw. diesmal Vertreterin – der Bayerischen Landespolitik, die dem ersten VLH-Wasserkraftwerk Deutschlands die Ehre erwies – für AÜW-Geschäftsführer Michael Lucke ein Hinweis darauf, dass das Projekt „eine gewisse Popularität bei der Politik genießt“, wie er augenzwinkernd anmerkte. Schließlich sei es auch nicht nur „eines der modernsten Wasserkraftwerke Deutschlands oder gar Europas“, sondern ein weltweit einmaliges Wasserkraftprojekt mit Vorbildcharakter für eine gesicherte Energieerzeugung im Einklang mit Natur und Umwelt. Die Besonderheit ist einmal die Kombination der nur langsam laufenden VLH-Turbine, die trotz niedriger Fallhöhe wirtschaftlich betrieben werden kann und die Fische unbeschadet zu ihren Laichplätzen flussaufwärts gelangen lässt; mit einer variablen Stauzielregelung durch ein wassergefülltes Schlauchwehr sowie einer Geschiebe- und Treibholzschleuse. Und zum Anderen das 2015 durch den Lehrstuhl für Aquatische Systembiologie der TU München begonnene Fisch-Monitoring, das Aufschluss geben soll über die ökologischen Auswirkungen der Anlage verglichen mit vorher sowie im Vergleich mit herkömmlichen Wasserkraftanlagen. Erste Ergebnisse soll es im Herbst 2017 geben.

Bereits 1907 hätten der AÜW-Firmengründer Karl Böhm und sein Vater ein Wasserkraftwerk an dieser Stelle betrieben, wegen der niedrigen Fallhöhe an diesem Standort sei aber ein wirtschaftlicher Betrieb nicht möglich gewesen. „Heute, knapp 100 Jahre später, weihen wir an dieser Stelle ein neues Kraftwerk ein“, das auf Grund seiner Eigenschaften „einen wirtschaftlichen Betrieb verspricht, erklärte Lucke.

Rund 8,7 Millionen Euro wurden in das Projekt investiert, davon insgesamt 7,2 Millionen Euro von den beiden Projektträgern zu je gleichen Teilen, 1,46 Millionen Euro gibt es an Fördermitteln von der Staatsregierung. Die dort pro Jahr rund 3,9 Millionen Kilowattstunden an erzeugtem Strom versorgen rund 1000 Haushalte.

Von dem Projekt angetan zeigte sich auch der Präsident des Landesfischereiverbandes Prof. Albert Göttle, für den hier der Aspekt Schutz der Fischpopulation gut umgesetzt worden sei und der sich den hier beschrittene „Königsweg“ auch andernorts als erfolgreich vorstellen konnte. Viele der 19 in der Iller lebenden Fischarten seien bereit vom Aussterben bedroht. „Wir brauchen diese Migration der Fische“, betonte er, darauf hoffend, dass diese mit den Fischhilfen auch gelinge.

In wenigen Wochen soll für alle Interessierten ein beschilderter Rundweg über das Kraftwerksgelände führen.

Christine Tröger

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