Energie aus Bio-Müll

Vom Kompostierwerk zur Biovergärungsanlage: Neben Komposterde produziert die Anlage des Zweckverbands für Abwallwirtschaft Kempten (ZAK) in Schlatt jetzt auch Strom und Wärme. Am Dienstag vergangener Woche weihte der ZAK mit zahlreichen Gästen die neue Vergärungsanlage ein. 18000 Tonnen Bio-Abfälle kann die Anlage jährlich verarbeiten. In den bisherigen 17 Jahren seines Betriebs entstand in dem Werk zwischen Hirschdorf und Krugzell ausschließlich Komposterde. Nun fließen 4,8 Kilowattstunden Strom jährlich in das öffentliche Netz, genug um 1920 Haushalte zu versorgen, so der ZAK in seiner Broschüre zu den technischen Daten.

Wie das funktioniert, davon konnten sich vergangene Woche die zahlreichen Festgäste selbst überzeugen. Wie Achim Wurster, Werksleiter der Betreiber-Firma SIUS erklärte, wird in dem neuen, 26 Meter hohen Gärturm Biogas gewonnen. Das Gas betreibt Motoren, die wiederum Elektrizität und auch Wärme, vor allem für die benachbarten Gärtnereien, erzeugen. Komplett ohne Energie Die Bioabfälle werden zerkleinert und kommen in den Gärturm, den so genannten Fermenter, so Wurster. Dort bleiben sie 20 Tage lang. Währenddessen tun die Mikroorganismen ihren Dienst, das Material vergärt. Durch den Gärungsprozess entsteht das Biogas. Die Gärreste werden entwässert und etwa fünf Wochen lang in Betonboxen in einer großen Halle getrocknet. Aus ihnen entsteht die bewährte Komposterde. Ein Bio-Luftfilter sorgt dafür, dass keine üblen Gerüche entstehen. „In der Anlage wird keine Chemie verwendet“, erklärte Wurster. Er lobte vor allem, dass in den Bio-Abfällen im Oberallgäu nur wenig Störstoffe zu finden sein, nur etwa ein Prozent. Im Vergleich zu schadstoffintensiven Energiequellen spare die Anlage rund 3000 Kubikmeter CO2 und 1,5 Millionen Kubikmeter Öl oder Gas jährlich, heißt es in der Broschüre des ZAK. Die spezielle, trockene Vergärungstechnik kommt von der belgischen Firma „Organic Waist Systems“ (OWS), die schon seit 25 Jahren derartige Anlagen baut. Als „entscheidenden Mosaikstein unseres Abfallwirtschaftskonzepts“ bezeichnete der Aufsichtsratsvorsitzende des ZAK, Landrat Gebhard Kaiser (CSU), die Inbetriebnahme der Anlage 1992. Gar ein „Meilenstein“ sei die neue Vergärungsanlage. „Für uns hat sich Ökologie und Ökonomie nie ausgeschlossen, sondern ergänzt“, erklärte er.

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