Von der Kiesgrube zum Freizeitpark

Kleinod in Kempten: Den Engelhaldepark gibt es bald 30 Jahre 

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Erster Kiosk im Engelhaldepark
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Kempten – Der Engelhaldepark oder Landschaftspark Engelhalde kann im Juni 2019 seinen 30-jährigen Geburtstag feiern.

Dieser Park im Osten der Stadt wird heute von Jung und Alt sehr gerne besucht, da er eine gelungene Symbiose zwischen Gesundheitsanwendungen, verschiedenen sportlichen Aktivitäten, Naturerlebnissen, aber auch Erholungs- und Ruhemöglichkeiten darstellt. Nach mehrjähriger Bauzeit waren 1989 wesentliche Elemente des Parkes fertiggestellt und er konnte am 24. Juni offiziell eröffnet werden. Wegen dieses 30-jährigen Jubiläums soll hier ein wenig die Geschichte des Parks betrachtet werden, der ein Gegenstück zum großen Sport- und Badezentrum im Westen der Stadt darstellt. 

Immerhin ist der Engelhaldepark mit rund zwölf Hektar rund vier Mal so groß wie der im Jahre 1885 geschaffene Stadtpark einschließlich des Königsplatzes, der damals als beliebte Grünanlage im Herzen der Stadt galt (siehe Beitrag zur Geschichte des Stadtparks im Kreisbote vom 17. Mai 2017). Bis in die 1950er Jahre befanden sich auf dem Gebiet des heutigen Engelhaldeparks ebene, landwirtschaftlich genutzte Wiesen, unter denen, bedingt durch eiszeitliche Bewegungen, große Kiesvorräte lagerten. An ihren Nord- und Westrändern fielen die Wiesen steil in Richtung Bachtelbach und Iller ab und bildeten dort eine Art Schlucht. Vielleicht hat diese Geländeformationen dann dem Gebiet auch den Namen Engelhalde gegeben. Denn der Begriff „Engel“ dürfte sich aus dem Wort „Enge“ im Sinne von Taleingang oder auch Schlucht, öfters auch „Engel“ genannt, abgeleitet haben, während eine Halde einen steileren Abhang bezeichnet. Noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts nannte man diese Flächen an der Illerseite noch Bachtelesch oder Bachtelösch und weiter südlich davon Tiefenbacher Ösch. Ab 1956, auch unter dem Eindruck der großen Wohnungsbauvorhaben in Kempten, begann dann auf der Engelhalde der Abbau von Kies in größeren Mengen.

Diese Kiesgrube war durch ihre Steilhänge abgeschirmt und so von der Illerseite und der Lenzfrieder Straße her nicht zu sehen. Später wurde der Kies angeliefert und zusätzlich im Ostbereich der Egelhalde noch eine Betonmischanlage betrieben und es begann die Herstellung von Fertiggaragen. Im April 1979 verließ dann das Kieswerk die Engelhalde und im Jahre 1980 gab das Beton- und Kieswerk dort auch die Garagenherstellung auf. Ende 1991 stellte auch das Betonwerk seinen Betrieb ein und verließ kurze Zeit später die Engelhalde. Zurück blieb eine Art Kraterlandschaft mit steilen Hängen, in der schon damals „umweltbewusste“ Zeitgenossen ihren Müll entsorgten. Große Sorgen bereiteten den Verantwortlichen im Bauamt besonders die bis zu 22 Meter steilen Abhänge im Norden der ehemaligen Kiesgrube in Richtung Lenzfrieder Straß, da sie Erosionen befürchteten. Ein Abrutschen der Hänge hätte dort den wichtigen Baumbestand gefährdet. 

Es bestand also Handlungsbedarf. Schon seit Beginn des Kiesabbaus hatte man sich seitens der Stadt Gedanken gemacht, was mit diesem Areal nach Abzug des Kieswerkes geschehen sollte. Da nach der Gebietsreform von 1972 ein neuer, zukunftsorientierter Flächennutzungsplan für das vergrößerte Stadtgebiet nötig wurde, entstanden unter dem damaligen Oberbürgermeister Dr. Josef Höss schon Vorstellungen für einen Landschafts- oder Freizeitpark. Dabei sollte ein Grünzug aus dem Stadtkern in die freie Landschaft bis zum Bachtelweiher hinausführen. Dazu bot sich das Gelände des ehemaligen Kies- und Ziegelwerkes an der Engelhalde geradezu an. Bis es aber zur Umsetzung dieses Planes kam, gab es unterschiedliche Vorstellungen, wie dieses Areal zu nutzen sei. Im Oktober 1974 entstand der Plan, auf dem Gebiet ein Sportzentrum zu errichten. Hierbei sollte auf einer großen Liegewiese eine Badelandschaft mit einem eigenen Sportbecken, einem extra Springerbecken, verschiedenen Schwimmanlagen für Schwimmer und Nichtschwimmer sowie einem eigenen Spielplatz mit Planschbecken entstehen. Für die Wintersportfreunde waren ein Eislaufplatz, sieben Bahnen für Eisstockschützen und sogar ein Kunsteisplatz geplant. Es kam aber nicht zur Realisierung. 

Danach wurden verschiedene Nutzungspläne für das Engelhalde-Gelände diskutiert. Einmal sollte es für Industrieansiedlungen reserviert bleiben. Anschließend kam der Plan auf, das Gebiet für Wohnbebauungen zu reservieren. Ebenso gab es Ideen, die eine Mischnutzung, also Gewerbeansiedlungen und den Bau von Wohnanlagen oder die Einrichtung von Kleingartenanlagen vorsahen. Es gab sogar im Jahr 1984 die Vorstellung, auf diesem Areal die erste bayerische Landesgartenschau, durchzuführen. Allerdings kam man von diesem Vorhaben ab, da die Umsetzung einen zu großen Zeit- und Kostendruck bedeutet hätte. Allein die Kosten dafür wären auf fast 19 Millionen DM gestiegen. Schließlich setzte sich die Idee durch, hier ein stadtnahes Erholungsgebiet in Form eines Landschaftsparks zu errichten. Die Entscheidung fiel am 12. Februar 1981 im Stadtrat. Dort folgte nach über zweistündiger Debatte das Plenum mit 27 zu 16 Stimmen der Empfehlung von Bau-, Haupt- und Finanzausschuss, die sich für eine Rekultivierung der ehemaligen Kiesgrube an der Engelhalde ausgesprochen hatte. Im Jahre 1981 gab es einen Gestaltungswettbewerb, bei dem der renommierte Landschaftsarchitekt Peter Kluska aus München mit seinem Entwurf den ersten Platz erringen konnte. 

Dies gelang ihm auch mit seiner Vorstellung, den durch den Kiessabbau entstandenen Talkessel mit einem Einschnitt, einer sog. Landschaftspforte, das westliche Illerhochufer zu öffnen, um damit eine Sichtlinie zur Altstadt zu ermöglichen. Daneben sah er das Anlegen von Parkplätzen, Wanderwegen, vielen Sitzgelegenheiten, einer Blumenwiese, einer Spiel- und Sportwiese, Liegewiesen und einen Musikpavillon vor. Kluska dachte auch an ein Schwimmbad mit Umkleidekabinen sowie Bewirtungsmöglichkeiten und einen sog. inneren Bachtelweiher. Er sollte sein Wasser vom Bachtelbach erhalten, der das Randgebiet der Engelhalde durchf l i e ß t , das zuvor durch eine biologische Reinigungsa n l a g e gefilter t w e r d e n sollte. Auf Basis dieses Entwurfs erhielt das städtische Baureferat den Auftrag, einen baureifen Plan zu erarbeiten. Der Ausführungsplan des Baureferates enthielt einige Abweichungen von Kluskas Konzept. So verzichtete man z.B. auf das Schwimmbad, als Ausgleich dafür wurde die Teichanlage etwas größer geplant. Die Höhenlinien des Parks sollten so gestaltet sein, dass für die Besucher von möglichst vielen Wegen und Aussichtspunkten der Blick auf die historisch bedeutsamen Bauten der Stadt Kempten möglich wäre. 

Diese Planungen sahen auch vor, einen extra Steg für Fuß- gänger und Radfahrer zu bauen. Dieser sollte sowohl die Iller als auch die Füssener Straße überspannen, um eine direkte Verbindung zwischen Altstadt und Burghaldebereich und dem neuen Park zu schaffen. Es blieb aber bei diesen Vorstellungen. Eine Verbindung zwischen Park und Ludwigshöhe bietet aber die „Leonhardbrücke“, auf der sowohl Fußgänger als auch Radfahrer gefahrlos den Ring und die Bahnlinien überqueren können. Die Kosten In dieser Phase kalkulierten die Planer noch mit Baukosten in Höhe von 10,57 Millionen D-Mark. Dabei ging die Stadtobrigkeit davon aus, dass der Bayerische Staat 25 Prozent der Baukosten übernehme und weitere 25 Prozent als vergünstigtes Darlehen gewähre. Dankenswerter Weise genehmigte aber das bayerische Umweltministerium für diese Maßnahme einen höheren Förderungssatz als üblich. Daher blieb für die Stadt noch ein Anteil von gut sieben Millionen D-Mark übrig. Zusätzlich gelang es damals den Verantwortlichen, weitere Sparpotentiale zu erschließen. So sparte die Stadt an die 600.000 DM ein, da sie nicht nur „Großbäume“ einplante, deren Verpflanzung sehr kostenaufwändig gewesen wäre, sondern deutlich mehr kleinere Bäume einpflanzen ließ. Weitere Kostenreduktionen von ca. 1,1 Million D-Mark entstanden, weil man bei den Aufschüttungen der größeren Flächen hauptsächlich überschüssiges Material aus Baustellen verwendete. Damit ließen sich bis 1983 etwa 80.000 Kubikmeter und bis Ende 1984 an die 180.000 Kubikmeter aufschütten. 

Die Parkanlagen Die Bauarbeiten, die ein Memminger Gartenbauunternehmen übertragen bekam, starteten zunächst mit der Grobmodellierung des Geländes. Vor allem mussten die Steilhänge gesichert werden, um Unfallgefahren aus dem Weg zu räumen. Danach konnten die umfangreichen Geländearbeiten folgen. Nach Fertigstellung der ersten Teilbereiche nahmen die Gartenarbeiter schon die ersten Anpflanzungen an der Südböschung vor, während sie am Nordhang mit seinen sichtbaren Nagelfluhstreifen eine bodenständige Bepflanzung einbrachten. 1987 begann der Bau der Parkwege und die Böschungen im Westen erhielten ihre endgültige Gestalt. An der Illerseite konnte trotz des Einschnittes für die „Landschaftspforte“ der wertvolle Baumbestand weitgehend erhalten werden. Nach dem Abschluss der Erdarbeiten begann die eigentliche Rekultivierung der Parkanlage. Im Herbst 1987 wurden dann die Ballspielflä- chen fertiggestellt, die Hauptwege erhielten einen Teerbelag und die kleineren Nebenwege eine Oberfläche aus Brechsand. An den Hangflächen wurden schmale Pfade oder Treppenaufstiege angelegt. Heute ist das gesamte Wegenetz des Parkes ungefähr zweieinhalb Kilometer lang. Besonderes Augenmerk legten die Gartengestalter auf die Bepflanzung. Sie setzten ungefähr 800 Großbäume und 1500 kleinere Bäume ein, wie z.B. Linden, Wildkirschen, Buchen, Erlen, Eschen, Ebereschen und Fichten. Hinzu kamen an die 10.000 Sträucher der verschiedensten Arten und ca. 25.000 kleinere Staudengewächse. Neben den Rasenflächen entstanden Wildblumenwiesen, an denen sich nicht nur die Besucher erfreuen, sondern auch viele Insekten laben können. Südlich des eingeplanten Weihers schuf man Vorbereitungen zur Anlage eines Feuchtbiotops. Dann ging es an die Gestaltung des über 6000 Quadratmeter großen und bis zu drei Metern tiefen Teiches. Er erhielt eine Abdichtung aus einer Erdbausohle, einer Sandschicht, einer darü- bergelegte Foliendichtung, eines zusätzlichen Schutzflieses und zusätzlich einer Lehmschicht. Eine eigene Bootanlandestelle gibt Modellbootfreunden Gelegenheit, dort ihre Boote starten und anlanden zu lassen. Heute ist der Weiher nicht nur bei den Besuchern sehr beliebt. 1988/89 erfolgten die Arbeiten zur Ufergestaltung. Dabei verwendete man Natursteine und es entstanden verschiedene kleine Holzstege. 1987/88 gestaltete man den rund 150 Meter langen kleinen Bachlauf, der über mehrere Kaskaden zu einem kleinen Vorweiher mit seiner Röhrichtinsel führt, dessen Wasser in mehreren Steinstufen in den Weiher fließt. Das Wasser für diesen Bach kommt übrigens aus dem Stadtteil St. Mang (Kottern) von einer Quelle westlich der Ludwigstraße. Vorher nutzte auch das Kieswerk das Wasser des Bächleins zum Waschen des Kieses. Damit führt dieser Bach die Tradition der Wasserversorgung der ehemaligen Reichsstadt Kempten fort, die schon in früheren Jahrhunderten ihr gutes Trinkwasser aus Kotterner Quellen bezogen hatte. 1988 gingen die Arbeiten an den Spielflächen weiter. Auf einer Fläche von ungefähr 3000 Quadratmetern entstanden verschiedene Spielzonen, getrennt für kleinere und größere Kinder und verschiedene Spielgeräte stehen zur Nutzung bereit. Weitere Flächen mit einer Gesamtgröße von 8000 Quadratmetern bieten Möglichkeiten für Ballspiele und andere Sportarten.

Eine kleine Freilichtbühne entstand, deren Besonderheit die Sitzbänke sind. Sie entstanden aus steinernen Bahnsteigkanten, die vom ehemaligen Kemptener Kopfbahnhof stammen. Fünf verschiedene Pavillons stehen den Besuchern zur Verfügung, damit sie bei auftretendem Regen oder großer Hitze dort Schutz finden können. Unter dem großen Pavillon auf der Ostseite, nicht weit vom Schumacherring entfernt, gibt es eine eigene Feuerstelle, auf der Grillfreunde ihre Grillfeste feiern können. Insgesamt 70 Ruhebänke laden die Besucher zum Ausruhen ein. Zahlreiche Abfalleimer sollen die Parkbesucher animieren, ihren Müll dort zu entsorgen, 60 Lampen auch Spaziergänge in der Dunkelheit ermöglichen. Die Hundehalter werden mit Erinnerungstafeln darauf hingewiesen, dass sie ihre Lieblinge in der gesamten Parkanlage an der Leine zu führen haben. Ein Höhepunkt, nicht nur aus Sicht der Gartengestaltung, sondern vor allem aus gesundheitlichen Gründen, stellt die Kneippanlage im Norden des Parkes dar. Hier können Kneippfreunde in einer großzügigen Fuß- badanlage ihrer Leidenschaft nachgehen. 

Besonders zu erwähnen ist das Armbecken, das aus einem ehemaligen steinernen Futtertrog aus dem ehemaligen fürstäbtlichen Marstall der Stiftsstadt stammt und extra für Kneippzwecke im Engelhaldepark entsprechend modelliert wurde. Nach dem Wassertreten können sich die Kneippfreunde unter geschmackvoll gestalteten Pergolen entspannen. Neben der Kneippanlage gibt es fest installierte Fitnessgeräte, an denen die Besucher ihre Kondition verbessern und ihre Muskeln stählen können. Die gelungene Gestaltung des Parks zeigt sich vor allen Dingen darin, dass größere Flächen für den Naturschutz reserviert sind, auf denen nur regulierend eingegriffen wird und dort keine intensive Pflege, wie beispielsweise das Entfernen von Totholz stattfindet. Daher tummeln sich auf den Teichen verschiedene Wasservögel, wie Enten, Blässhühner sowie Schwäne, die sogar regelmäßig erfolgreich brüten. Ja sogar größere Fische fühlen sich im Wasser wohl. Schon seit längerer Zeit sind im Engelhaldepark auch einige Biber eingezogen, die sich vom Holz mancher umstehenden Bäume ernähren und trotz der Besucher heimisch geworden sind. 

Eröffnung des Parkes Am 24. Juni 1989 konnte der größte Teil des Parks durch den Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium für Landesentwicklung und Umweltfragen, Hans Spitzner und dem Kemptener Oberbürgermeister Dr. Josef Höss, nach Segensweihen durch Vertreter der katholischen und evangelischen Kirche feierlich eröffnet werden. Ein Bürgerfest mit einem reichhaltigen kulturellen Angebot und vielen Freizeitveranstaltungen folgten am Samstag und Sonntag, 24. und 25. Juni 1989. Einige Bauwerke ließen sich aber erst nach Abzug des Betonwerkes ab den 1990er Jahren verwirklichen. Damit standen Flächen zur Verfügung, um die Gestaltung des Parkes abzurunden. Dazu gehörte ein Gaststättenbetrieb mit sanitären Anlagen. Im April 1989 sprachen sich Bauausschuss und der Ausschuss für Öffentliche Ordnung gegen den Bau einer größeren Gastwirtschaft aus. Um den Engelhaldepark als einen Ort der Ruhe und Erholung zu erhalten, entschieden sie sich für eine kleine Gaststätte mit ungefähr 50 Sitzplätzen.

Im Osten des Engelhaldeparks steht seit 2002 eine Freiluft-Klettersportanlage, deren Wand 18 Meter hoch ist und eine Kletter

Dr. Willi Vachenauer 

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