"Die Engel in Blau" feiern

Bahnhofsmission: ein Stück Nächstenliebe an einem hektischen Ort

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Dr. Lars Hopper, diesjähriger Präsident des Lion Clubs Cambodunum (Mi. vo.) und Wolfgang Grieshammer (mi., hi.) überreichten den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bahnhofsmission Kempten eine Spende in Höhe von 500 Euro zum 50-jährigen Jubiläum.

Kempten – Ein offenes Ohr, den richtigen Bahnsteig finden oder auch Schwierigkeiten bei der Verständigung – die „Engel in Blau“ der Bahnhofsmission Kempten, von weitem bereits erkennbar an ihren blauen Jacken, helfen weiter. Sie sind einfach da. Seit 50 Jahren bieten ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Kemptener Bahnhof Reisenden und Menschen in Not verlässliche Hilfe an. Sie helfen Jedem ohne Wenn und Aber, ohne Vorbedingungen und kostenlos.

Zahlreiche Gäste kamen letzten Freitag in den Kemptener Bahnhof, um gemeinsam mit haupt- und ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern das 50-jährige Jubiläum der Bahnhofsmission zu feiern. Seit 50 Jahren leistet diese Institution Dienst am Gleis. Die Ehrenamtlichen unterstützen Reisende beim Ein, Aus- und Umsteigen, sie bieten ein ruhiges Plätzchen mit einer Tasse Tee zum Ausruhen an, hören zu und versuchen in Krisensituationen weiter zu vermitteln. 

Die ökumenische Einrichtung der katholischen und evangelischen Kirche, in Trägerschaft ihrer Wohlfahrtsverbände Caritas und Diakonie, lebt aktive Nächstenliebe, mit bundesweit über 100 Bahnhofsmissionen. 

Vor 20 Jahren stand die Arbeit für Menschen in Not im Vordergrund. Obdachlose, verzweifelte, arme oder süchtige Menschen bekamen eine warme Suppe und einen Schlafplatz. Durch die Einrichtung von Wärmestuben durch das Rote Kreuz und anderen Institutionen veränderten sich die Aufgaben der Bahnhofsmission hin zur Hilfe für Reisende und Menschen, die aufgrund ihres Alters, einer Krankheit oder Behinderung eingeschränkt sind und Unterstützung am Bahnsteig benötigen. 

Am heutigen Berliner Ostbahnhof gründete vor 125 Jahren der Pastor Johannes Burckhardt die erste Bahnhofsmission. Er wollte junge Frauen, die vom Land in die Stadt kamen, vor Ausbeutung und Übergriffen schützen. Im Jahr 1897 wurde dann die erste Katholische Bahnhofsmission am Münchner Hauptbahnhof durch die Frauenrechtlerin Ellen Ammann gegründet. 

In Kempten nahm die niedrigschwellige Einrichtung am 3. Oktober 1969 ihren Betrieb auf, fünf Tage nach der Einweihung des Bahnhofs. Die Aufgaben haben sich gewandelt, so Oberbürgermeister Thomas Kiechle in seinem Grußwort, doch die Bedürfnisse sind die gleichen geblieben. „Es ist eine unverzichtbare Aufgabe.“ Es brauche Menschen mit viel Leidenschaft und Herzblut, die Orientierung bieten, zuhören und ein Stück Wärme und Menschlichkeit den hilfesuchenden Menschen geben, betonte Kiechle. Mit einem herzlichen „Vergelt‘s Gott“ bedankte er sich für die wertvolle Arbeit, die die Ehrenamtlichen hier am Bahnhof leisten. Und so war dann auch sein Wunsch, dass sich weiterhin viele engagierte Menschen für den Dienst am Nächsten finden. 

Für Bernhard Christ, Leiter des Bahnhofsmanagement der DB Station&Service AG ist die ehrenamtliche Tätigkeit der Bahnhofsmissionsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter eine wertvolle Ergänzung zur Serviceleistung der Bahn. Ein Schutzraum für Gestrandete, verbunden mit Hilfe und Orientierung, so Christ. 

Sechs ehrenamtliche Helferinnen und Helfer leisten Dienst am Gleis, wie etwa Marlies Sulzer, die vor 14 Jahren ihr Ehrenamt in der Bahnhofsmission antrat. Sie habe seitdem viel erlebt, erzählte sie, lustige und traurige Erlebnisse. Wie etwa der junge Mann, der von einer Gerichtsverhandlung kam und ohne Geld am Bahnsteig stand, weil er nicht damit gerechnet hatte, freigesprochen zu werden, schmunzelte sie. 

Auch Gerda Karl, stets freundlich lächelnd, engagiert sich ehrenamtlich bereits seit 25 Jahren. Sie wurde damals durch einen Zeitungsbericht auf diese Tätigkeit in der Bahnhofsmission aufmerksam. Es war nicht immer leicht, erzählte sie, da Menschen mit den unterschiedlichsten Problemen kamen. Mehr verriet sie aber nicht, getreu dem Motto der Bahnhofsmission: „Was in der Bahnhofsmission passiert, bleibt auch in der Bahnhofsmission.“ 

Indra Baier-Müller, die Vorstandsvorsitzende der Diakonie Kempten-Allgäu betonte, dass es einfach darum gehe, für den anderen da zu sein, gemäß dem Berliner Motto zum 125-jährigen Jubiläum der Berliner Bahnhofsmission: „Einfach da.“ Sie wünschte sich gemeinsam mit den Ehrenamtlichen dringend Verstärkung, „damit weitere 50 Jahre gelingen können“. Und auch über ein Geburtstagsgeschenk konnten sich die Helferinnen und Helfer freuen, eine Spende in Höhe von 500 Euro, die der Präsident des Lions Club Kempten Cambodunum Dr. Lars Hoppe und Spendenkoordinator Wolfgang Grieshammer persönlich überbrachten.

Christine Reder

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