Auf die Waffel, fertig, los!

Eisdielen haben in diesem Hitzesommer alle Hände voll zu tun

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Der gebürtige Kemptener Harald Jugel kommt mit seiner Frau Christa jedes Mal auf einen Eisbecher ins Europa, wenn er im Allgäu zu Besuch ist.

Kempten – „Immer, wenn ich in Kempten zu Besuch bin, dann muss ich auf den Hildegardplatz ins „Europa“ und mir den Nussbecher bestellen. Da führt kein Weg dran vorbei“, schmunzelt Harald Jugel. Er sitzt mit seiner Frau Christa im Außenbereich des Eiscafés und genießt an diesem Wochenende seinen Lieblingseisbecher. Seit mittlerweile 40 Jahren lebt der gebürtige Kemptener schon in München, aber sobald es ihn zu seinem Bruder ins Allgäu zieht oder ein Abiturtreffen in seiner alten Heimat ansteht, dann ist der Eisbecher Pflicht.

In diesem rekordverdächtigen Hitzesommer sind die Schlangen vor den Eisdielen in Deutschland noch länger als sonst. Rund 8,7 Liter Speiseeis haben wir Deutschen im letzten Jahr pro Kopf verschlungen. Das lässt Gianni Salsa, den Inhaber des Eiscafés am Hildegardplatz, natürlich strahlen. 

Seit 2013 sorgt er zusammen mit seinen Mitarbeitern bei Kindern und Erwachsenen gleichermaßen für Glücksgefühle. Egal ob mit leckeren Fruchtsorten wie Wassermelone, Pampelmuse, Waldbeere oder aber den cremigen Spezialitäten wie Zabaione, Whiskey Cream oder Kaffee. Und dabei sind die alten Klassiker wie Vanille- oder Schokoeis längst nicht mehr der Renner. „Bei den Kindern ist unser Cookies-Eis total angesagt, die Erwachsenen stehen dieses Jahr besonders auf Malaga, Pistazie oder Whiskey Cream“, verrät Giovanna Andretta, eine der Angestellten. Seit mittlerweile drei Jahren ist sie in Kempten und hat ihrer Heimat Salerno in Süditalien den Rücken gekehrt. 

Hochbetrieb bei hochsommerlichen Temperaturen 

„Wenn es so extrem heiß ist wie die letzten Wochen, dann haben wir fast rund um die Uhr zu tun. Morgens um fünf Uhr werden unsere Eismaschinen dann schon angeworfen und tagsüber produzieren wir ständig weiter. Normalerweise haben wir bis 22 Uhr offen, aber wenn es ein toller Sommertag ist, dann machen wir auch gerne mal länger“, so Andretta. 

Insgesamt 38 Sorten werden im Eiscafé die Saison über angeboten und die geht für alle Schleckermäuler recht lange. Anfang Februar öffnet das Lokal bereits seine Türen und bis Ende November bleiben diese dann auch offen. 

Seit Frühjahr 2018 hat Inhaber Gianni Salsa sein Café erweitert und kann im hinteren Neubau nun noch mehr Gästen Platz zum Genießen bieten. 

Und wie viel Kugeln isst der Allgäuer so im Durchschnitt? „Die meisten nehmen zwei Kugeln, das ist der Standard. Aber es gibt auch ein paar Ausnahmen, die sich fünf Kugeln auf unsere große Waffel wünschen. Das ist natürlich noch besser“, sagt einer der Mitarbeiter hinter der Theke lachend. In der Regel holen sich die Kunden ihr Eis in der Waffel, da kommt der Becher erst an zweiter Stelle. 

Gerade mal fünf Minuten dauert es, bis der Mitarbeiter an der Eismaschine einen Eisbehälter mit etwa 4,5 Kilogramm Eis selbst hergestellt hat. Bei heißen Temperaturen ist dieser dann auch innerhalb eines Tages leer. 

Besonders ausgefallene Eissorten dürfen im Angebot natürlich nicht fehlen, denn ein bisschen „Ausprobieren wollen“ ist von einigen durchaus gefragt. „Lakritze“ ist da ein willkommenes Angebot oder die Sorte „Mascarpone mit Maracuja“, die in dieser Saison neu mit dabei ist. 

Manche kommen jede Woche 

Für Karl Freudling aus Kempten und Wendelin Echteler aus Waltenhofen-Hegge ist das Eiscafé wie ein zweites Zuhause. Zumindest am Samstag. Die beiden älteren Herren treffen sich dort jeden Samstag gegen elf Uhr, um einen Espresso zu trinken und ein Eis zu essen. „Wir sind eigentlich immer da, von April bis Oktober, aber nur wenn‘s Wetter gut ist und nicht schüttet. Erst gibt‘s Würstel auf dem Wochenmarkt und anschließend gönnen wir uns einen Espresso hier im Eiscafé und als Nachtisch müssen es dann immer zwei Kugeln Eis sein“, schmunzelt Echteler. 

Zumindest eine Kugel ist immer gleich, Vanille, die zweite Kugel wird dann spontan nach Tageslaune ausgesucht. Mal sei es Mango, Zimt, Mokka oder Erdbeere. Am Nebentisch hat Harald Jugel seinen geliebten Nusseisbecher zwischenzeitlich voll und ganz genossen. Als es etwas Drängelei hinter seinem Stuhl gibt, weil sich einige Gäste vorbeiquetschen wollen, da lacht er nur verschmitzt. „Ich bin jetzt in so einer Stimmung, dass mich nichts mehr aus der Ruhe bringt“, sagt der gebürtige Kemptener zu seiner Frau.

Kathrin Dorsch

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