"Ich hab dir einen Platz aufgehoben"

Mit einem Angebot fing alles an - jetzt feiern Wilhelmine und Martin Unglert Eiserne Hochzeit

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Gut gelaunt ins 66. Ehejahr: Mit dem Jubelpaar Wilhelmine und Martin Unglert (Mitte) freuen sich (v.l.) Tochter Bettina, Bürgermeisterin Sibylle Knott, Schwiegertochter Mary und Sohn Stephan.

Kempten – Wieder läutet es an der Tür. „Bei uns ist immer was los“, kommentiert Wilhelmine Unglert und lacht. Viel Trubel, das ist für sie das Schönste, sagt die Jubilarin. Und heute ist der Umtrieb ganz besonders groß. Wilhelmine und Martin Unglert feiern ihre Eiserne Hochzeit. Zu diesem besonderen Fest sind neben Tochter Bettina extra Sohn Stephan und seine Frau Mary angereist, die seit 36 Jahren gemeinsam in Irland leben. Die Glückwünsche der Stadt überbringt Bürgermeisterin Sibylle Knott.

Tochter Andrea, die heute verhindert ist, hat bereits angerufen. Und an der Tür steht jetzt ein Blumenbote. Er überreicht einen Strauß mit Karte. Die ehemaligen Mitarbeiterinnen von Martin Unglert haben die Blumen geschickt. Nach seiner Banklehre war er bis 1992 bei der Baudrexel Bank beschäftigt, die er später auch leitete. „Noch heute treffen sich die Damen jedes Vierteljahr, manchmal stoßen wir dazu“, freut sich der Jubilar über den Blumengruß.

Blumen und der große Garten sind eine der Leidenschaften der Unglerts. Sie pflegen die vielen Büsche und Beete noch selbst, dabei sind die Eheleute bereits 87 Jahre alt. „Für die Urenkel haben wir extra ein Kartoffelbeet angelegt, damit sie sehen, wo die Erdäpfel herkommen“, erklärt die siebenfache Großmutter und vierfache Urgroßmutter. Nach der Ernte gibt es zur Freude aller immer gleich Kartoffeln mit Butter und Milch. Wilhelmine kocht jeden Tag selbst, und hat Spaß am Entwickeln neuer Rezeptideen. Auch strickt sie gerne Pullis für die ganze Familie.

Das Einkaufen übernimmt inzwischen ihr Mann und bestimmt mit dem Mitgebrachten meist auch den Speisezettel. „Nur kurzfristig umdisponieren darf ich nicht, dann gibt’s Ärger“, lacht er. Überhaupt lachen die beiden gerne und sind gerne in Gesellschaft. Das sind zwei der Geheimnisse für ihre lange Ehe, wie sie sagen. Und das Reden. Probleme werden so lange besprochen, bis die bestmögliche Lösung gefunden ist. Martin Unglert schätzt an seiner Frau ganz besonders, dass sie ihm direkt sagt, wenn etwas nicht stimmt: „Das ist ja oft das Problem in Ehen, dass zu lange über Probleme geschwiegen wird – aber das kann uns nicht passieren.“ Wieder lacht die ganze Runde.

Viele Jahre war das Ehepaar im Tanzsportclub und Tanzkreisen aktiv. Bis sie 81 waren haben sie Standard getanzt und einen flotten Jive aufs Parkett gelegt. Und ob beim Bergsteigen oder Skifahren, auch die Berge spielen eine wichtige Rolle in ihrem Leben.

"Ich habe mich in ihre braunen Zöpfe verliebt"

Am 14. März 1953 haben sich Wilhelmine und Martin Unglert das Ja-Wort in der Sankt-Mang-Kirche gegeben. „Es war eine ganz kleine Hochzeit, wir hatten ja kein Geld“, erzählen sie. Gleich nach der Kirche hat sie ein Freund mit einem geliehenen Auto nach Oberstaufen gefahren. In Hittisau wurden sie vom Bürgermeister mit dem Pferdeschlitten nach Balderschwang gefahren, wo sie drei Tage beim Skifahren verbrachten. Zurück ging es auf Skiern und ab dem Bahnhof mit dem Zug.

Kennengelernt hat sich das Ehepaar mit 18 Jahren bei einem Treffen der Jugendgruppe der Naturfreunde. Als Wilhelmine hereinkam, hatte das Programm schon begonnen. „Ich hab sie gesehen und gesagt: ‚Ich hab dir einen Platz aufgehoben‘, obwohl wir uns noch nie zuvor gesehen hatten, so sehr hat sie mir gefallen“, schwärmt Unglert.

Und auch heute sind die beiden glücklich. „Hoffentlich bleibt alles so, wie es ist!“, wünscht sich Wilhelmine. Denn dann wird es nie langweilig „und das ist das Wichtigste“.

Susanne Kustermann

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