Eiserner Zusammenhalt

Inmitten der Wirren des Zweiten Weltkrieges, am 8. Januar 1944, haben sich der damals 24-jährige Unteroffizier Josef Glaßl und die 20-jährige Irma Götz das Ja-Wort gegeben. Im pfälzischen Anweiler, der Heimat der Braut, fand die bescheidene Hochzeitsfeier statt. Jetzt, 65 Jahre später, sind die beiden immer noch ein Paar. Zur „Eisernen Hochzeit“ gratulierte vergangene Woche neben Kindern und Enkeln auch Kemptens OB Dr. Ulrich Netzer (CSU).

„Sie hatte schwarze Haare und einen roten Pullover an“, erinnerte sich Josef Glaßl an die erste Begegnung mit seiner späteren Frau. Er war damals als Pionier in dem Haus einquartiert, in dem sie arbeitete. Erst am letzten Tag seines Aufenthalts habe er sie kennen gelernt. Ob sie damals auch eine Hochzeitstorte hatten, habe ihre Zugeh-Frau sie gefragt, erzählte Irma Glaßl. Doch dafür sei kein Geld da gewesen. „Wir waren froh, dass wir überhaupt etwas zu essen hatten.“ In der Tat hatte es das Ehepaar damals nicht leicht. Nach Kriegsende geriet Josef Glaßl zunächst in amerikanische Gefangenschaft. Dann wurde der Egerländer nach Tschechien ausgewiesen und kam erst ein Jahr später zurück nach Deutschland. Im selben Jahr erlitt er auf einer Baustelle einen Unfall, der ihn den Großteil seines Augenlichts kostete. Nur noch Licht und Schatten konnte er wahrnehmen. Nach Kempten verschlug es das Ehepaar, da Glaßl hier zunächst eine Anstellung als Bürstenmacher bekam. Anschließend arbeitete er in der hiesigen Spinnerei- und Weberei als Telefonist. Von 1949 bis 1989, also glatte 40 Jahre lang, übte er diese Tätigkeit aus. Erst mit 70 Jahren ging er in Pension. Anfangs, erinnert sich das Paar, brachte ihn seine Frau mit dem Tandem-Fahrrad zur Arbeit und holte ihn auch wieder ab. Das einfache, zweisitzige Rad ohne Gangschaltung sei für die beiden jedoch nicht nur Transportmittel gewesen. Regelrechte Touren hätten sie damit unternommen, erzählen sie. Einmal seien sie innerhalb von zwei Tagen damit bis in die Pfalz gefahren. Auch in die Berge hat das Gefährt sie gebracht. Dort seien sie wandern gegangen und wieder nach Hause gefahren. „So haben wir das ganze Allgäu kennen gelernt“, erinnert sich Irma Glaßl, die auch heute noch fährt, allerdings mit dem Auto. Jede Woche trifft sie sich mit ihrer Rommee-Runde und liest gerne Bücher. Ihr Mann genießt die Literatur per Hörbuch, da darf es auch mal etwas Anspruchsvolles wie Machiavelli sein. Zusammen genießen beide einen guten Wein. Ob Dr. Ulrich Netzer überbrachte die Medaille „Patrona Bavariae in Gold des Bayerischen Ministerpräsidenten, einen Blumenstrauß sowie seine Glückwünsche und Gottes Segen. Schon im Vorfeld hatte der Bundespräsident seine Glückwünsche zum 65-jährigen Hochzeitsjubiläum geschickt.

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