Die Entsorgung läuft

„Der große Schlag wird noch kommen.“ Da ist sich Dietmar Jansen, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Kempten, sicher – spätestens im Herbst, wenn die Wirtschaftskrise auch bei den heimischen Maschinenbauern voll durchschlage. Schon jetzt sei das Allgäu die Region mit den meisten Kurzarbeitern in der Elektro- und Metallbranche. Größte Sorgenkinder sind die Automobilzulieferer wie Bosch oder PMG in Füssen.

Nein, es war keine sonderlich zuversichtliche Stimmung, die Jansen, sein Stellvertreter Carlos Gil und Werner Neugebauer, bayerischer Bezirksleiter der Metaller, anlässlich eines Pressegesprächs am vergangenen Mittwoch verbreiteten. Zwar sei das Allgäu bisher von der Wirtschaftskrise „noch ziemlich verschont“ worden, doch dem allgemeinen (Zweck-)Optimismus der heimischen Politiker wollten sich die Metaller nicht anschließen. „Wir werden zeitversetzt genauso betroffen sein“, sagte Jansen angesichts der noch bestehenden Auslastung im Bereich Maschinenbau. Allerdings seien auch hier bereits beträchtliche Auftragsrückgänge zu verbuchen. Wenn die bestehenden Aufträge erst einmal abgearbeitet seien, kämen auch auf die heimischen Maschinenbauer schwere Zeiten zu. „Alles, was derzeit entwickelt wird, wird künftig nicht mehr finanziert“, sagte er. Viele Leiharbeiter würden bereits jetzt ohne großes Aufheben „entsorgt“. Besonders wichtig sei in diesem Zusammenhang, vor allem aber die Azubis im Betrieb zu halten, um später auf deren Fachkenntnisse zurück greifen zu können. „Ich kann nur jedem Arbeitgeber raten, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen“, so Jansen. Angesichts dieser Entwicklung wollen die Metaller das laufende Jahr unter das Motto „Keine Kündigungen in 2009“ stellen. „Wir als IG Metall stehen mit unseren Betriebsratsgremien in engem Kontakt und versuchen mit ihnen sinnvolle Betriebsvereinbarungen zur Kurzarbeit zu gestalten“, erklärte Jansen. „Hier sind Inhalte wie Qualifizierung der Beschäftigten und auch der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen während der Kurzarbeit ein wichtiges Thema.“ Ein weiterer Schwerpunkt in diesem Jahr sei die Kampagne „Gemeinsam für ein gutes Leben“. In diesem Zusammenhang sollen allein im Allgäu bis zu 10000 Beschäftigte und Bürger hinsichtlich ihrer Ansprüche und Vorstellungen befragt werden. Geplant seien zudem Infostände in den Allgäuer Fußgängerzonen und das Problem der Übernahme von jungen Menschen soll verstärkt thematisiert werden. Darüber hinaus sollen im Vorfeld der Bundestagswahlen wieder „Kreuzverhöre“ mit den Kandidaten stattfinden. Der Staat muss eingreifen Doch kann der großen Krise überhaupt etwas entgegen gesetzt werden? Allerdings, sind sich Jansen und Neugebauer sicher. Voraussetzung dafür sei allerdings, dass die Arbeitgeber das wollen und finanziell auch stemmen können. „Wenn beide Seiten es vernünftig angehen, können wir diese Krise verhältnismäßig gut überstehen“, sagte Jansen. Gefragt sei in diesem Zusammenhang aber auch die Politik. „Wir erwarten, dass die Staats- und Bundesregierung da einspringt“, forderte er. Beispielsweise indem Banken angewiesen werden, wieder Kredite zu vergeben. „Der freie Markt hat bewiesen, dass er nicht funktioniert“, so Jansen. „Die vernünftigen Leitplanken muss jetzt die Politik setzen.“ Große Hoffnungen hegen die Metaller hinsichtlich der Politik aber wohl nicht. So habe man, so Carlos Gil, bereits vor geraumer Zeit bei der Staatsregierung in München wegen Staatshilfen für PMG in Füssen angefragt. „Aber gehört haben wir bisher nichts.“

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