»Wir stagnieren« 

Energie- und CO 2-Bilanz deckt städtische Baustellen auf 

Von diesen Ansichten braucht es mehr in Kempten Klimaschutzbeirats.
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Von diesen Ansichten braucht es mehr in Kempten, sagte Martin Sambale sinngemäß bei der letzten Sitzung des Klimaschutzbeirats.

Kempten – „Hausaufgaben“ benannte Martin Sambale vom Energiezentrum Allgäu eza für die Stadt Kempten. Der eza-Geschäftsführer stellte bei der letzten Sitzung des Klimaschutzbeirats die aktuelle Energie- und CO2-Bilanz der Stadt vor. „Wir müssen sehr engagiert zu Werke gehen“, sagte er, als es um den Treibhausgasausstoß in der Stadt ging. 

Kempten hat sich im Master- plan das Ziel gesetzt, bis 2050 95 Prozent seiner CO2-Emissionen einzusparen, im Vergleich zu 1990. Zwar fielen die CO2-Emissionen pro Einwohner von 2011 bis 2018 um rund 17 Prozent und Kempten steht mit 7,8 Tonnen CO2-Äquivalent pro Einwohner verglichen mit dem bundesweiten Durchschnitt von elf Tonnen gut da. Doch liegt die Stadt 12,6 Prozent über dem derzeitigen Zielwert, den der städtische Masterplan vorgibt. Und die Masterplan-Überarbeitung, der „Klimaplan 2035“, sieht vor, dass die CO2-Neutralität bereits 2035 erreicht werden soll. Damit ist es nötig, die Emissionen sogar noch schneller zu senken. 

Verbesserungsmöglichkeiten sieht Sambale bei den Energieträgern, das heißt Strom, Kraftstoff an der Tankstelle oder zum  Beispiel das Erdgas, das in die Heizung fließt. „Wir haben noch einen sehr hohen Anteil an fossilen Energieträgern in unserem Endenergieverbrauch.“ Diesen bestimme zu einem großen Anteil die Wirtschaft (52 Prozent, Haushalte knapp 30 Prozent, Verkehr 19 Prozent). 

Wenn man sich speziell den Bereich Strom ansieht, verzeichnet Sambale einen Rückgang im Verbrauch von 2,2 Prozent pro Jahr und Einwohner seit 2011. Der Kemptener Strom stammt  zu 31 Prozent aus erneuerbaren Energien, sofern man die Abfallverbrennung dazu zählt. Bundesweit sind sogar 42 Prozent Strom aus regenerativen Energien. „Da ist die Aufgabe, noch mehr zu machen.“ Insbesondere sieht Sambale noch Potential auf Flächen für die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien, etwa bei PV-Anlagen über Carports oder auf Dächern. 

Vergleichsweise „sehr gut“ liege die Stadt Kempten dagegen beim Wärmeverbrauch. „Es gibt nicht viele Städte, die einen so hohen Anteil an Fernwärme haben.“ 2018 lag der Anteil bei 18 Prozent. „Aber in den letzten Jahren stagnieren wir auch hier“, sagte Sambale, bevor sein Blick auf die Wärme sich eintrübte: 31 Prozent der Wärme wurden 2018 mit erneuerbarer Energie erzeugt, 69 Prozent stammen aus fossiler Energie. Insgesamt fiel das Wort „stagnieren“ im Vortrag fünf Mal. 

Susanne Lüderitz

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