"Weniger Dinosaurier-Effekt!"

Gestaltungsbeirat nimmt vier Bauvorhaben unter die Lupe

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Dieses Gebäude in der Kotterner Straße wird ersetzt. Der Gestaltungsbeirat riet zu einer ruhigen Fassade beim Neubau.

Kempten – Vier Bauvorhaben standen in der Oktobersitzung des Gestaltungsbeirats zur Begutachtung an. Das Gremium aus drei Experten und zwei Expertinnen hatte sich am Vormittag selbst ein Bild von den örtlichen Gegebenheiten gemacht und die eingereichten Pläne gemeinsam gründlich studiert.

Da sie ausgewiesene Fachleute aus den Bereichen Architektur, Städte- und Landschaftsplanung sind, konnten sie den Bauherrschaften und Architekten allesamt fundierte Anregungen und Rückmeldungen geben.

Der Neubau eines Parkhauses an der Bahnhofstraße, das „Parken am Forum“, ist ein großes Projekt an prominenter Stelle der Stadt, dessen Gestaltung deshalb besonders gründlich abgewogen sein will. Auf drei Stockwerken soll es 370 Stellplätze bieten; im offenen Erdgeschoss sind auch Fahrradabstellplätze und abschließbare E-Bike-Stationen vorgesehen. Die Fassade wird ein Hingucker: Eine Welle aus gelochtem Metall wird sie wie ein halbtransparenter Vorhang verdecken. Er soll messingfarben sein und die drei sichtbaren Seiten verkleiden. Um den „Dinosauriereffekt“ zu reduzieren, bittet der Beirat, nochmal über eine stärkere Gliederung und Rhythmisierung des Gebäudes nachzudenken. Auf der Rückseite könnte durch eine andere Anordnung der Parkplätze eine zusammenhängende öffentliche Grünfläche entstehen. Sicher ist, dass es einen Termin zum Anschauen der Probefassade geben wird.

An der Immenstädter Straße 78 ist ein Neubau mit sieben Wohneinheiten mit Balkonen, einem Penthouse und Tiefgarage vorgesehen. Für diese heterogene Umgebung empfiehlt das Gremium eine ruhigere Erscheinungsform als vom Architekten geplant. Das Haus soll nicht wie ein Solitär ausdrucksstark sein, ein „klarer und einfacher Auftritt“ sei die angemessenere Lösung, so der Beirat. Tiefgarage besser integrieren, das Gebäude mehr nach Norden schieben, um die Nachbarschaftsbelange (Licht!) einzubeziehen, evtl. ein Satteldach dem Flachdach vorziehen… Der Gestaltungsbeirat hat ganz andere Vorstellungen und denkt offenbar an einen ganz anderen Bautyp. Für den Architekten ein Anlass, noch einmal von vorn anzufangen und mit dem Bauherrn erneut über die Pläne zu reden.

Am Alpenblick in Lenzfried seht auf einem großen Grundstück mit altem Baumbestand eine tiefgreifende Veränderung an: Ein freistehendes Einzelhaus und zwei weitere Gebäude sollen gebaut werden. In diesem Fall bestand ein hoher Konsens aller Beteiligten: Da die Planung noch ganz am Anfang ist, können die Optimierungsvorschläge, die der Gestaltungsbeirat natürlich trotzdem auf Lager hatte, noch gut aufgenommen werden. Zum Beispiel könnten die Garagen anders platziert und die Dachbegrünungen ausgedehnt werden. Auch kann über die Dachformen (schräg oder flach?) und den Erhalt der standortprägenden Bäume noch intensiver nachgedacht werden. Insgesamt wurden das Konzept und die relativ geringe Ausnutzung dieses Hanggeländes sehr begrüßt.

An einem sensiblen und zentralen Standort, nämlich an der Kotterner Straße 82-84, am Abschluss der Bahnhofstraße, soll das Bestandsgebäude abgerissen und neu gebaut werden. Die Machbarkeitsstudie sieht ein Wohn- und Geschäftshaus vor, mit Einzelhandel im Erdgeschoss, einem Hotel Garni im ersten Stock und Wohnungen im zweiten Obergeschoss. Die Baumassenverteilung in L-Form auf dem Grundstück sieht der Gestaltungsbeirat als gut gelungen an. Er regt jedoch eine ruhigere, weniger modische Fassade an. Das sei dem Ort besser angemessen. Ein Problem ist auch, dass der Hoteleingang versteckt in einer Nebengasse liegt, in der engen Storchenstraße. „Die Arkade des Nebengebäudes möglichst weiterführen!“, lautet die einhellige Meinung der Fachleute.

Der Gestaltungsbeirat hat in dieser Sitzung mit seinen Empfehlungen „den Alltag einer Stadt begleitet“, entscheiden werden nun die Bauherrschaften und der Bauausschuss.

Elisabeth Brock

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